Chicken crossing

In Unterweikertshofen findet sich dieses einzigartige Schild: Vorsicht – hier queren Hühner die Straße!

Ich liebe dieses Schild, das immer für Schmunzeln und gute Laune bei allen sorgt, die es bemerken. Und es passt jetzt auch so gut in die österliche Zeit: schließlich gelten Hühner als Lieferanten der Eier, die für Ostern gekocht und gefärbt werden. Wobei dies nicht immer so gesehen wurde.

Da Hennen nur weiße oder braune Eier legen, wählte man zeitweise als Erklärung für die bunten Ostereier den Märzhasen. Der Chronist für Bräuche im 17. Jahrhundert, Doktor Georg Frank schrieb dazu 1682: „Man macht einfältigen Leuten und kleinen Kindern weis, diese Eier brüte der Osterhase aus und verstecke sie im Garten“. Schließlich würde er auf dem Feld, bevor er loshopple, eine Weile innehalten – dieser Moment sei der des Eierlegens. In manchen Gegenden Deutschlands war laut Volksglaube auch der Storch, Fuchs, Kuckuck oder Kiebitz unterwegs, um die Eier zu bringen. Letztendlich siegte aber der Hase, für dessen Popularität zahlreiche Grußkarten um 1900 und dann die  populäre „Häschenschule“, ein Bilderbuch von 1924, sorgten.

Im Dachauer Land hielt sich jedoch lange die Ansicht, dass der Gockel die Eier bringen würde. Kinder bastelten hier ein Nest, das ihn anlocken sollte. So ist aus Pellheim überliefert, dass ein Gockelnest aus im Boden gesteckten Weidenzweigen gebaut wurde, die oben zusammengebunden wurden. Zwei Seiten waren mit Fichtenreisig abgedeckt und die dritte Seite als Eingang offen gelassen. Der Boden wurde mit Moos bedeckt.

In Erdweg ließ sich der Gockel partout nicht in das vorbereite Nest locken, wie sich ein Zeitzeuge erinnerte – dennoch hätten die Kinder am folgenden Tag bunte Eier im Nest gefunden. In Wollomoos wurde sichtlich etwas nachgeholfen: „Der Gockel entledigt sich seiner Aufgabe sehr gerne, wird er doch von den Kindern schon längere Zeit vorher mit Eierschalen und Brot gefütter “, hielt der Ortspfarrer fest.

Inzwischen wurde in unserer Region der Gockel auch vom Osterhasen abgelöst – zumindest als Eierbote. Gelegt werden die Eier immer noch von den Hühnern – denn die haben ja schließlich Vorrang – zumindest in Unterweikertshofen.

 

FOTO: Schild in Unterweikertshofen, Richtung Langengern. Birgitta Unger-Richter.

 

Zu Osterbräuchen, nicht nur im Dachauer Land, gibt der Ausstellungskatalog des Bezirksmuseums in Dachau „Allerlei ums Osterei“ von 1996 Auskunft (hier auch das Zitat von Sebastian Frank). Im Mai 2022 erscheint die Chronik Erdweg mit einem Beitrag zu örtlichen Bräuchen von Annegret Braun. Dort wird auch der unwillige Gockel erwähnt. Zu Pfarrer Neureuthers Aufzeichnungen über den Gockel in Wollomoos  s. Chronik Altomünster. Hg. Wilhelm Liebhart für den Museumsverein Altomünster, Altomünster 1999, S. 537.

 

 

 

 

 

4 comments

  1. Franz Josef Ebermayr says:

    Das Verkehrsschild mit dem Huhn find ich lustig .
    Hoffentlich steht unter dem Schild nicht das Logo “ Chicken crossing“

    Danke für den schönen Bericht über das Eierlegen zu Ostern.
    Ich hatte schon vergessen , daß ich zu Ostern in meiner Kindheit auf dem Bauernhof meiner Großeltern ein Nest aus Daxen und Moos für den Gockel , der ja zu Ostern in der Lage war , bunte Eier zu Legen, gebaut hatte.
    Ich mußte nicht auf Eiersuche gehen.
    Es war am Ostersonntag ein Erlebnis, wenn zwischen den Tannenzweigen von meinem liebevoll gebauten Nest bunte Eier zu Sehen waren.
    Meine Oma hatte die Eier angepickt, die man zu Ostern zusammen mit geräucherten und Osterzopf in die Kirche zur Weihe gebracht hatte.
    Ich hatte sie gefragt, warum die Eier angepickt werden, und bekam von meiner
    sehr gläubigen Oma die Antwort …. damit der heilige Geist eintreten kann !

    Grüße
    Franz J. Ebermayr

    • Dr. Birgitta Unger-Richter says:

      Lieber Franz Josef Ebermayr,
      danke für ihre schöne Ergänzung! Unter dem Schild steht übrigens nicht „chicken crossing“ – die Bezeichnung kam im Rahmen eines Filmprojektes auf und ist seitdem für mich untrennbar mit ihm verbunden. Sicherlich ist das Hühnerschild auch international einmalig. In Großbritannien müsste das Huhn allerdings von der anderen Seite aus den Zebrastreifen überqueren…
      Die Sache mit den angepickten Eiern hatte ich noch nie gehört- danke für dieses Glaubenszeugnis ihrer Oma.
      Herzliche Grüße
      Birgitta Unger-Richter

  2. Anna Huhn says:

    Das Verkehrsschild hat mein Vater, Werner Huhn, aufgehängt. Er hat dort immer die Straße überquert, um vom Wohnhaus zur Werkstatt zu gelangen und umgekehrt. 😉

    • Dr. Birgitta Unger-Richter says:

      Liebe Frau Huhn – danke für ihre Nachricht, die das Rätsel um das Schild löst! Das passt zu ihrem humorvollen Vater, den ich auch als sehr guten Dudelsackspieler erleben durfte. So widme ich den Beitrag nachträglich ihm. Damit hat er nicht nur sich ein möglichst gefahrloses Überqueren der Straße ermöglicht, sondern auch ein einzigartiges Schild kreiert, das vielen Menschen Freude macht. Ihnen und ihrer Familie ein frohes Osterfest!

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