Autor: Dr. Birgitta Unger-Richter

Die Himmelfahrt der Heiligen von Schönbrunn

„Ja ist denn jetzt schon Himmelfahrt?“ – entfuhr es mir letzte Woche als ich in der Schönbrunner Hofmarkkirche war. Dort wurden die Skulpturen des Hl. Leonhard und Hl. Sebastian in eine Art Aufzug gestellt, fest verankert und mit einer Motorseilwinde in die zweite Etage einer hölzernen Kiste gezogen. Ein bisschen erinnerte mich dies an die Schilderung der Himmelfahrt Christi in der Bibel: „Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken“.

Die Heiligen sind ein Teil der Ausstattung der Kirche, die nach mehr als zehn Jahren Einlagerung aus einer Restaurierungswerkstätte am Chiemsee an ihren Heimatort zurückgebracht wurden. Dort warten sie jetzt zusammen mit anderen Skulpturen, Rahmen und Gemälden in einer riesigen verschlossenen Kiste auf die Wiederherstellung des Kirchenraumes, in dem sie eines fernen Tages wieder ihren angestammten Platz finden sollen.

So richtig zum Scherzen war mir bei diesem Besuch aber eigentlich nicht. Eher war es eine Art von Galgenhumor, mit der ich meine Enttäuschung darüber kaschierte, dass hochwertige barocke Kunst in eine staubige Baustelle verbracht wurde. Die in das Gerüst eingefügte Holzkonstruktion, Laderampen, Werkzeug, das alte Zifferblatt der Turmuhr, Fotos der lebensgroßen Passionsfiguren – alles zusammen ein trostloses Bild der Verwahrlosung. Kein schöner Empfang für eine erstklassige Kunst, an der der Zahn der Zeit genagt hat und die in ihrer Versehrtheit traurig macht.

Das außen wiederhergestellte Gebäude lässt die Qualität der ehemaligen Kirche des Hofmarkherren Franz Xaver von Unertl, 1723/24 erbaut, erahnen – im Innern fühlt man sich hingegen eher auf einem Abstellplatz, in einer Art von Rumpelkammer, einem Dachspeicher voll vergessener Schätze.

2014 war ich noch optimistisch und mit Enthusiasmus bei der Gründung des Fördervereins für den Erhalt dieser Kirche dabei: wir wollten mit unserem Vorsitzenden Gerhard Schmidbauer die Restaurierung der Kirche voranbringen, organisierten dazu Konzerte, knüpften Kontakte, bauten eine Webpräsenz auf, warben für Mitglieder und Unterstützer. Dann kam im Januar 2020 die klare Ansage des Ordinariates, dass die Kirche laut interner Priorisierung nicht genügend Punkte habe, um finanziell unterstützt zu werden. Das Ziel der äußeren Sicherung unter dem Stichwort „die Kirche ist unter Dach und Fach“ – lapidar gesagt es regnet nicht mehr hinein und die Kirche ist nicht einsturzgefährdet – sei erreicht. Die Gelder für die weitere Sanierung – geschätzte 5 Millionen € – müsse die Kirchenstiftung selbst aufbringen.

Mit der Rückkehr der nicht restaurierten Ausstattung in die Kirche ist nun ein neuer Tiefpunkt in der Geschichte dieser Kirche erreicht. Am 17. Mai trifft sich der Förderverein zur weiteren Beratung. Ans Aufgeben denken wir trotz allem nicht! Wir freuen uns über Unterstützung und auch neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Und zu guter letzt: das Fest der Himmelfahrt ist ja nicht nur das „Verschwinden in den Wolken“,  sondern vermittelt die hoffnungsvolle Botschaft der Wiederkehr.

 

Das Foto entstand am 26. April in Schönbrunn. Einige weitere Eindrücke habe ich hier gesammelt:

Wenn sie den Förderverein unterstützen möchten, schauen sie doch einmal auf die Webseite mit Informationen und Kontaktdaten.  

 

Der Storch ist da!!!

Die Störche sind aus dem Winterquartier zurück! An mehreren Orten im Landkreis sind sie angekommen – und sie sind nicht alleine – sie haben sogar noch Nachwuchs mitgebracht! Aufmerksame Spaziergänger entdecken die Hinweise dort, wo frisch gebackenen Eltern zu ihren Buben oder Mädchen auf eine ganz eigene Weise gratuliert wird: handbemalte Schilder, blank polierte Konservendosen oder bunt zusammengewürfelte Putzlappen weisen den Weg zu einer Lumpen–  oder Bixnmacherei.

Bei Brauch- und Sprachforschern löst das natürlich ein Stirnrunzeln aus: als „Lump“ wurde ursprünglich ein Mensch in zerlumpter Kleidung bezeichnet. Später wurde der Begriff auf einen betrügerischen, charakterlosen oder gesinnungslosen Zeitgenossen übertragen, wie das Bairische Wörterbuch erklärt. Und „Bixn“? Sachlich ist damit erst einmal eine Büchse gemeint. Der Sprachforscher Ludwig Zehetner hat ihren Ursprung jedoch von einem Behältnis des Buchsbaumes hergeleitet ( von mittellateinisch buxis oder griechisch pyxis), das sinnbildlich für die Vulva sei. Also auch ein abwertender Begriff.

Obwohl die Bezeichnung der Eltern als Bixn- oder Lumpenmacher nicht sehr schmeichelhaft ist, scheinen die Gratulanten es aber gut zu meinen: die Wegweiser sind immer sehr aufwendig und liebevoll gestaltet. Manchmal werden die Wegmarken mit ausgesägten bunten Störchen oder auch mit Herzchen verziert. Ein harmloser Spaß oder sehen sie das auch eher skeptisch? Nehmen sie doch dazu auch an der Umfrage des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege teil, der Meinungen dazu sammelt.

Die leibhaftigen Störche, die seit letztem Jahr wieder nach Eisenhofen kommen,  kümmert das sicherlich nicht. Ein Schild mit Lumpen- oder Bixnmacherei habe ich bei deren Nest auf dem Kirchturm noch nie erspäht…

 

   

FOTOS: wurden in Arnbach, Brand und Eisenhofen von mir aufgenommen.

Wie lange es den Brauch schon gibt,  Eltern auf diese Art und Weise zu ihren Neugeborenen zu gratulieren konnte ich bisher nicht herausfinden. Es scheint jedoch ein Zusammenhang mit dem Brauch des Aufstellens eines Hochzeitsbaumes zu bestehen, der wiederum eine Nachfolge in Jubiläumsbäumen zu runden Geburtstagen gefunden hat. Diesem Brauch werde ich einen späteren Blog widmen.

 

Zeichen der Liebe

Valentinstag und ein Herz im Schnee: da kam beim Spaziergang rund ums Dorf Freude auf! Hier hatte  jemand ein überdimensionales Zeichen der Liebe für seine Liebste oder seinen Liebsten gesetzt.

Als Zeichen der Liebe dienten früher auch Hühnereier, die an Ostern verschenkt wurden. Im Winter legen die Hühner weniger, sodass deren Eier sorgfältig gesammelt und haltbar gemacht wurden. Dazu zählte auch das Kochen und dann das Einfärben der Eier. Von daher waren Eier wertvoll und dienten auch als Zahlungsmittel. Sie waren Bestandteil des Pachtzinses oder wurden als Lohn, Geschenk und Dank an Dienstboten und andere Berufsstände wie Geistliche, Mesner, Lehrer oder Handwerker verteilt. Eier wurden aber auch als besondere Gabe von Paten an ihre Patenkinder verschenkt oder von jungen Menschen an ihre Angebeteten.

Wie aus Röhrmoos überliefert ist, schenkten dort die Mädchen den Burschen an Ostern Eier und drückten damit Sympathie oder auch Antipathie aus. Das wurde in Reimform übermittelt wie „Der Himmel ist blau, die Eier sind rot, ich will dich lieben bis in den Tod“ oder „Unsere Lieb´ hat die Katz gefressen, ich will jetzt auch dich vergessen“. In Pfaffenhofen gingen die Burschen zu den unverheirateten Mädchen und erhielten am Fenster einen sogenannten Gockl, ein Ei oder auch Zigaretten. Die Gunst der Mädchen drückte sich in der Anzahl der geschenkten Eier aus. Heute wird beim Oarbetteln der Bittsteller ins Haus gebeten, wo er eine Brotzeit erhält. In manchen Orten, wie in Kleinberghofen, gab es dazu auch das eine oder andere Stamperl Schnaps zur Stärkung.

Eier als Liebesgabe sollen ihren Ursprung am französischen und russischen Hof haben. Ludwig XIV verschenkte goldene Eier und die „Fabergé-Eier“ gelten bis heute als Inbegriff des kostbaren Schmuckeies. In der Biedermeierzeit standen in der bürgerlichen Gesellschaft Kurbeleier mit Liebesbotschaften hoch im Kurs.

Heutzutage gibt es das ganze Jahr über Eier zu kaufen, auch hart gekochte und gefärbte Exemplare. Als Zeichen der Zuneigung an Ostern haben sie größtenteils ausgedient. Sie sind Bestandteil bunt gefüllter Osternester und werden – mit oder ohne Speisenweihe im Gottesdienst der Osternacht – an Ostern verzehrt. Herzen als Zeichen der Liebe bleiben jedoch immer aktuell, wie das Herz im Schnee beweist.

 

 

Das FOTO hat mein Mann am letzten Wochenende in Kleinberghofen aufgenommen. Die Informationen zu Eiern als Liebesgaben entnahm ich den Chroniken der Gemeinden in Röhrmoos, bearb. v. Helmuth Rumrich und Franz Thaler, Horb am Neckar 1986 und Pfaffenhofen, Geschichte und Geschichten lebendig erleben, Pfaffenhofen 2014. Zu Osterbräuchen im Dachauer Land gibt der Katalog zur Ausstellung im Bezirksmuseum Dachau: Allerlei ums Osterei, Dachau 1996 Auskunft. Bräuchen am Ostersonntag ist auch ein Artikel im Kreisblick 1-2021 gewidmet. Weitere Beiträge zur Fasten- und Osterzeit habe ich in den letzten Jahren veröffentlicht:  Zeit für Brezn, Fast food, Auf die Palme bringen und zu besonderen Eiern.

Hut ab!

Ja – jetzt wäre er eigentlich wieder zu Ehren gekommen: der historische Zylinder aus unserem Familienbesitz, ein Chapeau claque, der seit Jahrzehnten in seiner wunderschön gestalteten Hutschachtel auf den großen Auftritt wartet. Diesen hat er normalerweise bei der alle zwei Jahre stattfindenden Redoute im Dachauer Schloss, wohin ihn mein Mann als Kopfbedeckung ausführt. Heuer macht er allerdings Pause, weil der traditionelle Kostümball bereits im November letzten Jahres aufgrund der Pandemie abgesagt werden musste. Viele Gelegenheiten hat der Zylinder ja außerhalb dieses Balles nicht, um ins Licht der Öffentlichkeit zu treten.

Früher wurden Hüte jedoch häufiger getragen. Der schwarze und steife Zylinderhut mit fester Krempe entwickelte sich um 1780 aus hohen Hüten aus Wollfilz, die von englischen Adeligen als Reiterhut getragen wurden. Im 19. Jahrhundert avancierte er zu der Kopfbedeckung der Bürger und auch Frauen trugen ihn zum Reiten. Er wurde auch fester Bestandteil der Kleidung einiger Berufsgruppen wie der Kaminkehrer oder Kutscher und dies teilweise noch bis in unsere Zeit.

Heute wird der Zylinder nur bei außergewöhnlich festlichen Anlässen zusammen mit einem Cut oder Frack getragen. Aber viele verbinden ihn sicherlich auch mit dem Attribut eines Zauberkünstlers, der aus diesem Hut ein Kaninchen ziehen kann. Aus unserem Familienzylinder kann man keine flauschigen Hasen zaubern – jedenfalls will es bis heute noch nicht recht funktionieren. Aber der Moment des Aufklappens mit einem sanften “Plopp” hat dennoch etwas magisches und stimmt uns auf rauschende Ballnächte in der Zukunft ein…

Das FOTO zeigt meinen Mann und mich bei der letzten Redoute 2019 im Dachauer Schloss. Die Eintrittskarte zu diesem Ball zierte übrigens auch ein Paar, das Hüte trug. Als Vorlage diente ein Scherenschnitt von Martin Off aus Dachau. Eine Abbildung finden sie unter der Rubrik “Aktuelles” der Kreisheimatpflege auf der Webseite des Landratsamtes Dachau.

 

 

 

 

 

B-B-B-B-B-B-Barbaratag!

Nichts wie r-r-r-r-raus in die K-K-K-Kälte! Wer etwas über einen künftigen Liebsten, Lebens- oder Lebensabschnittspartner erfahren möchte: heute ist die Gelegenheit dazu! Am 4. Dezember ist der Namenstag der Hl. Barbara, an dem man jene Zweige schneiden kann, die angeblich Auskunft über die Zukunft geben. Die Zweige von Forsythie oder Obstbäumen sollen – in warmes Wasser gesteckt – an Weihnachten blühen und auf offene Fragen Antworten geben.

So banden früher junge Mädchen häufig die Namen ihrer Angebeteten an die Barbarazweige. Welcher Zweig dann zuerst blühte, verriet ihnen den Namen des Künftigen. Von Markt Indersdorf ist bekannt, dass die Mädchen drei Zweige abschnitten, um etwas über den Charakter des Heiratskandidaten herauszufinden –  ob  er schön, liebevoll oder wohlhabend sei.

Es muss aber bei den Barbarazweigen nicht immer um Liebesangelegenheiten gehen. Denn eine andere Überlieferung besagt, dass man die Namen der Familienmitglieder daran hängte, um den Grad ihrer Gesundheit und ihres Glücks abzulesen. Nicht blühende oder verdorrte Zweige deutete man als böses Omen. Blühende Zweige wurden hingegen auch als Zeichen für neues Leben gedeutet, unter Christen als Zeichen für die Erlösung.

Aber Barbarazweige können auch einfach nur ein schöner winterlicher Strauß sein. Dann kann man auch darauf verzichten, vor Sonnenaufgang schweigend die Zweige zu schneiden – was mancherorts der Brauch war (sogar nur mit einem Hemd bekleidet!). Egal was sie mit den Barabarazweigen verbinden oder sich versprechen – erst einmal heißt es auch bei Tageslicht warm angezogen bei den aktuellen Minusgraden  r-r-r-r-raus in die K-K-K-Kälte – ob in den heimischen Garten oder ins nächste Blumengeschäft…

Das Fotomotiv fand ich beim letzten Sonntagsspaziergang rund um unser Dorf. Weitere Orakelbräuche habe ich im letzten Advent in “Tatsächlich Liebe” beschrieben.

Warten können

Zu den liebsten Hörspielen für die ganze Familie zählte bei uns eine Geschichte mit dem Pumuckl, in der es der Kobold fast nicht mehr aushalten kann, bis die Tür zum Weihnachtszimmer geöffnet wird, weil sich da ja die begehrten Geschenke verbergen. Er fragt den Meister Eder, ob man denn die Tür nicht doch ein kleines bisschen öffnen könnte – nicht weil er so neugierig sei, oh nein – sondern ganz fürsorglich “damit die Geschenke den Pumuckl sehen können…”.

Ellis Kaut, die sich diese liebevolle Szene ausgedacht hat, wäre in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden. Ihre Geschichten sind zeitlos und unvergessen. So fiel mir beim Nachdenken über das Warten, speziell in der Adventszeit, auch wieder der Pumuckl ein. Aber auch eine Initiative ausgehend von der Evangelischen Kirche “Zeit zum Warten”, die Anregungen für die Vorweihnachtszeit, den Advent gibt.  Der Advent, dessen Name sich von der lateinischen Bezeichnung “adventus” für die Ankunft des Herrn am 24. Dezember ableitet, gilt von altersher als Vorbereitungszeit für das wichtige Fest der Geburt Christi.

Ein Brauch im Advent gehört für mich unbedingt zur vorweihnachtlichen Wartezeit: das tägliche Öffnen von 24 Türchen am Adventskalender, hinter denen sich kleine Bilder, verschiedene Schokoladenmotive oder andere Kleinigkeiten befinden. Jeder Morgen beginnt so mit einer Überraschung, die den jeweiligen Tag und das Warten auf Weihnachten etwas verkürzt. Es müssen ja keine ganz großen Geschenke sein, wie sie  heutzutage den Inhalt mancher Kalender bilden. Es können auch ganz andere Dinge sein, wie zwei Initiativen im Landkreis Dachau zeigen. Es gibt z.B. ein Bastelset für einen Adventskalender des Zweckverbandes Dachauer Galerien und Museen. Und viele Kirchen im Landkreis öffnen ab dem 1. Dezember vierundzwanzig Türen für Erwachsene, virtuell und real, und laden dazu ein, ein bisschen Abstand vom Alltag zu gewinnen und vielleicht auch neue Türen bei sich selbst zu öffnen. Und am 24. Dezember geht  dann auch die Tür zu unserem privaten Weihnachtszimmer auf – und dann dürfen auch endlich die Geschenke uns sehen…

Die Ursprünge des Adventskalenders liegen übrigens im 19. Jahrhundert: zunächst mit Kreidestrichen, dann mit frommen Bildchen und schließlich mit dem auch heute noch bekannten Papierkalender mit 24 Türchen und dahinter verborgenen Bildmotiven wurden Kinder damals durch die Adventszeit geführt. Heute begleiten diese Kalender auch häufig Erwachsene durch den Advent. Eine kurze Geschichte des Adventskalender finden sie unter: https://www.mein-adventskalender.de/adventskalender-geschichte/. Ausführlich geht Esther Gajek 1996 in  “Adventskalender – Von den Anfängen bis in die Gegenwart” auf deren Geschichte ein. Das FOTO zeigt einen Ausschnitt aus einem meiner Adventskalender.

Verborgene Schätze

Heuer im Frühjahr überlegte ich, was ich alles in mein Hochbeet pflanzen könnte. Bei der Durchsicht meiner Saatgutvorräte fand ich ein Tütchen weißer Bohnen mit einem braunen Muster an einer Seite. Ich hatte diese Bohnen vor einigen Jahren auf einem Kunsthandwerkermarkt in Sulzemoos entdeckt. Eine ältere Dame hatte an ihrem Stand Rosenkränze mit diesen besonderen „Perlen“ verkauft, sogenannten „Monstranzbohnen“. Uns interessierten Bewunderern schenkte sie ein paar Bohnen und wünschte uns viel Glück bei der eigenen Aufzucht.

Ich steckte sie also in die Erde – ehrlich gesagt ohne große Hoffnung. Doch es wuchs eine überraschend große Bohnenpflanze in meinem Beet heran und bescherte uns viele dieser besonders gezeichneten Hülsenfrüchte.

Meine Neugierde war geweckt. Das Muster zeigt wirklich ein Bild, das mit einer Monstranz, also dem liturgischen Schaugerät der katholischen Kirche für das Allerheiligste verglichen werden kann. Dieses runde Behältnis ist oftmals mit einem Strahlenkranz umgeben.

Auf der Suche nach den Wurzeln und Erklärungen für die Zeichnung auf den Bohnen stieß ich auf allerlei Legenden. So eine Erzählung, die die Bohne mit einer vergrabenen Monstranz in Verbindung brachte, die ein Pfarrer in Unterfranken im Dreißigjährigen Krieg vergraben haben soll, um sie vor Plünderern zu schützen. Um die Stelle wieder zu finden, habe er sie mit Bohnen markiert. Die Früchte der daraus entstandenen Pflanzen hätten dann die Monstranzform gehabt. Der Pfarrer habe die versteckte Monstranz allerdings nie wieder herausgeholt. Eine andere Variante berichtet, dass diese Bohne ein Hinweis auf das Diebesgut eines Räubers gewesen sei, der eine Monstranz im Boden versteckt habe. Und in einer dritten Variante geht es auch um einen Diebstahl: eine vergrabene geraubte Monstranz galt als verloren, bis im Frühjahr ein Bauer ein Feld umpflügte. Sein Pferd weigerte sich an einer Stelle weiterzugehen und kniete nieder. An eben dieser Stelle sei die Monstranz dann wieder gefunden worden und im selben Jahr wuchsen dort Bohnen mit Monstranzmuster.

Eine eindeutige Herleitung oder lokale Wurzeln in unserem Landkreis sind mir bisher nicht bekannt. Aber vielleicht weiß ja einer meiner Leser*innen mehr. Schreiben sie mir doch! Übrigens sehen manche Menschen in der Zeichnung der Monstranzbohne auch, wenn sie auf den Kopf gestellt wird, einen Engel. Auch ein schönes Zeichen.

In meinem Beet erntete ich übrigens nur den oberirdischen Schatz – Bohnen. Beim tieferen Graben fanden sich nur noch ein paar vergessene Kartoffeln vom letzten Jahr….

 

FOTO: Ein Teil meiner Ernte. Nacherzählte Legenden las ich unter: https://www.kistengruen.de/wp/2017/07/monstranzbohne/ und https://www.lebendige-handarbeit.de/?page_id=168 und http://www.kathpedia.com/index.php/Monstranz (dort nochmals abweichende Details der Legenden). Für den fachlichen Austausch zum Thema möchte ich mich bei Herrn Ritter vom Landesverein für Heimatpflege herzlich bedanken.

 

 

„Dem Herrn Lehrer gfoits net recht“

Anfang der 60er Jahre fuhr ein junges Lehrerehepaar auf einem Motorroller die damals ungeteerte St. Martin-Straße in Kleinberghofen hinauf zum Schulhaus, um sich seinen neuen Arbeitsplatz anzusehen. „Wir dachten, wir seien am Ende der Welt gelandet“, erinnert sich auch heute noch die damals aus München kommende Lehrerin. Auch die Dorfbewohner staunten nicht schlecht über die junge Lehrersgattin mit schickem Kopftuch auf dem Sozius eines Rollers…

Josefine Hartlmair, die mit ihrem Mann Josef 1901 nach Bergkirchen kam, fühlte sich ebenfalls nicht gleich wohl in ihrem neuen Zuhause und schilderte in ihren Tagebüchern die ziemlich argen Schulverhältnisse: „Jenseits der Straße lag das Schulhaus, äußerlich nicht als solches erkennbar, sondern verwahrloster als die ärmste Hütte. Wie Zahnruinen standen vier bis fünf ehemalige Zaunpfosten ohne jede Verbindung zum Himmel… Ein Fenster hatte papierenen Scheibenersatz erhalten… Mäuse und Ratten konnten ungeniert ihre Vorräte einholen und in Ruhe verzehren…“ Sie fragte ihren Mann, wie er denn diese Stelle hatte annehmen können. Er erwiderte, dass man ihm diese Räume nicht gezeigt hätte, dass er aber von der Gegend und der wohlwollenden Güte des Pfarrers angezogen gewesen sei.

Neunzehn Jahre später erreichte Max Hirschberger aus Mittenwald seinen neuen Wirkort, die Schule in Eisenhofen, die damals in einem Anbau von Schloss Hof untergebracht war: „…alte, schlechte  Eingangstüren, schadhafte Löcher, kein Zimmerboden frisch gestrichen, alle abgelaufen und die meisten auch abblätternd…”. Lehrer Hirschvogel beklagte weiterhin zersprungene Solnhofer Platten, einen wackligen altersschwachen Ofen und die schreiende Mauerfarbe in grün-gelb-violett. Nach diesem Schrecken stärkte er sich erst einmal im Gasthaus, wo er einen sehr deprimierten Eindruck auf die Wirtin machte: „I moan dem Herrn Lehrer gfoits net recht“.

Nach dem ersten negativen Eindruck „Hier soll mir Heimat werden? Nein! – Drei Jahre, keinen Tag länger!“  blieb er dennoch für 17 Jahre! Und der Bergkirchner Lehrersgattin Josefine Hartlmair rieten Orstansässige: „No ja, d´ Frau muss sich halt aufs neue Haus vertrösten, wenn´s ihr im alten net gfallt“. Dieses ließ zum Glück nicht lange auf sich warten. Bereits 1902 wurde der Neubau errichtet und Hartlmairs blieben bis 1911 dort. Und das eingangs genannte Münchner Ehepaar fand in dem „abgelegenen“ Ort Kleinberghofen dann doch bis heute eine neue Heimat, wo sie auch den Wechsel vom Dorfschulhaus zur Verbandsschule miterlebten. Diese modernen Schulzentren wurden ab den 70er Jahren (Erdweg) errichtet. Und aus allen ehemaligen Dorfschulen, von denen viele aufgrund ihrer Geschichte und Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt wurden, sind inzwischen moderne Kindertagesstätten, Wohn- und Geschäftshäuser, ein Gasthaus oder auch ein Rathaus wie in Bergkirchen geworden. Gut möglich, dass das den oben genannten Chronisten vergangener Tage gefallen könnte.

 

Die Schulgeschichte in Eisenhofen und Bergkirchen kann in den Ortschroniken Bergkirchen. Ein Dorf mit Geschichte. Hg. Gemeinde Bergkirche, 2014 und Ortsgeschichte Eisenhofen. Herausgeber Arbeitsgruppe des Vereins Heimatgeschichte Eisenhofe e.V. 2015 nachgelesen werden. Das Heimatbuch der Gemeinde Erdweg wird voraussichtlich 2021 erscheinen. 

Das FOTO ist Teil einer selbst gebastelten Glückwunschkarte zum Schuleintritt meines Sohnes.

Ein etwas anderer Denkmaltag

Normalerweise – so fangen aktuell viele Überlegungen an. Also – normalerweise würde ich jetzt nochmals meine Partner für den Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag anrufen, fragen ob Ort und Zeitpunkt passen, die Teilnehmerzahl der Exkursion abrufen, für die Kaffeepause Kaffee- und Kuchenmenge durchgeben und bei Petrus um einen sonnigen und schönen Tag bitten.

Aber heuer fällt die fast schon traditionell stattfindende Busexkursion mit bis zu 50 Teilnehmern aus, was für jeden verständlich und nachvollziehbar ist.

ABER: ich lade sie hier zu einem Alternativprogramm ein, weil wir doch einen Denkmaltag „light“ auf die Beine gestellt haben, an dem viele Ehrenamtliche Anteil haben. Auch an dieser Stelle vielen Dank an alle, die dazu beitragen!

Wer Kirchenräume musikalisch erleben möchte, kann um 10.30 Uhr nach Jarzt kommen oder um 14.00 Uhr der Mittagsmusik in St. Nikolaus in Haimhausen lauschen. Zum Ausklang gibt es auch eine Soirée mit meditativen Texten in der Indersdorfer Klosterkirche. Führungen bietet das Ehepaar Riedel in Hilgertshausen-Tandern an: von 14.00 bis 17.00 Uhr kann man in Michelskirchen und Gumpersdorf die dortigen Kirchen besichtigen. Alle Kirchen im Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen und fünf Kirchen im Pfarrverband Indersdorf sind ebenfalls geöffnet.

Für Familien bietet der Pfarrverband Erdweg mit der Öffnung seines Pfarrzentrums – dem „jüngsten“ Denkmal im Landkreis Dachau –  ein kleines Programm.

Und wenn sie lieber digital am Tag des offenen Denkmals unterwegs sein möchten, dann schauen sie doch auf Hans Schertls fantastische Webseite kirchenundkapellen.de oder besuchen sie den Youtube-Kanal der Haimhauser Pfarrei. So können sie ganz gefahrlos sogar auf das Gerüst der Pfarrkirche steigen und einen Blick auf die Baustelle werfen…

Und wo ich hingehen werde? Man findet mich auf jeden Fall bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Zurück ins Leben“ in Markt Indersdorf um 13.00 Uhr und bei der Präsentation eines digitalen Kirchenführers um 17.00 Uhr in Weng.

Alle offenen Denkmäler und Angebote haben wir auf der Webseite des Landratsamtes zusammengefasst – auch die der Ruckteschell-Villa und dem Friedhof in der Maroldstraße in Indersdorf. Lassen sie sich für einen Sonntagsausflug auf eigene Faust inspirieren! Vielleicht treffen wir uns ja bei sonnigem Wetter und selbstverständlich mit ausreichend Abstand und Maske….

 

FOTO: meine Aphrodite aus Griechenland trägt eine Maske mit Reisemotiven aus aller Welt

Der Tag des offenen Denkmals wird seit 1993 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz organisiert, die dieses Jahr zu einem digitalen Tag  aufgerufen hat. Auf der Webseite der Stiftung finden sie weitere bundesweite Projekte dazu.

Kehrwoche

Letzte Urlaubswoche: Geburtstagsfeier einer Freundin im Garten unter Apfelbäumen. Da kommt im Gespräch die Frage auf: „Du kommst ja ursprünglich aus dem Schwäbischen“, wird meine Nachbarin gefragt, „wie hältst du es denn eigentlich mit der Kehrwoche?“

Die „Kehrwoche“, die auch heute noch mit Schwaben verbunden wird wie Spätzle, Sparsamkeit und Bollenhut (nur ein paar von vielen Klischees) weckt auch bei mir Erinnerungen an das wöchentliche, samstägliche Fegen der Straße und der Kandel (des Rinnsteins). Zum Samstag gehörte auch das Rasenmähen, Autowaschen und das Wegbringen des während der Woche angefallenen Mülls. Eine Müllabfuhr gab es bei uns auf dem Dorf in den 60er Jahren nämlich noch nicht.

Womit wir auch beim Ursprung der Kehrwoche wären, wie ich beim Nachlesen erfuhr: 1714 führte Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg eine „Gassensäuberungsordnung“ ein, die damals grassierenden Krankheiten entgegen wirken sollte. Müll und Unrat sollte geordnet entsorgt werden. Die stark vom Pietismus geprägten folgsamen Schwaben führten diese Tradition in der „Kehrwoche“ bis heute fort, obwohl die gesetzlichen Bestimmungen inzwischen gelockert wurden.

Aber auch in diversen Wohnhäusern, in denen ich in Bayern lebte, war die wöchentliche Reinigung des Treppenhauses Pflicht. Allerdings hatten wir kein so schönes Schild mit „Kehrwoche“ oder “In dieser Woche ist die Reihe an Ihnen“ an der Eingangstür hängen, wie es im schwäbischen Raum verbreitet ist.

Auch gibt es meines Wissens keine volkskundliche Untersuchung wie in Baden Württemberg, die sich mit der wöchentlichen Reinigung und deren Wurzeln, Bestandteilen (Besen und Kehrschaufel) und Durchführung in Stadt und Land beschäftigt.

Heutzutage kommt in mein bayrisches Dorf höchstens zweimal im Jahr die Kehrmaschine der Gemeinde und die Anwohner werden dann gebeten ihre Autos nicht am Straßenrand zu parken. Dennoch drängt es den Schwaben in mir doch ab und zu die Straße zu kehren. Das Kehren und Fegen scheint irgendwo tief in der schwäbischen DNA verwurzelt zu sein. Deshalb konnte ich mir lebhaft vorstellen, wie es einem weiteren Gast auf der Feier, einer bayrischen Schauspielerin, bei ihrem Gastspiel in Schwaben erging. Sie erzählte, dass während einer Probe im Karlsruher Theater die Tür aufging und eine Putzfrau mit laufendem Staubsauger die Bühne betrat. Auf die erstaunten Blicke entgegnete sie: „Lasset sie sich nur net störä“ und saugte unbeirrt weiter, woraufhin die Akteure dennoch die Probe unterbrachen.

Und um auf die Eingangsfrage bei der Feier zurückzukommen: sowohl meine Nachbarin als auch ich bekräftigten schmunzelnd, dass wir das als gebürtige Schwaben nicht so eng sähen und samstags nicht automatisch kehren würden. Aber hin und wieder kann man mich doch auf der Straße mit einem Besen antreffen…

Angeregt zu diesem Blogbeitrag hat mich neben der Geburtstagsfeier auch Roman Deininger, der sich in einem Artikel, der am 24. Januar 2014 in der Süddeutschen Zeitung erschien, auf die Suche nach den Ursprüngen der Kehrwoche machte: „Durch diese saubere Gasse“. Franz Rumpel widmete sich mit seinem Beitrag „Kehren und Bekehrtes“  in: „Schwabenbilder. Zur Konstruktion eines Regionalcharakters“ (einer Ausstellung von 1997) dem Phänomen “Kehrwoche”. Dem Traum vieler von einem Putzhelfer setzte bereits  Johann Wolfgang von Goethe in seiner 1797 erschienenen Ballade “Der Zauberlehrling” ein poetisches Denkmal. 

Das Foto zeigt mich bei einer Kehrpause. Als Studentin durfte ich im ehemals königlichen Schloss Nymphenburg den Besen schwingen – weniger um kunsthistorische Forschungen zu unternehmen als vielmehr das Studentenbudget aufzubessern…