Der Storch ist da!!!

Die Störche sind aus dem Winterquartier zurück! An mehreren Orten im Landkreis sind sie angekommen – und sie sind nicht alleine – sie haben sogar noch Nachwuchs mitgebracht! Aufmerksame Spaziergänger entdecken die Hinweise dort, wo frisch gebackenen Eltern zu ihren Buben oder Mädchen auf eine ganz eigene Weise gratuliert wird: handbemalte Schilder, blank polierte Konservendosen oder bunt zusammengewürfelte Putzlappen weisen den Weg zu einer Lumpen–  oder Bixnmacherei.

Bei Brauch- und Sprachforschern löst das natürlich ein Stirnrunzeln aus: als „Lump“ wurde ursprünglich ein Mensch in zerlumpter Kleidung bezeichnet. Später wurde der Begriff auf einen betrügerischen, charakterlosen oder gesinnungslosen Zeitgenossen übertragen, wie das Bairische Wörterbuch erklärt. Und „Bixn“? Sachlich ist damit erst einmal eine Büchse gemeint. Der Sprachforscher Ludwig Zehetner hat ihren Ursprung jedoch von einem Behältnis des Buchsbaumes hergeleitet ( von mittellateinisch buxis oder griechisch pyxis), das sinnbildlich für die Vulva sei. Also auch ein abwertender Begriff.

Obwohl die Bezeichnung der Eltern als Bixn- oder Lumpenmacher nicht sehr schmeichelhaft ist, scheinen die Gratulanten es aber gut zu meinen: die Wegweiser sind immer sehr aufwendig und liebevoll gestaltet. Manchmal werden die Wegmarken mit ausgesägten bunten Störchen oder auch mit Herzchen verziert. Ein harmloser Spaß oder sehen sie das auch eher skeptisch? Nehmen sie doch dazu auch an der Umfrage des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege teil, der Meinungen dazu sammelt.

Die leibhaftigen Störche, die seit letztem Jahr wieder nach Eisenhofen kommen,  kümmert das sicherlich nicht. Ein Schild mit Lumpen- oder Bixnmacherei habe ich bei deren Nest auf dem Kirchturm noch nie erspäht…

 

   

FOTOS: wurden in Arnbach, Brand und Eisenhofen von mir aufgenommen.

Wie lange es den Brauch schon gibt,  Eltern auf diese Art und Weise zu ihren Neugeborenen zu gratulieren konnte ich bisher nicht herausfinden. Es scheint jedoch ein Zusammenhang mit dem Brauch des Aufstellens eines Hochzeitsbaumes zu bestehen, der wiederum eine Nachfolge in Jubiläumsbäumen zu runden Geburtstagen gefunden hat. Diesem Brauch werde ich einen späteren Blog widmen.

 

2 Kommentare

  1. Anni Härtl sagt:

    Guten Morgen Birgitta,
    “dich hat der Storch gebracht” sagte einmal Frau Stangl zu mir und erzählte folgende Geschichte: Sie war bei Schneidermeister Wenning angestellt und da sahen sie, wie ein Storch über die Dächer flog und sich auf unser Haus setzte. Frau Wenning sagte daraufhin, das ist gut, der flog zu Anna (meine Mutter) und nicht zu ihr. Tatsächlich kam ich bald bald darauf zur Welt. Frau Wenning bekam aber nach Paul noch zwei Söhne. Karl und Albert, der vor einigen Tagen verstorben ist.
    Liebe Grüße Anni

    • Dr. Birgitta Unger-Richter sagt:

      Danke liebe Anni! Wahrscheinlich hat mich auch der Storch gebracht – jedenfalls gaben meine Eltern meine Geburt mit einer Zeichnnung eines Storches, der ein kleines Bündel im Schnabel hält bekannt…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code