Ortsgeschichte

Dachauer Heimatkrimi(s)

„Am St. Johannitag, den 24. Juni, nachmittags, ertrank beim Baden in der Glonn bei Indersdorf der praktische Arzt Herr Dr. Heinrich Schmederer aus München, 30 Jahre alt, und wurde die Leiche am 25. Juni aus dem Wasser gezogen“. So lautete die Meldung im Amperboten vom 26. Juni 1880.

Der Arzt Dr. Schmederer hatte an diesem Tag beruflich im Distriktskrankenhaus in Indersdorf zu tun. Dort untersuchte er als Mitglied einer Münchner Kommission die Leiche des am 13. Juni erstochenen Röhrmooser Dienstknechts Raimund Fleischmann. Danach begaben sich die Herren zum Mittagessen in die Klosterbrauerei. Dr. Schmederer wollte sich nach dem Mahl bei einem Bad erfrischen und lud auch die anderen Herren ein, die jedoch ablehnten. „So ließ er sich allein zu der in nächster Nähe Indersdorf an der Glonnbrücke sich befindenden Brücke führen“, berichtete der Amperbote vom 27. Juni. Nach einer Stunde wurde Dr. Schmederer vermisst. Man fand zunächst nur seine Kleider und erst einen Tag später die Leiche des Verunglückten. Der Vorfall sprach sich wie ein Lauffeuer im Ort herum und zahlreiche Schaulustige verfolgten die Bergung und Überführung des Ertrunkenen. Als Erinnerung an den Unglücksfall ließ die Familie Schmederer am Unfallort ein Kreuz errichten.

Diese Begebenheit hätte durchaus das Potential für einen Heimatkrimi:  Ich sehe den Ermittler schon vor mir, wie er den Ausführungen der Angehörigen folgt, dass es sich um keinen Unglücksfall handeln könne, da der Tote äußerst gesund und ein ausgezeichneter Schwimmer gewesen sei. Der Klosterwirt widerspricht dem Verdacht, dass die Brotzeit schuld gewesen sei, weist aber mit verschwörerischer Miene darauf hin, dass der Mörder des Röhrmooser Dienstknechts noch immer nicht gefasst sei…

Aber an dieser Stelle breche ich ab –  schließlich schreibe ich (noch) keinen Heimatkrimi. Aber die Geschichte hat auch so noch eine spannende Fortsetzung, die mein hochgeschätzter Vorgänger Kreisheimatpfleger Alois Angerpointner festgehalten hat: „Vom Schmederer Kreuz“.

Angerpointner berichtet, dass bald nach dem Tod des Arztes das Gerücht aufkam, dass es beim „Schmederer-Kreuz“ spuke. Ein Geist sei erschienen hieß es oder auch ein großohriger Hund sei gesichtet worden. Bei einbrechender Dunkelheit meide man die Unglücksstelle und Schulkinder trauten sich nur in Gruppen die Brücke zu passieren. Das wurde mir auch von einer Indersdorferin bestätigt, die erzählte, dass man auch noch in den 50er Jahren den jungen Mädchen davon abriet, abends die Brücke beim „Schmederer-Kreuz“ zu passieren, weil einen sonst der „oide Schmederer holt“.

In Alois  Angerpointners gesammelte Sagen aus dem Dachauer Land werden häufig Begebenheiten mit historischem Kern erzählt, wie beim Schmederer-Kreuz, eingebettet in eine Spukgeschichte. Oft erscheinen Geister, mit oder ohne Kopf, feurige oder schwarze Hunde und der Teufel sucht sich eine immer wieder andere Gestalt, um den Menschen Verderben zu bringen. Für den Menschen scheinbar Unerklärliches wird erläutert, Frevel bestraft, gottgefälliges Leben belohnt. Eine wahre Fundgrube für historisch Interessierte und für Liebhaber spannender Geschichten – Geschichten, die viele Heimatkrimis in den Schatten stellen.

 

 

Die Zitate stammen aus dem Amperboten, nachzulesen im Stadtarchiv Dachau. Die Sage „Vom Schmederer-Kreuz“ findet man bei: Alois Angerpointner: Altbairische Sagen. Geschichten und Legenden aus dem Dachauer Land (Teil 2), Dachau (Bayerland) 1980.

 

 

Staade Zeit

Auch im Kloster Altomünster ist fürs erste eine „staade Zeit“ angebrochen. Mit Beginn der adventlichen Zeit wurde auf Anordnung aus Rom mit der Auflösung der klösterlichen Gemeinschaft begonnen.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass das Kloster auch schon früher umwälzende Veränderungen erlebt hat: vom benediktinischen Männerkloster zum Frauenkloster, dann ab 1485 Übernahme durch die Birgittinnen mit späterer Erweiterung um ein Männerkloster. 1803 sollte auch das Kloster Altomünster im Rahmen der Säkularisation aufgelöst werden. Wie Anton Mayr in der Chronik des Altolandes festhielt, verlief diese folgendermaßen: „Am 19.3. nachmittags erscheint der Landrichter von Rain, Tünnermann, im Kloster, erklärt das Kloster für aufgehoben, nimmt die Kasse, Archiv, Sakristei, Bibliothek und Getreidekasten in Beschlag, beläßt der Äbtissin zur Bestreitung augenblicklicher Ausgaben einen Beitrag von 115 Gulden 20 Kreuzer und legt das übrige Geld unter Siegel. Die Mönche müssen aus ihrem Gebäude ausziehen. Sie erhalten eine stattliche Pension. […] Für das Frauenkloster findet sich kein Käufer. Die Schwestern dürfen deshalb in ihrem Kloster bleiben.“

Ein Jahr später, 1804, wurde das Ende der Klosteradministration gemeldet. Die Abwicklung lief nicht reiblungslos, wie der Chronist weiter berichtete: „Die Äbtissin des Klosters kann sich mit der Aufhebung des Klosters noch nicht abfinden. Sie erteilt Aufträge für Reparaturarbeiten und schickt dann die Rechnungen an die kurfürstliche Landes-Direktion zur Bezahlung. Von dort erhält sie die Antwort, daß die Rechnungen diesmal noch beim Rentamt Aichach angewiesen wurden. In Zukunft hat sie sich aber dabei eigenmächtigen Ausgaben umso mehr zu enthalten, als man selbe sonst gewiß unbezahlt lassen wird.“

Das ist natürlich Geschichte des 19. Jahrhunderts, daher sind etwaige Parallelen zu heute wohl eher zufällig. Aber die Geschichte des Klosters Altomünster ist sicherlich noch nicht zu Ende. Alles hat und braucht seine Zeit (Koh / Pred 3). Die stille Zeit, die jetzt dort angebrochen ist, ist deshalb auch eine Chance für einen unaufgeregten Neubeginn –  für ein ganz neues Kapitel in der Geschichte des Klosters „im Sinne eines geistigen Orts der Begegnung“.

Dazu braucht es Ideen, ja Visionen – ganz im Sinne der Tradition der Ordensstifterin, der Hl. Birgitta.

 

 

Heimatmuseen im Netz(werk)

1. November 2015: die kulturhistorischen Museen im Landkreis sind online! Seit dem ersten Treffen im Juli 2014 hat sich aus einer ersten Idee eine tatkräftige Arbeitsgruppe entwickelt, die gemeinsam in die Zukunft gehen will. Sie hat sich den Namen „MuseenDachauerLand“ gegeben und trifft sich zwei bis dreimal im Jahr in einem der beteiligten Museen. Themen wie Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlungsarbeit werden schwerpunktmäßig diskutiert oder auch Fachleute zu Referaten eingeladen. Der jeweilige Gastgeber stellt sein Haus und seine Sammlung vor und lädt bei einer gemeinsamen Brotzeit zum ungezwungenen fachlichen Austausch ein.

Die meisten der Landkreismuseen, die dem Verbund beigetreten sind, wurden durch private Initiativen gegründet und werden durch Ehrenamtliche weitergeführt: Haimhausen  (1986), Großberghofen (1989), Altomünster (1997) und Karlsfeld (2003). Neugründungen sind das Augustiner-Chorherrenmuseum in Indersdorf (2014) und das Schaudepot in Pasenbach (2015). Eine weitere Gruppe umfasst Einrichtungen, die in die Rubrik „Spezialmuseen“ gehören und sich dort bestimmten Themenbereichen widmen: das Bauernhofmuseum von Herrn Dr. Kammermeier in Ebersbach mit einer Sammlung an bäuerlichem Gerät und Alltagswerkzeug, das Bankmuseum der Volksbank in Dachau und das Brauereimuseum in Altomünster. Ein weiteres Mitglied ist das bereits 1905 gegründete Bezirksmuseum Dachau, das unter professioneller Führung  als kommunale Einrichtung zusammen mit der Gemäldegalerie Dachau und der Neuen Galerie Dachau als „Zweckverband Dachauer Galerien und Museen“ firmiert.

Vielleicht empfindet der eine oder andere den Begriff „kulturhistorische Museen“ als sperrig; man kann ja genauso gut auch von „Heimatmuseen“ sprechen, nachdem der Begriff der Heimat inzwischen positiv bewertet wird und Heimatmuseen nach und nach das Image des „Verstaubten“ ablegen. Noch 1981 kritisierte der Volkskundler Hans Roth  im Sonderheft 1 der vom Landesverein für Heimatpflege herausgegebenen Zeitschrift „Schönere Heimat“ das Heimatmuseum als „lediglich eine Anhäufung von Altväterhausrat, eine verstaubte Nostalgiesammlung, die Aufbereitung von Gegenständen einer ‚heilen Welt‘, die es seinerzeit wie heute nicht gab und gibt.“ 

Was ist dann heute ein zeitgemäßes Heimatmuseum?

Es ist ein Museum für den Ort und seine Bürger, ein Aushängeschild für die Kultur des Ortes und Botschafter für dessen kulturelle Tradition – ein lebendiger Treffpunkt für alle Gesellschaftsgruppen zum Lernen, Begegnen und Austauschen. Ein Heimatmuseum kann Ausgangspunkt für ein Miteinander von Alt- und Neubürgern sein. Ein Heimatmuseum kann aber auch überregionale Besucher interessieren.

In diesem Sinne ist die Webseite der Heimatmuseen des Dachauer Landes gedacht. Aktuelles und monatliche Empfehlungen laden dazu ein.

Schauen sie doch mal rein: www.museen-dachauer-land.de.

 

 

 

 

Ein mächtiger Stein

Die Hauptsorge des Häuptlings Majestix aus dem allseits bekannten kleinen unbeugsamen Dorf, das noch nicht von den Römern besiegt wurde, ist, „dass einem der Himmel auf den Kopf fällt“. In unserem Landkreis fiel zwar nicht der komplette Himmel auf die Erde, aber ein Gesteinsbrocken aus den Tiefen des Weltalls. Aufgrund seiner geringen Größe entstand bei seinem Einschlag kein tiefer Krater und es kam zum Glück niemand zu Schaden. Was größere Meteoriteneinschläge bewirken können, führt uns das Nördlinger Ries vor Augen, das auf diese Weise entstanden ist.

Die spannende Geschichte „unseres“ Meteoriten wurde in einem Vortrag in Schwabhausen am vergangenen Freitag wieder lebendig.

Vor über 60 Jahren wurde von den Brüdern Landmann auf einem Feld zwischen Machtenstein und Rennhof ein eisenhaltiger, 1422 g schwerer Gesteinsbrocken gefunden. Dieser unterschied sich stark von anderen Steinen der Gegend, seine Herkunft war zunächst unklar. Bis 2014 schlief er einen Dornröschenschlaf in einem Steinbeet in Machtenstein. Dann kam im wahrsten Sinne des Wortes der „Stein ins Rollen“. Der Heimatforscher Hans Hartl stellte den Kontakt zum Physiker und Meteoritenspezialisten Dr. Heinlein her, der den Stein untersuchte und eindeutige Kriterien fand, die den Stein als Meteoriten identifizierten. Heute ist er Bestandteil der Mineralogischen Staatssammlung in München und wird künftig im neuen Museum Mensch und Natur in Nymphenburg zu finden sein.

Ist es nun ein Zufall, dass der Stein ausgerechnet in „Machtenstein“ gefunden wurde? Für die Herkunft des Ortsnamens gibt es bekanntermaßen verschiedene Theorien, die von der Existenz eines steinernen Gebäudes bis hin zu Besitzungen einer Mathild oder eines Mahtun reichen. Wie auch immer – durch den Fund des Meteoriten hat Machtenstein jetzt auf jeden Fall einen mächtigen Stein, weniger an Gewicht und Größe als an Bedeutung…