Schlagwort: Bräuche

Zeichen der Liebe

Valentinstag und ein Herz im Schnee: da kam beim Spaziergang rund ums Dorf Freude auf! Hier hatte  jemand ein überdimensionales Zeichen der Liebe für seine Liebste oder seinen Liebsten gesetzt.

Als Zeichen der Liebe dienten früher auch Hühnereier, die an Ostern verschenkt wurden. Im Winter legen die Hühner weniger, sodass deren Eier sorgfältig gesammelt und haltbar gemacht wurden. Dazu zählte auch das Kochen und dann das Einfärben der Eier. Von daher waren Eier wertvoll und dienten auch als Zahlungsmittel. Sie waren Bestandteil des Pachtzinses oder wurden als Lohn, Geschenk und Dank an Dienstboten und andere Berufsstände wie Geistliche, Mesner, Lehrer oder Handwerker verteilt. Eier wurden aber auch als besondere Gabe von Paten an ihre Patenkinder verschenkt oder von jungen Menschen an ihre Angebeteten.

Wie aus Röhrmoos überliefert ist, schenkten dort die Mädchen den Burschen an Ostern Eier und drückten damit Sympathie oder auch Antipathie aus. Das wurde in Reimform übermittelt wie „Der Himmel ist blau, die Eier sind rot, ich will dich lieben bis in den Tod“ oder „Unsere Lieb´ hat die Katz gefressen, ich will jetzt auch dich vergessen“. In Pfaffenhofen gingen die Burschen zu den unverheirateten Mädchen und erhielten am Fenster einen sogenannten Gockl, ein Ei oder auch Zigaretten. Die Gunst der Mädchen drückte sich in der Anzahl der geschenkten Eier aus. Heute wird beim Oarbetteln der Bittsteller ins Haus gebeten, wo er eine Brotzeit erhält. In manchen Orten, wie in Kleinberghofen, gab es dazu auch das eine oder andere Stamperl Schnaps zur Stärkung.

Eier als Liebesgabe sollen ihren Ursprung am französischen und russischen Hof haben. Ludwig XIV verschenkte goldene Eier und die „Fabergé-Eier“ gelten bis heute als Inbegriff des kostbaren Schmuckeies. In der Biedermeierzeit standen in der bürgerlichen Gesellschaft Kurbeleier mit Liebesbotschaften hoch im Kurs.

Heutzutage gibt es das ganze Jahr über Eier zu kaufen, auch hart gekochte und gefärbte Exemplare. Als Zeichen der Zuneigung an Ostern haben sie größtenteils ausgedient. Sie sind Bestandteil bunt gefüllter Osternester und werden – mit oder ohne Speisenweihe im Gottesdienst der Osternacht – an Ostern verzehrt. Herzen als Zeichen der Liebe bleiben jedoch immer aktuell, wie das Herz im Schnee beweist.

 

 

Das FOTO hat mein Mann am letzten Wochenende in Kleinberghofen aufgenommen. Die Informationen zu Eiern als Liebesgaben entnahm ich den Chroniken der Gemeinden in Röhrmoos, bearb. v. Helmuth Rumrich und Franz Thaler, Horb am Neckar 1986 und Pfaffenhofen, Geschichte und Geschichten lebendig erleben, Pfaffenhofen 2014. Zu Osterbräuchen im Dachauer Land gibt der Katalog zur Ausstellung im Bezirksmuseum Dachau: Allerlei ums Osterei, Dachau 1996 Auskunft. Bräuchen am Ostersonntag ist auch ein Artikel im Kreisblick 1-2021 gewidmet. Weitere Beiträge zur Fasten- und Osterzeit habe ich in den letzten Jahren veröffentlicht:  Zeit für Brezn, Fast food, Auf die Palme bringen und zu besonderen Eiern.

Bleibt gesund!

Aufmerksamen Spaziergängern ist sicherlich auch schon aufgefallen, dass seit einiger Zeit an verschiedenen Orten, Plätzen und Wegen bunte Steine mit lustigen Motiven und aufmunternden Botschaften abgelegt werden. In einem Ort an der S-Bahn-Linie nach Altomünster werden Spaziergänger aufgefordert, Steine für eine „Corona-Schlange“ zu bemalen, um sie dann wie beim Dominospiel an vorhandene bunte Kunstwerke anzulegen. Die Anleitung ist mit dem Wunsch verbunden, dass alle weiterhin Abstand halten und gesund bleiben mögen. Auch vor einem Kindergarten in Indersdorf sind kleine Botschaften an die Kindergartenkinder und ihre Eltern zu finden, die den Zusammenhalt untereinander betonen und an das Durchhaltevermögen aller appellieren. Der Münchner Merkur vom 7. Mai 2020 meldete, dass in Vierkirchen Steine als Zeichen der Aufmunterung rund um die Kirche platziert werden sollten und am Petersberg sind in der Basilika Steine vor dem Altar ausgelegt. Auf diese sind die Wünsche einzelner Besucher geschrieben: Glück, Frieden, Freiheit, Vertrauen und Gesundheit.

Steine, zu kleinen Pyramiden oder als Steinmännchen aufgeschichtet, kennt man aus dem Gebirge. Manchmal tragen sie auch eine farbige Markierung, um den Wanderern im Gelände Orientierung zu geben. Steine, die auf Grabsteine gelegt werden, sind auf jüdischen Friedhöfen Ausdruck des Gedenkens an die Verstorbenen. Steine, bunt zu bemalen und mit Botschaften zu versehen, scheint hingegen ein neuer Brauch zu sein, der sich aus anderen Quellen speist. Hier könnten private Bastelvorlieben und das 2018 initiierte „Kindness Rocks Project“ der Amerikanerin Megan Murphy Pate gestanden zu haben. Ich würde ihn in die neuen temporären „Corona-Bräuche“ einreihen, zu denen ich bereits in den vergangenen Wochen einiges geschrieben habe. Im Frühjahr und Frühsommer 2020 sind diese bunten Steine vor allem positive Zeichen, die den Vorübergehenden Gutes wünschen – am häufigsten: “Bleibt gesund!”.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FOTOS: Die Steine auf dem Titel stammen vom Beet vor dem Kindergarten St. Vinzenz in Markt Indersdorf. Ebenso der Marienkäfer und die Traktoren. “Bleibt Gesund” und die Eule habe ich in Kleinberghofen am Bahnweg gesehen. 

 

Maaaaaaaaaamaaaaa!

Wer erinnert sich noch an den musikalischen Hit des Jahres 1968? Eine wohlmeinende Großtante schenkte ihn mir zum Geburtstag: Heintjes „Mama“ oder besser eher „Maaaaaaaaaamaaaaa“. Zum Glück war meine Mutter auch kein Fan dieser Platte und verzichtete gerne auf das Lied zum Muttertag. An diesem Tag stand ich freiwillig früh auf, pflückte auf der Wiese Himmelsschlüsselchen und bereitete möglichst geräuschlos das Frühstück vor – es sollte ja eine Überraschung sein! Manchmal malte ich auch ein Bild, schrieb ein Gedicht ab und verzierte es mit Blümchen oder backte einen Kuchen.

Jahrzehnte später, als ich selbst Mutter geworden war, freute ich mich übers Ausschlafen und die Aufmerksamkeiten meiner Kinder. Manchmal seufzte ich innerlich aber auch ein wenig: nur einmal im Jahr rissen sich die Kinder ums Frühstückmachen, Kuchenbacken, Essen kochen, Tisch abräumen. Ach, wenn doch öfters im Jahr Muttertag wäre!

Aber da lag auch immer ein Schatten über dem Muttertag – schließlich hatten die Nationalsozialisten auch diesen Gedenktag für ihre Zwecke missbraucht, vielfache Mutterschaft heroisiert und mit dem „Mutterkreuz“ ausgezeichnet. Und da waren die miefigen 50er Jahre, wo am Muttertag die „Mutti“ gefeiert wurde, die  vor allem für die häusliche Versorgung der Familie zuständig war (man schaue sich nur die Werbefilme der Zeit an!) und die Emanzipation für lange Zeit unter den Küchentisch fiel. Danach wurde der Muttertag zunehmend zu einem Fest der Floristen, Schokoladenfabrikanten und Parfümhersteller.

Sogar die Erfinderin des Muttertags, der erstmals offiziell 1914 begangen wurde, die Amerikanerin Anna Marie Jarvis (1864-1948) musste miterleben, wie bereits zu ihren Lebzeiten eine verstärkte Kommerzialisierung des Tages einsetzte und hätte ihn am liebsten wieder abgeschafft. Ihre Beweggründe für seine Einführung waren nämlich ganz andere: Jarvis wollte ihrer eigenen Mutter Ann (1832-1905), einer sozial sehr engagierten Frau, die sich im 19. Jahrhundert u.a. für Bildung und gegen Kindersterblichkeit eingesetzt hatte, gedenken. An deren dritten Todestag wurde erstmals ein Gottesdienst gefeiert, nach dem im Anschluß rote und weiße Nelken verschenkt wurden. Eine bescheidene Feier, die 1914 zum nationalen Gedenktag geadelt wurde.

Und dieses Jahr? Dazu fand ich einen Tipp in einem Online-Ratgeber: „Sie könnten einen Überraschungsbesuch mit Maske und mit Blumenstrauß machen. Ein schönes Video aufnehmen und ihr schicken oder einen Video-Chat mit Kaffee und Kuchen verabreden.“ Alles ist möglich – es gibt schließlich keine festgelegten Bräuche für den Muttertag. Hauptsache ich bekomme keine Hitsingle aus dem Jahre 1968…

 

Das FOTO ist eine Collage mit einem Spruch aus meinem Poesiealbum und verschiedenen Aufklebern, die man zum Muttertag verschicken kann.

Diesen Blogbeitrag widme ich meiner Mutter, die leider weiter weg wohnt und nicht spontan besucht werden kann – was ja seit Mittwoch (mit Einschränkungen) wieder möglich wäre.  Am Sonntag rufe ich sie ganz altmodisch einfach auf einen längeren Ratsch an, zum (schwäbisch) „Schwätza“… 

Die trauen sich was!

Ein Stau in der Dachauer Ludwig-Thoma-Straße, und das in Corona-Zeiten! Meine Tochter und ich konnten es kaum glauben. Doch nach der Kurve klärte sich das Ganze auf: eine Kutsche mit einem Hochzeitspaar bewegte sich gemütlich vorwärts, wahrscheinlich in Richtung Altstadt zum Standesamt. „ Viel Glück!“ riefen wir dem Paar beim vorsichtigen Überholen zu und freuten uns, dass sich zwei Menschen gefunden hatten, die sich trauten, gerade in der aktuell schwierigen Zeit.

Um die passende Frau zu finden, fungierte früher der „Hochzeitslader“ oder „Schmuser“, der viel herumkam und potentielle Kandidaten vermittelte. Gefühle waren dabei zweitrangig: es ging in erster Linie darum, dass der materielle Besitz gesichert oder sogar vermehrt wurde. Eine Hochzeit war meist mit der Hofübergabe an die jüngere Generation verbunden, die wiederum mit ihren Nachkommen für den Fortbestand des “Sachs” sorgen sollte. Deshalb waren die Mitgift der Braut, die öffentlich auf dem Kammerwagen zur Schau gestellt wurde und das “Sachschaun” wichtige Bestandteile des Hochzeitsrituals. Diesen und andere Bräuche im ländlichen Raum beschrieb Ludwig Thoma in seinem 1902 erschienenen Roman  „Hochzeit“. Verfilmt wurde der Stoff 1983 von Kurt Wilhelm für den BR im Dachauer Land mit vielen Laiendarstellern, zu denen auch der im wirklichen Leben als Hochzeitslader tätige Franz Eder gehörte. Hochzeitslader waren häufig  nicht nur für das Zustandekommen von Ehen zuständig. Sie waren vor allem eine Art von Zeremonienmeister, die für einen geregelten Ablauf der gesamten Feierlichkeiten sorgten: von der mündlichen Einladung bis zum letzten Brauttanz um Mitternacht. Heutzutage sind statt Hochzeitsladern häufig die Brautpaare selbst Organisatoren oder lassen sich von „Wedding Plannern“ beraten.

Dadurch haben sich seit Thomas Hochzeit viele Bräuche geändert – genügend Stoff für mehrere Blogbeiträge. Auf einen möchte ich mit dem Foto des heutigen Beitrags hinweisen: seit einigen Jahren werden im Landkreis Dachau Brautpaare aus Strohballen aufgebaut. Die Strohfiguren haben immer fröhliche Gesichter und tragen Brautschleier und Zylinder. Manchmal gibt es ein zusätzliches Transparent oder Schild, auf dem den frisch Vermählten gratuliert wird. Alles ist gut sichtbar auf Feldern oder vor Bauernhöfen aufgestellt. Bei diesem Paar feierte sogar schon das Kind der Paares mit, das sich sichtlich sehr über die Hochzeit seiner Eltern freut! Das hätte man sich früher nicht getraut…

 

FOTO: Mit dieser kleinen Familie wurde einem Brautpaar 2018 in Niederroth gratuliert.

Einen prächtigen Kammerwagen kann man hoffentlich bald wieder im Dachauer Bezirksmuseum anschauen: der große Aussteuerschrank, ein großes Bett, Tisch, Stühle, ein Butterfass und sogar ein Vogelbauer sind auf dem Wagen aufgebaut. Die Braut war augenscheinlich eine gute Partie!

Der „Wir-schicken-uns-täglich-Nachrichten-Brauch“

Der tägliche Blick aufs Smartphone, meist gleich nach dem Frühstück, wer kennt das nicht? Wer hat wieder einen Film, ein Bild, eine aufmunternde Nachricht geschickt? Es scheint, als ob Bekannte und Freunde in der gegenwärtigen Corona-Krise zumindest virtuell ein wenig näher zusammenrücken möchten, um sich einen Gruß, ein bisschen Mut, Nähe, Trost und einfach Unterhaltung zu schicken.

Vielleicht werden sich nach der Krise auch einmal Wissenschaftler mit diesem Phänomen ausgiebig befassen, um eine Art von neuem „Brauch“ zu beschreiben. „Brauch“ wird ja definiert als „regelmäßige und wiederkehrende Handlungsvollzüge, die einen klar bestimmbaren Gestaltungsrahmen besitzen“ und in einer Gruppe ausgeübt werden. Ein neuer Brauch neben den „klassischen“ Bräuchen, die den Jahreslauf (Jahreszeiten, Feste) und Lebenslauf (Geburt bis Tod) strukturieren, oder den Bereichen Religion, Region oder Berufen zugeordnet werden können. Auf die derzeitige Situation bezogen wäre das dann ein „Wir-schicken-uns-täglich-Nachrichten-Brauch” via Smartphone, der den Tag strukturiert.

Dazu ein paar Ideen zu einer ersten Unterteilung dieser Botschaften in der Corona-Krise:

  1. Kreativität: Videos und Bilder, die zeigen, wie man ideenreich mit der Quarantäne umgehen kann: Sportübungen mit Klopapierrollen oder DJs am Kochplattenherd. Mein aktueller Favorit ist ein Film mit einem älteren italienischen Herrn, der einer jüngeren weiblichen Stimme aus dem Off verkündet auszugehen, um einen Kaffee zu trinken, die Tür öffnet, und Überraschung (!) sich dann im eigenen Garten wiederfindet, um sich am Küchenfenster sein Getränk geben zu lassen.
  2. Solidarität: Inhalt sind hier Appelle und Botschaften durchzuhalten und sich zu bedanken bei all denen, die das Gesundheits- und Versorgungssysteme am Laufen halten. Dazu zählen Videos mit klatschenden Menschen auf Balkonen und das Video aus Bamberg, das mit dem legendären Partisanenlied „Bella Ciao“ Grüße nach Italien schickt.
  3. Informationen und Pseudo-Informationen: Dazu zählen leider viele krause Verschwörungstheorien und seltsame Ansichten, die ich zum Glück sehr selten bekomme. Aber auch brauchbare Anleitungen zum Anfertigen von Schutzmasken sind dabei.
  4. Schwarzer Humor: Teilweise sehr grenzwertig Beiträge – aber die Geschmäcker sind bekanntlich sehr verschieden.
  5. Einfach lustig und nicht immer tiefgründig: Damit meine ich Botschaften zum Lachen oder Schmunzeln wie das neue Modell eines Sportschuhs in Hausschuhoptik oder der müde Hund, der vom vielen Gassigehen erschöpft am Boden liegt und sich fragt, wer dieser Covid eigentlich sei…

Bräuche sind nicht für alle Zeit festgestanzt und von daher wandelbar. So ist dieser neue Brauch vielleicht auch nur temporär. Aber möglicherweise brauchen wir ihn gerade jetzt als gemeinschaftsstiftendes Miteinander in einer Zeit, wo wir physischen Abstand halten müssen und unsere traditionellen Bräuche nicht ausüben können.

 

Das FOTO entstand im Home Office der Heimatpflegerin.

Mit Filmen und Videos hat sich auch die SZ am Wochenende und am 6. April 2020 befasst und sie u.a. als Gute-Laune-Macher bezeichnet. Bei der Definition für “Brauch” beziehe ich mich auf Dr. Brauch von Brauchwiki, der auf eine diesbezügliche Anfrage am 18.07.2011 antwortete.

 

Tatsächlich Liebe

Das Anschauen des Weihnachtsfilms “Tatsächlich Liebe” ist eines der neueren Adventsrituale, die mein Mann und ich pflegen. In diesem Film wird auf amüsante Art die Partnersuche unterschiedlichster Menschen zu einem Ganzen verknüpft.

Wie ein Blick zurück zeigt, ging es auch schon früher in der Adventszeit nicht nur um das Warten aufs Christfest, sondern auch ums „Obandln“: „Bereits am ersten Tag der Adventszeit, dem Namenstag des Hl. Andreas (30.11.) glaubten heiratslustige Mädchen, dass der erste Bursche, dem sie am Andreastag begegnen, ihr zukünftiger Liebhaber oder Mann werde“, schrieb der Dachauer Brauchtumsforscher Robert Böck. Dieser und weitere sogenannte Orakelbräuche wurden, neben den Losnächten an Silvester und der Wintersonnenwende, an den Namenstagen der Heiligen Andreas und Thomas (21.12.) praktiziert. So konnte diejenige, die mehr über den Künftigen wissen wollte, am Thomastag einen Schuh oder – wie es aus Oberzeitlbach bei Altomünster überliefert ist – einen Pantoffel werfen. Es hieß, dass die Schuhspitze in die Richtung weisen würde, aus der er kommen würde. In Großberghofen und in Schluttenberg sollen Mädchen in den dunklen Hühnerstall gegangen sein und einer Henne eine Feder ausgerupft haben, um die Haarfarbe des Liebsten, hell oder dunkel auszumachen. Über die Körpergestalt sollten aus dem Feuer gezogenen Scheite Auskunft geben: groß, klein, gerade oder krumm. Auch die beim Bleigießen entstandenen Formen konnten Näheres über den Liebhaber aussagen. Wem dies noch zu vage war, der drosch vor dem ins Bettgehen abends auf den Strohsack ein und sprach: „Strohsack, i´tritt di´, Heiliger Thomas, i´ bitt´ di, laß mir erscheinen, mein´ Herzallerlieabst“ oder: „laß mi heut drama vo dem Mo, den i zum Altar führen ko“.

Die eine oder andere Verliebte schaute derweil täglich auf ihre am 4. Dezember, dem Barbaratag geschnittenen Obstzweige. Ein blühender Zweig an Weihnachten verhieß schon einmal einen nahenden Bräutigam. Wer den Zweigen die Namen der möglichen Kandidaten zuordnete, dem verriet der zuerst erblühte den Erwählten. Ob es dann auch „tatsächlich Liebe“ war – darüber schweigen die Quellen…

 

 

 

Mehr zum adventlichen Brauchtum im Dachauer Land wurde 2003 im Ausstellungskatalog des  Bezirksmuseums „Auf Weihnachten zu“ zusammengetragen. Dort ist auch Robert Böcks Aufsatz zum vorweihnachtlichen Brauchtum erschienen. Wilhelm Kaltenstadler widmete sich den Bräuchen im Altomünsterer Raum in der 1999 erschienen Ortschronik „Altomünster“ (Hg. Museums- und Heimatverein Altomünster mit Wilhelm Liebhart).

Das FOTO entstand bei einem Ausflug auf die Burg Trausnitz in Landshut.

 

 

Fred Feuersteins Krawatte

Liebe Krawattenträger – bald ist es wieder soweit: am “Unsinnigen Donnerstag” sind die Trophäenjägerinnen wieder unterwegs, um mit einem kräftigen Schnitt Schlipse zu durchtrennen.
Als Heimatpflegerin wurde ich schon des öfteren gefragt, ob es dafür historische Wurzeln oder ernsthafte Traditionen gebe? Eine schnelle Antwort wäre, dass gerade am “Unsinnigen” Donnerstag sich diese Frage ja wohl von selbst verbiete…  Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Die seriöse Webquelle Brauchwiki schreibt dazu: “Die Krawattenjagd ist ein Brauch, der seit den 1960er Jahren in Deutschland flächendeckend verbreitet ist. Die Frauen schneiden hier, meist zur “Weiberfastnacht” (Donnerstag vor Rosenmontag), den Männern die Krawatten ab. Auch dieser Brauch ist als Machtübernahme zu verstehen, hier kommt allerdings auch die Bedeutung der weiblichen Machtdemonstration zum Tragen. Manche sprechen hier gar von einer symbolischen Kastration des Mannes, da die Krawatte ein typisch männliches (…) Kleidungsstück ist.”

Dass Krawatten ein männliches Symbol werden könnten, das haben sich die Erfinder derselben sicherlich nicht gedacht. Es waren nicht die Feuersteins, wie die eine Krawatte auf meinem Foto vielleicht suggerieren mag. Kroatische Söldner hatten sie am Hofe Ludwig XIV populär gemacht, nachdem sie zuvor bereits Bestandteil soldatischer Uniformen gewesen war. Die Binder wurden “à la cravate”- nach kroatischer Art – genannt und avancierten zum modischen Accessoire. Auch Frauen ergänzten damit gerne ihre Reitkleidung. Richtig in Mode kamen Krawatten allerdings erst im 20. Jahrhundert und wurden auch von Frauenrechtlerinnen gerne getragen.

Und heute? Den klassischen Krawattenträger gibt es zunehmend weniger, denn die auch als “Schlips” oder “Binder” bezeichneten Textilien sind immer seltener Bestandteil der Dienstkleidung. Der Dresscode in großen Unternehmen verändert sich stetig in Richtung “casual” und selbst in den Bankinstituten darf es heutzutage legerer zugehen. Dazu kommt, dass immer mehr Frauen verantwortungsvolle Positionen übernehmen. So kann es gut sein, dass sich auch die Bedeutung der Krawatte ändern wird.

Vielleicht wird damit – in nicht mehr allzu ferner Zukunft – die Sammlung einer Kollegin aus dem Landratsamt, die ich für diesen Beitrag fotografiert habe, historische Bedeutung erlangen: als Beleg für einen einstigen Brauch und eine Dokumentation des modischen Wandels der Krawatte. Erstaunlich, was sich Krawattendesigner so alles ausgedacht haben! Mein persönlicher Favorit der Sammlung ist übrigens, wie sie sicherlich erraten haben, das Steinzeit-Exemplar mit Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer…

Das FOTO wurde 2017 im Büro einer Kollegin im Landratsamt Dachau aufgenommen. Ihre Sammlung wächst stetig und wird auch immer wieder umdekoriert.

Mittsommer-Blues

Gestern wunderte ich mich über reges Treiben in meinem Gemüsegarten: da bedienten sich doch einige freche Amseln ausgiebig an den Johannisbeeren! Johannisbeeren, die ihren Namen vom gleichnamigen Heiligen haben, an dessen Gedenktag, dem 24. Juni, sie reif sein sollen.  An “Johanni” ist auch der Tag der Sommersonnenwende, der sogenannte “Mittsommer”. Viele waren – wie auch ich – aufgrund der letzten Regenwochen geneigt, den Mittsommer mit seiner Sonnenwende zu verdrängen. Haben wir nicht alle befürchtet, dass der halbe Sommer schon vorbei sein könnte, bevor er überhaupt angefangen hat? Wer hoffte da noch auf eine irgendwie passable Ernte von Beerenfrüchten? Ein echter Mittsommer-Blues bahnte sich an…

In den nordischen Ländern ist Midsommar ein Fest, bei dem die Sommersonnenwende mit ausgiebigem Essen, Tanzen und familiärem Beisammensein gefeiert wird – egal wie das Wetter ist. Uns wurde der Midsommar auch durch Werbekampagnen eines schwedischen Möbelanbieters nähergebracht…

Aber wie kam es zur Verbindung von “Johanni” und Sommersonnenwende? In frühchristlicher Zeit legte die Kirche den Gedenktag Johannes des Täufers auf diesen Tag, weil mit ihm Sonne und Licht verbunden sind, beides Symbole für Christus, als dessen Vorbote Johannes gilt. Die Lichtsymbolik zeigte sich dann auch im Brauchtum: vielerorts wurden in dieser hellen Nacht Sonnwendfeuer entzündet, um die auch getanzt wurde. Auch magische Kräfte wurden dem Feuer nachgesagt: vom Verscheuchen böser Geister hin bis zum Liebeszauber. In Städten wie München war das Sonnwendfeuer im Mittelalter sehr verbreitet, sodass es aufgrund der Brandgefahr zu Verboten kam, die aber das Brauchtum nicht zum Erliegen brachten. Erst im 20. Jahrhundert vereinnahmten die nationalistischen Kreise diesen Brauch, dem sie vermeintlich “germanische” Wurzeln zuschrieben. So wurde er nach dem Krieg nicht wieder aufgegriffen und verschwand. Heute finden in Oberbayern nur vereinzelt Sonnwendfeuer statt. Wenn, dann veranstalten häufig Vereine gesellige Feiern, die den Charakter eines Dorffestes haben.

Was heute noch gilt ist,  dass man den letzten Spargel an diesem Tag erntet und auch die Rhabarbersaison endet. Das bringt mich zurück zu meinen Johannisbeeren. Den Nachtisch für mein privates Mittsommerfest mit Freunden haben ja bereits die Amseln verspeist. Ich glaube, ich nutze die Gelegenheit und ernte nochmals Rhabarber für ein Tiramisu.  Das hilft auch gegen den Schlechtwetter-Mittsommer-Blues. Aber vielleicht wird es ja auch schön! Dann gilt für mich die Bauernregel: “Wie’s Wetter an Johanni war, so bleibt’s wohl 40 Tage gar.” Falls nicht, dann halte ich eben Ausschau nach Glühwürmchen, gemäß dem Sprichwort: “Glüh’n Johanniswürmchen helle, schöner Juli ist zur Stelle”.

 

Ein FOTOgrafischer Blick auf meine Johannisbeeren, die noch etwas reifen müssen.

M(a)ei Baum is weg

Es sind diese Momente, die die Arbeit der Heimatpflege so interessant machen –  Geschichten die das Leben schreibt. Neulich erhielt ich eine Nachricht auf den Anrufbeantworter, die wie ein Hilferuf klang: “Wir haben einen Maibaum, den die Beklauten nicht auslösen wollen, weil er angeblich nicht rechtens gestohlen wurde. Wir wollen ihn aber wieder loswerden! ”

Da war ich neugierig, was geschehen war. Mir wurde erzählt, dass 35 junge Männer einen Baum aus einer Nachbargemeinde geklaut hätten, der als Maibaum ausgewiesen und auch über die Ortsgrenze hinaus in den Ort der Maibaumdiebe gebracht worden war. Alles so, wie es normalerweise vonstatten geht. In der Folge müssten die Beklauten ihren Baum mit ausreichend Bier und Brotzeit auslösen und bekämen ihn wieder zurück. Soweit so gut.

Aber dann kam der Pferdefuß: in der Truppe befanden sich fünf Männer, die aus einem anderen Ortsteil der beklauten Großgemeinde stammten. Darauf beriefen sich auch die Brotzeitverweigerer. Also wer hatte Recht?

Es gibt keine juristischen Grundlagen für den Maibaumdiebstahl. Beim Brauchtum wird auf der Grundlage von gewachsenen gemeinsamen Regeln gehandelt. Was wir schriftlich diesbezüglich haben, sind allein gewisse Grundsätze, die von Beobachtern dieses Brauchtums, wie z.B. vom ehemaligen oberbayrischen Bezirksheimatpfleger Paul Ernst Rattelmüller (1924 – 2004) festgehalten wurden, der schrieb: “Maibäume dürfen nur außerhalb der eigenen Gemeinde gestohlen werden. Dies bedeutet, dass man nur in Dörfern, die nicht zur Gemeinde gehören, einen Maibaum stehlen darf. In Dörfern der gleichen Gemeinde ist dies nicht gestattet.” Folglich riet ich den Maibaumdieben zu einer Rückgabe ohne Auslöse, weil der Diebstahl mit den fünf Ortsteilansässigen einen faden Beigeschmack hätte. Der Anrufer wollte so handeln und den Baum dann nochmals ohne “wenn und aber” klauen.

Aber es kam dann ganz anders: bevor der gestohlene Baum aus – nennen wir den Ort L. – zurückgebracht werden konnte, wurde er wiederum geklaut und nach S. gebracht. Die Burschen, die dafür verantwortlich waren, wollten ihn in einer Scheune lagern, für die sie noch einen Schlüssel brauchten. Als sie mit dem Schlüssel fünf Minuten später zur Scheune kamen, fanden sie den Platz davor leer. Man hatte ihnen den geklauten Maibaum geraubt und in den Ort P. gebracht!

Wer war nun für die Auslöse verantwortlich?

Da war guter Rat teuer und auch in diesem erweiterten Fall wurde ich um Rat gefragt. Daraufhin beriet ich mich auch mit dem Brauchtumsexperten Michael Ritter vom Landesverein für Heimatpflege. Beide waren wir uns darin einig, dass “Maibaumklau” ein Brauchtum ist, bei dem es um Spaß, Geselligkeit und auch sportliche Leistung geht. Sobald es in Streit ausartet oder negativ sogar mit “Schandbäumen” für nicht ausgelöste Bäume endet, geht viel vom Ursprünglichen verloren.

Wir plädieren beide dafür, den Spaß und die Freude wieder in den Vordergrund zu stellen! Bei doch auftretenden Streitigkeiten sollte man sich auf eine versöhnliche Art und Weise verständigen.

Wie die Geschichte im oben geschilderten Fall ausging? Ich hoffe, dass die erste erfolgreiche Maibaumklautruppe ihrer Verpflichtung, den geklauten Baum zu beschützen, nachgekommen ist und den Baum wieder zurückgebracht hat – nachdem sie ihn bei den zuletzt erfolgreichen Dieben ausgelöst hat. Ich hätte aber auch eine Idee, wie man diese außerordentliche Aneinanderreihung von Maibaumdiebstählen abschliessen könnte: a l l e Diebe treffen sich zu einer Brotzeit mit Bier, an der sich a l l e beteiligen – denn so eine Begebenheit gibt es nicht alle Tage. Das sollte man entspannt und zünftig feiern. Prosit!

 

Die beiden Tafeln auf dem FOTO gehören zum Schwabhauser Maibaum.

 

 

Heimatmuseen im Netz(werk)

1. November 2015: die kulturhistorischen Museen im Landkreis sind online! Seit dem ersten Treffen im Juli 2014 hat sich aus einer ersten Idee eine tatkräftige Arbeitsgruppe entwickelt, die gemeinsam in die Zukunft gehen will. Sie hat sich den Namen “MuseenDachauerLand” gegeben und trifft sich zwei bis dreimal im Jahr in einem der beteiligten Museen. Themen wie Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlungsarbeit werden schwerpunktmäßig diskutiert oder auch Fachleute zu Referaten eingeladen. Der jeweilige Gastgeber stellt sein Haus und seine Sammlung vor und lädt bei einer gemeinsamen Brotzeit zum ungezwungenen fachlichen Austausch ein.

Die meisten der Landkreismuseen, die dem Verbund beigetreten sind, wurden durch private Initiativen gegründet und werden durch Ehrenamtliche weitergeführt: Haimhausen  (1986), Großberghofen (1989), Altomünster (1997) und Karlsfeld (2003). Neugründungen sind das Augustiner-Chorherrenmuseum in Indersdorf (2014) und das Schaudepot in Pasenbach (2015). Eine weitere Gruppe umfasst Einrichtungen, die in die Rubrik „Spezialmuseen“ gehören und sich dort bestimmten Themenbereichen widmen: das Bauernhofmuseum von Herrn Dr. Kammermeier in Ebersbach mit einer Sammlung an bäuerlichem Gerät und Alltagswerkzeug, das Bankmuseum der Volksbank in Dachau und das Brauereimuseum in Altomünster. Ein weiteres Mitglied ist das bereits 1905 gegründete Bezirksmuseum Dachau, das unter professioneller Führung  als kommunale Einrichtung zusammen mit der Gemäldegalerie Dachau und der Neuen Galerie Dachau als “Zweckverband Dachauer Galerien und Museen” firmiert.

Vielleicht empfindet der eine oder andere den Begriff “kulturhistorische Museen” als sperrig; man kann ja genauso gut auch von “Heimatmuseen” sprechen, nachdem der Begriff der Heimat inzwischen positiv bewertet wird und Heimatmuseen nach und nach das Image des “Verstaubten” ablegen. Noch 1981 kritisierte der Volkskundler Hans Roth  im Sonderheft 1 der vom Landesverein für Heimatpflege herausgegebenen Zeitschrift „Schönere Heimat“ das Heimatmuseum als „lediglich eine Anhäufung von Altväterhausrat, eine verstaubte Nostalgiesammlung, die Aufbereitung von Gegenständen einer ‘heilen Welt’, die es seinerzeit wie heute nicht gab und gibt.“ 

Was ist dann heute ein zeitgemäßes Heimatmuseum?

Es ist ein Museum für den Ort und seine Bürger, ein Aushängeschild für die Kultur des Ortes und Botschafter für dessen kulturelle Tradition – ein lebendiger Treffpunkt für alle Gesellschaftsgruppen zum Lernen, Begegnen und Austauschen. Ein Heimatmuseum kann Ausgangspunkt für ein Miteinander von Alt- und Neubürgern sein. Ein Heimatmuseum kann aber auch überregionale Besucher interessieren.

In diesem Sinne ist die Webseite der Heimatmuseen des Dachauer Landes gedacht. Aktuelles und monatliche Empfehlungen laden dazu ein.

Schauen sie doch mal rein: www.museen-dachauer-land.de.

 

Auf dem FOTO sieht man die Landkarte, die Bestandteil des neues Werbeflyers der Museen ist.