Maske

Ein etwas anderer Denkmaltag

Normalerweise – so fangen aktuell viele Überlegungen an. Also – normalerweise würde ich jetzt nochmals meine Partner für den Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag anrufen, fragen ob Ort und Zeitpunkt passen, die Teilnehmerzahl der Exkursion abrufen, für die Kaffeepause Kaffee- und Kuchenmenge durchgeben und bei Petrus um einen sonnigen und schönen Tag bitten.

Aber heuer fällt die fast schon traditionell stattfindende Busexkursion mit bis zu 50 Teilnehmern aus, was für jeden verständlich und nachvollziehbar ist.

ABER: ich lade sie hier zu einem Alternativprogramm ein, weil wir doch einen Denkmaltag „light“ auf die Beine gestellt haben, an dem viele Ehrenamtliche Anteil haben. Auch an dieser Stelle vielen Dank an alle, die dazu beitragen!

Wer Kirchenräume musikalisch erleben möchte, kann um 10.30 Uhr nach Jarzt kommen oder um 14.00 Uhr der Mittagsmusik in St. Nikolaus in Haimhausen lauschen. Zum Ausklang gibt es auch eine Soirée mit meditativen Texten in der Indersdorfer Klosterkirche. Führungen bietet das Ehepaar Riedel in Hilgertshausen-Tandern an: von 14.00 bis 17.00 Uhr kann man in Michelskirchen und Gumpersdorf die dortigen Kirchen besichtigen. Alle Kirchen im Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen und fünf Kirchen im Pfarrverband Indersdorf sind ebenfalls geöffnet.

Für Familien bietet der Pfarrverband Erdweg mit der Öffnung seines Pfarrzentrums – dem „jüngsten“ Denkmal im Landkreis Dachau –  ein kleines Programm.

Und wenn sie lieber digital am Tag des offenen Denkmals unterwegs sein möchten, dann schauen sie doch auf Hans Schertls fantastische Webseite kirchenundkapellen.de oder besuchen sie den Youtube-Kanal der Haimhauser Pfarrei. So können sie ganz gefahrlos sogar auf das Gerüst der Pfarrkirche steigen und einen Blick auf die Baustelle werfen…

Und wo ich hingehen werde? Man findet mich auf jeden Fall bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Zurück ins Leben“ in Markt Indersdorf um 13.00 Uhr und bei der Präsentation eines digitalen Kirchenführers um 17.00 Uhr in Weng.

Alle offenen Denkmäler und Angebote haben wir auf der Webseite des Landratsamtes zusammengefasst – auch die der Ruckteschell-Villa und dem Friedhof in der Maroldstraße in Indersdorf. Lassen sie sich für einen Sonntagsausflug auf eigene Faust inspirieren! Vielleicht treffen wir uns ja bei sonnigem Wetter und selbstverständlich mit ausreichend Abstand und Maske….

 

FOTO: meine Aphrodite aus Griechenland trägt eine Maske mit Reisemotiven aus aller Welt

Der Tag des offenen Denkmals wird seit 1993 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz organisiert, die dieses Jahr zu einem digitalen Tag  aufgerufen hat. Auf der Webseite der Stiftung finden sie weitere bundesweite Projekte dazu.

Maaaaaaaaaamaaaaa!

Wer erinnert sich noch an den musikalischen Hit des Jahres 1968? Eine wohlmeinende Großtante schenkte ihn mir zum Geburtstag: Heintjes „Mama“ oder besser eher „Maaaaaaaaaamaaaaa“. Zum Glück war meine Mutter auch kein Fan dieser Platte und verzichtete gerne auf das Lied zum Muttertag. An diesem Tag stand ich freiwillig früh auf, pflückte auf der Wiese Himmelsschlüsselchen und bereitete möglichst geräuschlos das Frühstück vor – es sollte ja eine Überraschung sein! Manchmal malte ich auch ein Bild, schrieb ein Gedicht ab und verzierte es mit Blümchen oder backte einen Kuchen.

Jahrzehnte später, als ich selbst Mutter geworden war, freute ich mich übers Ausschlafen und die Aufmerksamkeiten meiner Kinder. Manchmal seufzte ich innerlich aber auch ein wenig: nur einmal im Jahr rissen sich die Kinder ums Frühstückmachen, Kuchenbacken, Essen kochen, Tisch abräumen. Ach, wenn doch öfters im Jahr Muttertag wäre!

Aber da lag auch immer ein Schatten über dem Muttertag – schließlich hatten die Nationalsozialisten auch diesen Gedenktag für ihre Zwecke missbraucht, vielfache Mutterschaft heroisiert und mit dem „Mutterkreuz“ ausgezeichnet. Und da waren die miefigen 50er Jahre, wo am Muttertag die „Mutti“ gefeiert wurde, die  vor allem für die häusliche Versorgung der Familie zuständig war (man schaue sich nur die Werbefilme der Zeit an!) und die Emanzipation für lange Zeit unter den Küchentisch fiel. Danach wurde der Muttertag zunehmend zu einem Fest der Floristen, Schokoladenfabrikanten und Parfümhersteller.

Sogar die Erfinderin des Muttertags, der erstmals offiziell 1914 begangen wurde, die Amerikanerin Anna Marie Jarvis (1864-1948) musste miterleben, wie bereits zu ihren Lebzeiten eine verstärkte Kommerzialisierung des Tages einsetzte und hätte ihn am liebsten wieder abgeschafft. Ihre Beweggründe für seine Einführung waren nämlich ganz andere: Jarvis wollte ihrer eigenen Mutter Ann (1832-1905), einer sozial sehr engagierten Frau, die sich im 19. Jahrhundert u.a. für Bildung und gegen Kindersterblichkeit eingesetzt hatte, gedenken. An deren dritten Todestag wurde erstmals ein Gottesdienst gefeiert, nach dem im Anschluß rote und weiße Nelken verschenkt wurden. Eine bescheidene Feier, die 1914 zum nationalen Gedenktag geadelt wurde.

Und dieses Jahr? Dazu fand ich einen Tipp in einem Online-Ratgeber: „Sie könnten einen Überraschungsbesuch mit Maske und mit Blumenstrauß machen. Ein schönes Video aufnehmen und ihr schicken oder einen Video-Chat mit Kaffee und Kuchen verabreden.“ Alles ist möglich – es gibt schließlich keine festgelegten Bräuche für den Muttertag. Hauptsache ich bekomme keine Hitsingle aus dem Jahre 1968…

 

Das FOTO ist eine Collage mit einem Spruch aus meinem Poesiealbum und verschiedenen Aufklebern, die man zum Muttertag verschicken kann.

Diesen Blogbeitrag widme ich meiner Mutter, die leider weiter weg wohnt und nicht spontan besucht werden kann – was ja seit Mittwoch (mit Einschränkungen) wieder möglich wäre.  Am Sonntag rufe ich sie ganz altmodisch einfach auf einen längeren Ratsch an, zum (schwäbisch) „Schwätza“…