Bayern

Krokodil entlaufen

Was war das für eine Aufregung, als vor nunmehr 51 Jahren ein kleines Krokodil im Karlsfelder See abtauchte und von da an nicht mehr gesehen wurde! Das sogenannte „Sommerloch“ , das sich ansonsten im Urlaubsmonat August in der Presse auftut, war schnell gefüllt mit Geschichten um „Emil“. Der Kaiman gehörte einem Dachauer, der ihn ab und an im See baden ließ, damit es ihm in der heimischen Badewanne nicht zu langweilig wurde. Ja, eine wahre Geschichte, für deren Authentizität sich auch die Karlsfelder Heimatforscherin Ilsa Oberbauer verbürgt. Die Geschichte wurde dann sogar als Grundlage für ein Kinderbuch verwendet. Dessen Autor Alexander Paglialunga erfand trotz des anders lautenden Titels „Emil – Der Schrecken vom Karlsfelder See“ eine kindertaugliche Geschichte mit Happy End. Dem realen Emil, so heißt es, sei es aufgrund  der Kälte im Karlsfelder See, wo es in sechs Metern Tiefe selten mehr als 12 Grad habe, zu kalt gewesen. Bei ihm habe deshalb die Kältestarre eingesetzt und er sei nach und nach weggedämmert.

Wie ich auf Emil gekommen bin? Ja, weil es sein könnte, dass ich ihn in einem Vorgarten im Dachauer Hinterland wieder gefunden habe.

Im Sommer bin ich als passionierte Gartlerin besonders aufmerksam, was Blumen, Sträucher, Bäume, überhaupt alles Blühende und Grünende anbelangt. So richtete ich bei meinen Fahrten durch den Landkreis in letzter Zeit verstärkt den Blick auf Gärten. Obwohl die „Versteinerung“ der Vorgärten mit Gabionen und Ruinen, Geröllfeldern und Pflastersteinen voranschreitet, fand ich neben diesen wenig einladenden Elementen auch Interessantes und Kurioses. Nicht nur Skulpturen der  klassischen Antike, sondern auch gewagte Aktfiguren und vor allem Tiere scheinen es den Gartenbesitzern angetan zu haben: Vögel, Insekten, Säugetiere. Der als „König der Steppe“ bekannte Löwe ist dabei Spitzenreiter: er herrscht über zahlreiche Garageneinfahrten und Hauseingänge, häufig mit Wappenschild als Symbol für den Freistaat Bayern. Und dazu sichtete ich auch ein Reptil: Emil? Das Krokodil befindet sich inmitten eines Vorgartens mit anderen Zootieren und scheint sich dort sehr wohl zu fühlen. Und wie ist es dahin gekommen? Darüber schweigt es sich leider aus…

Zum obigen Foto: Mein „Emil“ in Nahaufnahme. Wenn sie noch mehr Beispiele außergewöhnlicher Ideen für Vorgärten sehen möchten, klicken sie die Fotos unten an. Darunter befindet sich auch mein Vorgarten-Haustier – vor Jahren bekam ich eine kleine verrostete Eisenechse (kein Krokodil!) geschenkt, die seitdem auf unserem Tonnenhäuschen lebt.

 

 

 

Haaatschi!!!

Es könnte so schön sein: es ist warm, die Blumen und Gräser blühen, die Natur lockt zum Verweilen im Freien. Wenn da nicht die Pollen wären, die bei empfindlichen Allergikernasen ein kräftiges „Haaatschi!!!!“ auslösen.

Viele greifen da schnell zu einem Taschentuch, das aus einer Plastikverpackung gezogen wird. Vielleicht nehmen sie auch ein Baumwoll-Taschentuch aus der Schublade? Eher unwahrscheinlich. Das Stofftaschentuch ist inzwischen aus der Mode gekommen. Was die Hygiene anbelangt, hat ihm das Papiertaschentuch eindeutig den Rang abgelaufen.

Das war nicht immer so. Erstmals taucht das textile Taschentuch bei den Römern auf, die es je nach Form als Schweißtuch, Serviette oder auch Tuch zum Schneuzen der Nase benutzten. Über das Mittelalter bis in die Neuzeit hinein war es dann vor allem ein Statussymbol des Adels und des Klerus. Kein Wunder, dass diese Taschentücher aus feinstem Material wie Leinenbatist oder Seide waren, für Damen reich verziert, mit Spitzen oder Perlen bestickt. Ab dem 18. Jahrhundert sind dann die ersten bedruckten Taschentücher bekannt. Im 19. Jahrhundert benutzten dann auch  Bürger und Bauern baumwollene Tücher.

Im 20. Jahrhundert tritt dann das Papiertaschentuch seinen Siegeszug an: 1929 wird das erste Warenzeichen für ein Taschentuch aus reinem Zellstoff  in Nürnberg mit dem Namen „Tempo“ eingetragen – bis heute in Deutschland der Inbegriff des Taschentuchs. In Amerika setzte sich hingegen die Bezeichnung „Kleenex“ durch.

Das „Sacktüchel“ wird heute immer noch gerne als Schnupftuch, modisches Einstecktuch oder bei traditionsbewussten Bayern als „Bschoadtüchel“ verwendet. Wenn sich allerdings ein eindeutiges Kitzeln in der Nase einstellt, dann wird wohl zum bewährten Papiertaschentuch gegriffen. Wie auch immer – in jedem Fall wünsche ich : „Gesundheit!“.

 

 

Dieser Blogbeitrag ist Gabriele Donder-Langer gewidmet, die 1999 mit der Ausstellung „Menschen, Nasen, Taschentücher“ Grundlagenforschung zur Kulturgeschichte des Taschentuchs geleistet hat. Er ist gleichzeitig ein Dank für ihre Arbeit als Heimatforscherin, Archivarin und Museumsbeauftragte in Haimhausen.

Das FOTO zeigt eine Auswahl aus meiner Taschentuchsammlung, zu der auch ein gehäkeltes Beutelchen gehört. Es wurde mir von einer meiner Großtanten geschenkt, damit ich mein schönes Ausgeh-Taschentuch geschützt in der Handtasche mitnehmen konnte.

 

 

 

Schießen sie keinen Hirsch am Samstag!

„Schießen Sie keinen Hirsch am Samstag! Bitte kommen Sie.“ Diese wahrhaft merkwürdige Formulierung steht in einer Einladung.

Sie stammt aus dem Brief Georg Queris vom 26.11.1912 an den jagdbegeisterten Ludwig Thoma. Darin bittet er ihn, ihn bei einem Sittlichkeitsprozess wegen seines Buches „Kraftbayrisch“ vor Gericht zu unterstützen. Thoma kam der Aufforderung nach und gehörte mit Michael Georg Conrad, Ludwig Ganghofer und Otto Maußer, dem Leiter der Wörterbuchkommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, zu Queris Fürsprechern. Ihr persönliches Erscheinen vor Gericht bewirkte mit, dass Queri in diesem Verfahren freigesprochen und der sprachwissenschaftliche Charakter des Buches anerkannt wurde.

Ludwig Thoma (1867-1921) unterstützte Georg Queri (1879-1919) nicht nur bei seinem Prozess. Beide waren befreundet und gaben gemeinsam 1913 eine Anthologie bayrischer Schriftsteller unter dem Titel „Bayernbuch“ heraus.

Georg Queri selbst wurde zum einen bekannt durch seine Mundarterzählungen, die unter anderem in dem 1909 erschienenen Band „Die weltlichen Gesänge des Egidius Pfanzelter von Polykarpszell“ veröffentlicht wurden. Er machte sich aber auch einen Namen durch die Herausgabe volkskundlicher Schriften, wie das erwähnte „Kraftbayrisch“ von 1912 und die Studien zum Haberfeldtreiben „Bauernerotik und Bauernfehme in Oberbayern“ 1911. Ab 1918 arbeitete Queri als Redakteur bei der Zeitschrift „Jugend“.

Dennoch stand Georg Queri immer im Schatten Ludwig Thomas, wie der Direktor des Münchner Stadtarchivs Dr. Michael Stephan feststellte. Durch seine Forschungen und die Herausgabe seiner Werke hat er ihn wieder in das Bewusstsein des literarisch interessierten Publikums gebracht. Er liest in Dachau zusammen mit dem Schauspieler Bernhard Butz Texte des bayrischen Schriftstellers Georg Queri, die seinen kritischen Geist zeigen, Erotisches und Deftiges nicht auslassen und die Zeit Queris und Thomas durch Briefe und Zeitungsartikel lebendig werden lassen.

Dazu sind sie herzlich eingeladen. Folgen sie doch einfach der Aufforderung Georg Queris und nehmen sie sich dafür die Zeit: „Schießen Sie keinen Hirsch am Samstag! Bitte kommen Sie.“

 

 

Die Veranstaltung des Landkreises Dachau ist ein Beitrag zum Thoma-Jubiläumsjahr. Sie  findet am Samstag, den 7. Oktober 2017 in der Gaststätte Kochwirt statt. Der Eintritt ist frei. Ab 17.30 Uhr ist Einlass mit der Möglichkeit zum Abendessen. Eine weitere Bewirtung ist nur in der Pause möglich. Für die musikalische Umrahmung sorgen Robert Gasteiger an der Zither und der G`fundner Dreig´sang aus Holzkirchen.

Der Hirsch auf dem FOTO hat einen wunderbaren Blick  auf die Fraueninsel im Chiemsee.

 

Ein Hofmaler

Kennen sie das hier abgebildete Bauwerk? Das ehemalige Hofmarkschloss im kleinen Ort Hof bei Eisenhofen? Einige von ihnen erinnern sich vielleicht noch an die Zeit, als vor der Gründung der Verbandsschule in Erdweg 1972 hier noch Schüler unterrichtet wurden. Ein wirklich geeigneter Ort für das Lernen, hatte hier doch bereits im 16. Jahrhundert der gelehrte Leonhard von Eck residiert, der seinerzeit als Berater Wilhelms IV am Hof in München das politische, wirtschaftliche, religiös-geistige und soziale Leben Bayerns prägte.

Und heute?

Bei einer meiner Entdeckungsfahrten durch den Landkreis führte mich mein Weg zum Schlösschen, wo ich das Glück hatte, das Ehepaar Riederer zu treffen, das mir mehr über die jüngere Geschichte des Schlosses erzählen konnte. Nach der Auflösung der Schule wurde es von vielen Künstlern bewohnt, die hier in der ländlichen Umgebung Inspiration fanden. Und auch Hartmut Riederer ist ein Künstler, der die Tradition der gelehrten Bewohner, Wissensdurstigen und Künstler fortsetzt. Er verfasst Theaterstücke, schreibt Prosatexte und Lyrik und malt fantasievolle Gemälde. Er erzählt darin von kosmischen Welten und schöpft aus seinem reichen Fundus an literarischem und philosophischem Wissen, das in sein vielseitiges Werk einfliesst.

Schnell stand für mich fest, dass noch mehr Menschen im Landkreis und darüber hinaus den Maler und Schriftsteller kennenlernen sollten. So werden jetzt ab 24. September 2017 im Museum in Altomünster bei einer Werkschau Bilder des „Hof“- Malers Hartmut Riederer unter dem Titel „Kosmos“ gezeigt werden. Da Hartmut Riederer erst vor kurzem seinen 75. Geburtstag gefeiert hat, ist die Ausstellung gleichzeitig ein schönes Geburtstagsgeschenk. Herzlichen Glückwunsch!

Das FOTO zeigt die Einfahrt zu Schloss Hof, das sich in Privatbesitz befindet und nicht besichtigt werden kann.

 

Josefi !!!

„Seid ihr alle da?“ lautet die Eingangsfrage beim Kasperltheater, mit der der Spaßmacher seine Gäste begrüßt. In der Regel schallt ihm ein lautes „Ja!!!“ entgegen. Würde der Kasperl am 19. März fragen, ob alle, die an diesem Tag Namenstag haben, da sind, also die Josefs oder Josefines, wäre es sicherlich ruhiger im Publikum. Aber auf jeden Fall würde sein Spezl der „Seppl“ auf die Bühne treten und mit dem Kopf nicken, die Arme hochreißen, winken und sich lautstark melden.

Die beliebtesten Vornamen waren laut einer Statistik im Jahre 2016 Ben und Mia, ein Jahrzehnt davor Julia, Lisa und Jan. Der männliche Name Josef mit allen Variationen und Kurzformen von Josl, Sepp, Seppel, Bepp und die weibliche Form Josefine mit Fini, Josi oder auch das Seferl sind heute aus der Mode gekommen.

Dabei war gerade in Bayern bis ins 20. Jahrhundert „Josef“ einer der beliebtesten Vornamen. Im 17. Jahrhundert bezog man sich dabei vor allem auf den alttestamentarischen Josef, der von seinen eifersüchtigen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde. Der Vater Jesu, Josef aus Nazareth rückte erst mit der steigenden Verehrung als Heiliger ab dem 18. Jahrhundert als Namensgeber in den Vordergrund.

Und wie kam es zu den weiblichen Formen? Inge Weid schreibt dazu im Begleitband zur Ausstellung des Bezirks Oberbayern 2006  „Josef, Bepperl, Sepp – Geschichten um einen Namen“, dass sich vor allem im 17. und 18. Jahrhundert Mädchennamen wie Justine, Jakobine, Pauline und Wilhelmine aus männlichen Vornamen entwickelten. Häufig wurden Mädchen so benannt, wenn der ersehnte männliche Nachkomme ausblieb und das Mädchen den traditionellen familiären Vornamen erhalten sollte.

Früher wählte man in katholischen Gebieten auch häufig den Namen des Heiligen, der am Tag der Geburt seinen Gedenktag hatte und feierte diesen Tag als Namenstag. Diese Feier wurde im 20. Jahrhundert durch die des Geburtstages weitgehend abgelöst.

Dennoch gibt es gerade an „Josefi“, dem Namenstag des Hl. Josef, noch einige, die diesen Tag auch in Bayern begehen, obwohl er kein offizieller Feiertag mehr ist: so zum Beispiel der St.-Josephs-Orden oder die Königlich Bayrische Josephspartei im Landkreis Aichach.

An Josefi deshalb allen Josefs und Josefines und natürlich auch dem Freund vom Kasperl, dem Seppel: herzlichen Glückwunsch zum Namenstag!

 

Für das FOTO wurde nochmals das Kasperltheater und die Handpuppen vom hauseigenen Speicher geholt.

 

Heimat – Lebenswelt

„Heimat ist, von wo man als Jugendlicher flüchtet und wohin man im Alter wieder sehnsuchtsvoll zurückkehrt“,  so wurde der Liedermacher und Komödiant Willy Astor in einem Radiobeitrag des Bayrischen Rundfunks in der letzten Woche zitiert. Als Heimatpflegerin wurde ich da natürlich hellhörig und auch nachdenklich.

Als Jugendliche wollte ich möglichst schnell der Heimat den Rücken kehren: es war die Zeit von Interrail, dem grenzenlosen Reisen, Abenteuerlust und Aufbruch. Doch die Reisen machten auch Lust auf andere Veränderungen: das Studium führte mich nach München, und Bayern wurde mir dann zur zweiten Heimat. Ob ich im Alter wieder ins „Ländle“ zurückgehen werde? Ich glaube eher nicht.

Vielleicht meinte Willy Astor ja auch nicht nur das physische dauerhafte Zurückkehren in die Heimat. Ich denke, dass man häufiger in der Erinnerung an besondere Erlebnisse, vor allem in der Kindheit, in die „emotionale Heimat“ zurückreist.

Dieses Erinnern und Nachdenken über das eigene Leben haben Schriftsteller literarisch in Autobiografien verwoben. Sie haben damit ihre vergangene und/oder aktuelle Lebenswelt festgehalten. Ihre persönlichen Lebenserfahrungen sind dabei häufig eng mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verknüpft.

Das war eine der Überlegungen, die mich dazu bewogen hatten das Thema des diesjährigen „Poetischen Herbst“ zu wählen: „Lebenswelt(en) – Autobiografien im Dachauer Landkreis“. Die Idee ist, mit persönlichen Textdokumenten eine poetische Brücke zum Landkreis Dachau zu bauen und den Blick auf verschiedene Zeiten und Umstände, auf politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen in unserer näheren Heimat zu lenken.

Was erlebten die Protestanten im katholisch geprägten nördlichen Dachauer Hügelland, als sie im 19. Jahrhundert ankamen? Wie lebt man als Dachauer im 20. Jahrhundert mit dem Wissen um das ehemalige Konzentrationslager in nächster Nachbarschaft? Wie steht es um das Rollenverständnis der Geschlechter? Wo steht die junge Generation? Wieviel Veränderung verträgt unsere Gesellschaft?

Gedanken dazu gibt es beim Poetischen Herbst 2016 . Wir laden sie herzlich dazu ein, ihre Heimat mit den Augen anderer neu zu sehen!

 

FOTO: Herbst im Schwarzwald.

 

 

 

 

Heimat kulinarisch: Wurstsalat

„Was kochst du denn für deine Gäste, die an deinem Geburtstag kommen werden?“, fragte mich unlängst eine gute Freundin aus meiner ersten Heimat. „Wurstsalat“ war meine Antwort, weil ich auf einen Biergartenabend hoffte. „Ja, das gab es an meinem Geburtstag auch“, lautete ihre Antwort. Was dann folgte war ein Austausch darüber, wie in Baden-Württemberg und Bayern der Wurstsalat zubereitet wird. Mal abgesehen von der Art die Wurst zu schneiden, in Bayern „Radl“ in Schwaben „Streifen“, unterscheiden sich auch die Zutaten: Lyoner, Stadtwurst, Göttinger ja auch Leberkäse fand ich bei meinen weit angelegten Testessen in bayrischen Gasthöfen, Biergärten und privaten Haushalten. In Baden-Württemberg, betonte meine Freundin, gehe es jedoch nicht ohne Schwarzwurst. „Aber die bekomme ich hier ja nicht“- seufzte ich, worauf meine Freundin versprach, bei einem der nächsten Besuche eine solche mitzubringen.

Das brachte mich darauf, darüber nachzudenken, was mir aus meiner ersten Heimat im Alemannischen fehlen könnte. Auf dem Kultursender „arte“ , der sich dem kulturellen Verständnis zwischen Deutschland und Frankreich widmet, gibt es dazu im Magazin „karambolage“ ein Format das heißt: „ce qui me manque“ – „was mir fehlt“.  Hier berichten Franzosen in Deutschland und Deutsche in Frankreich, was sie  – obwohl sie gut integriert sind –  in ihrer neuen Heimat vermissen. Bemerkenswert ist, dass es dabei häufig um Dinge rund ums Essen geht. Eine Deutsche vermisst in Paris ihren Eierpicker, eine aus dem Kamerun gebürtige Französin ihren afrikanischen Steinmörser, die Redakteurin der Sendereihe Claire Doutriaux kann sich ein Leben in Deutschland ohne Austern nicht vorstellen. Für die deutsche Journalistin Jeanette Konrad gehören zu Weihnachten selbstgebackene Weihnachtsplätzchen, für die glücklicherweise immer ihre Großmutter mit Päckchen sorgt.

Die kurzen Beiträge von etwa zwei Minuten Länge beginnen immer mit dem Namen und der Herkunft des Porträtierten und mit dem Zusatz, dass derjeinige nicht wirklich unglücklich sei, weil ihm schließlich nur eine Kleinigkeit zum perfekten Glück fehle.

In diesem Sinne würde mein Beitrag so anfangen: „Ich komme aus Baden-Württemberg und lebe seit einer gefühlten Ewigkeit in Bayern. Ich liebe die bairische und internationale Küche und koche gerne mit und für die Familie und Freunde. Aber die weichen schwäbischen Brezeln, nicht zu stark gebacken und mit eher teigiger und gleichzeitig luftiger Konsistenz finde ich nur selten in Bayern. Das ist aber nicht tragisch, weil ich immer wieder aus Baden-Württemberg Brezeln mitgebracht bekomme, zu denen ich dann häufig bayrische Weißwürste serviere.“

Um auf meine eingangs genannte Freundin zurückzukommen – sie meinte, dass sie in mein nächstes „care-Paket“ noch Schwarzwurst legen würde. Dann müssen wir uns nur noch einigen, wie wir die Wurst für den gemeinsamen Wurstsalat schneiden werden….

Haben sie auch Dinge, die sie vermissen? Die bei ihnen kulinarische Heimatgefühle erzeugen? Und auf die sie ungern verzichten? Schreiben sie mir doch…

 

Der Wurstsalat auf dem FOTO ist eine Eigenkreation.