Seppel

Brandaktuell…

„Bratwurst mit Sauerkraut!“ an die sonore Stimme des Erzählers auf der Lieblingsschallplatte meiner jüngeren Schwester erinnere ich mich auch heute noch sehr gut. Sie erzählte vom Räuber Hotzenplotz, der sich unerlaubterweise das Lieblingsessen von Kasperl und Seppl bei der Großmutter einverleibte. Der zuvor im „Spritzenhaus“ inhaftierte Räuber hatte seinen Aufpasser Wachtmeister Dimpflmoser getäuscht und überwältigt, ihm die Uniform geraubt und ihn mit einem Feuerwehrschlauch gefesselt. „Spritzenhäuser“ waren damals, als die Geschichte spielt, nämlich nicht nur Aufbewahrungsorte für die Feuerspritze und Wasserschläuche der Feuerwehr, sondern dienten auch als Gefängnisse.

Einige Jahrhunderte zuvor waren die einzelnen Bürger selbst für das Löschen der Brände zuständig. In Dachau war es sogar eine der Voraussetzungen um überhaupt das Bürgerrecht zu erwerben: man musste einen Feuerkübel mitbringen. Eine Vorstellung davon gibt ein ledernes Exemplar aus dem 18. Jahrhundert im Bezirksmuseum Dachau. Damit ein Brand erst gar nicht entstehen konnte, waren Schutzmaßnahmen durch eine „Feuerordnung“ geregelt. Häuser sollten nur mit Ziegel- oder sogenannten „Schlierdächern“ (Lehm und Stroh) gedeckt werden und der Rat, der Marktschreiber und der Kaminkehrermeister kontrollierten zweimal jährlich die Feuerstätten. Dennoch ereigneten sich verheerende Großbrände, gerade in den ländlichen Gemeinden im Dachauer Land, wo die landwirtschaftlichen Anwesen noch häufig Strohdächer hatten. So in Großberghofen 1823, wo ein in Brand geratener Backofen das schnell um sich greifende Feuer auslöste und nahezu alle Bauernhöfe brannten – eindrücklich in einem Modell im dortigen Heimatmuseum dargestellt. Zwanzig Jahre später wütete in nahen Arnbach (1845) ebenfalls ein Großbrand.

Solche Ereignisse trugen maßgeblich zur Entstehung der ortsansässigen Feuerwehren bei. In Altomünster und Dachau wurden die Vereine im Jahr 1869 offiziell gegründet – wobei wohl in Altomünster bereits im 18. Jahrhundert eine Wehr bestand, wie in der Ortschronik stolz berichtet wird. Anfangs war die Ausrüstung mit Feuerkübeln, Feuerleitern und Feuerhacken noch einfach. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Pumpen, Spritzen und Gerätschaften hinzu. Heutzutage verfügt die Feuerwehr über modernste Geräte, die nicht nur zur Brandbekämpfung eingesetzt werden, sondern auch bei der Rettung und dem Schutz von Menschenleben bis hin zu technischen Einsätzen benutzt werden. Von „Spritzenhaus“ kann deshalb heutzutage nicht mehr die Rede sein.

150 Jahre nach ihrer Gründung haben die Feuerwehren in Dachau und Altomünster ihr Jubiläum gefeiert. Es gab Vorführungen, Vergnügungen und auch etwas zum Essen – vielleicht standen auch Bratwürste auf der Speisekarte…

Was die Pflichten eines angehenden Bürgers in Dachau anbelangt verweise ich auf August Kübler: Dachau in verflossenen Jahrhunderten, Dachau 1928, Neudruck 1981, S. 222. Der Feuerkübel im Bezirksmuseum ist auch im 11. Band der Kulturgeschichte des Dachauer Landes „Bezirksmuseum Dachau“ auf S. 24 abgebildet. Das BLOGFOTO zeigt ein altes Feuerwehrspielauto meiner Kinder.

Mit diesem Beitrag gratuliere ich allen Feuerwehren im Landkreis Dachau, die in diesem Jahr Jubiläum feiern! Weiterhin bedanke ich mich bei meiner Heimat-Feuerwehr, dank deren Hilfe ich heute nach einer längeren Auszeit wieder im Dienst sein kann.

 

 

 

 

Josefi !!!

„Seid ihr alle da?“ lautet die Eingangsfrage beim Kasperltheater, mit der der Spaßmacher seine Gäste begrüßt. In der Regel schallt ihm ein lautes „Ja!!!“ entgegen. Würde der Kasperl am 19. März fragen, ob alle, die an diesem Tag Namenstag haben, da sind, also die Josefs oder Josefines, wäre es sicherlich ruhiger im Publikum. Aber auf jeden Fall würde sein Spezl der „Seppl“ auf die Bühne treten und mit dem Kopf nicken, die Arme hochreißen, winken und sich lautstark melden.

Die beliebtesten Vornamen waren laut einer Statistik im Jahre 2016 Ben und Mia, ein Jahrzehnt davor Julia, Lisa und Jan. Der männliche Name Josef mit allen Variationen und Kurzformen von Josl, Sepp, Seppel, Bepp und die weibliche Form Josefine mit Fini, Josi oder auch das Seferl sind heute aus der Mode gekommen.

Dabei war gerade in Bayern bis ins 20. Jahrhundert „Josef“ einer der beliebtesten Vornamen. Im 17. Jahrhundert bezog man sich dabei vor allem auf den alttestamentarischen Josef, der von seinen eifersüchtigen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde. Der Vater Jesu, Josef aus Nazareth rückte erst mit der steigenden Verehrung als Heiliger ab dem 18. Jahrhundert als Namensgeber in den Vordergrund.

Und wie kam es zu den weiblichen Formen? Inge Weid schreibt dazu im Begleitband zur Ausstellung des Bezirks Oberbayern 2006  „Josef, Bepperl, Sepp – Geschichten um einen Namen“, dass sich vor allem im 17. und 18. Jahrhundert Mädchennamen wie Justine, Jakobine, Pauline und Wilhelmine aus männlichen Vornamen entwickelten. Häufig wurden Mädchen so benannt, wenn der ersehnte männliche Nachkomme ausblieb und das Mädchen den traditionellen familiären Vornamen erhalten sollte.

Früher wählte man in katholischen Gebieten auch häufig den Namen des Heiligen, der am Tag der Geburt seinen Gedenktag hatte und feierte diesen Tag als Namenstag. Diese Feier wurde im 20. Jahrhundert durch die des Geburtstages weitgehend abgelöst.

Dennoch gibt es gerade an „Josefi“, dem Namenstag des Hl. Josef, noch einige, die diesen Tag auch in Bayern begehen, obwohl er kein offizieller Feiertag mehr ist: so zum Beispiel der St.-Josephs-Orden oder die Königlich Bayrische Josephspartei im Landkreis Aichach.

An Josefi deshalb allen Josefs und Josefines und natürlich auch dem Freund vom Kasperl, dem Seppel: herzlichen Glückwunsch zum Namenstag!

 

Für das FOTO wurde nochmals das Kasperltheater und die Handpuppen vom hauseigenen Speicher geholt.