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Resi – I hol di mit’m Traktor ab!

Nein – heute geht es nicht um volkstümliche Musik und die Rettung des wahren Liedguts – heute geht es ums Bulldogfahren! Ja – ich habe meine Liebe zum entschleunigten Fahren entdeckt!

Am vergangenen Samstag führte mich mein Weg nach Herrnrast bei Ilmmünster, wohin die „Bulldogfreunde Indersdorf e.V.“ ihre jährliche Wallfahrt unternahmen. Vor der idyllisch auf einem Berg inmitten von Bäumen gelegenen barocken Kirche waren die Schmuckstücke der Vereinsmitglieder aufgereiht: alle frisch gewaschen, poliert und mit Fähnchen geschmückt. Nach einem Gottesdienst wurden diese Fahrzeuge gesegnet und dann ging es – wie es sich für eine richtige Walllfahrt gehört – ins Wirtshaus.

Mit stolzen 17 km/h fuhren wir, nachdem wir langsam den Berg abwärts gerollt waren, im Konvoi in Richtung Ilmmünster. Es war ein sonniger Tag, der Himmel war weiß-blau und die frische Luft wehte einem um die Nase. Vom erhöhten Sitz aus blickte man weit in die Landschaft – da konnte ich gut mit meinen Gedanken spazierengehen.

So ist der 1997 eingetragene Verein der Bulldogfreunde einer der jüngeren Gründungen in unserem Landkreis. Als ältester Verein gilt die  „Königlich Privilegierte Feuerschützengesellschaft Dachau“ von 1796. Ich dachte an bestehende Schätzungen, wonach es in Deutschland an die 500.000 Vereine gibt. Sie setzen sich für gesellschaftliche, soziale und kulturelle Belange ein oder haben sich aufgrund von gemeinsamen Interessen oder Hobbies zusammengeschlossen.

Da saß ich also auf einem Eicher-Traktor, genoss die Fahrt und freute mich dabei als Heimatpflegerin, dass dieser Verein sich um die ganzen mobilen Denkmale kümmerte. Auch, dass sie so gut in Schuss waren und nicht irgendwo in einem Stadl vor sich hinrosteten. Vorneweg fuhr ein „Lanz“ von 1939, der ab und an schwarze Wölkchen hinter sich ließ, bis er in den Parkplatz vor dem Wirtshaus einbog.

Ich stieg vom Beifahrersitz herunter und bemerkte, dass ich die Fahrt wohl noch eine Weile spüren würde… Nichtsdestotrotz war die Teilnahme an der Wallfahrt eine wunderbare kleine Auszeit vom hektischen Getriebe der Woche.

Jetzt weiß ich nur nicht, ob ich meinen Mann davon überzeugen kann, als Drittfahrzeug einen Bulldog anzuschaffen. Denn damit könnte er mich gerne für eine Tour abholen – auch gerne zu einer Wallfahrt.

 

An dieser Stelle sei den Indersdorfer Bulldogfreunden nochmals herzlich gedankt für die spontane Mitnahme von zwei Passagier(inn)en!

Am „Tag des offenen Denkmals“ am 11. September 2016 können die Fahrzeuge der Bulldogfreunde in Ried bei Indersdorf begutachtet werden. Näheres dazu finden sie auf der Webseite des Vereins. 

 

Das FOTO ist ein Ausschnitt aus einem Bild mit zwei Frauen, die das erste Mal Bulldog gefahren sind.

 

 

 

Grenz-Wertig

Der Begriff „Grenz-Wertig“ kann in zwei Richtungen interpretiert werden. Zum einen bezeichnet er Werte an einer geografischen Grenze und zum anderen stellt er eben diese Wertigkeit von Dingen in Frage. Deshalb habe ich diesen Begriff bewußt als Motto für meine Exkursionen gewählt, die die Teilnehmer einmal jährlich an die Grenzen im Landkreis Dachau führen soll.

Was die erste Bedeutung anbelangt: wir reisen zusammen entlang der Landkreisgrenze in Richtung Fürstenfeldbruck, Aichach-Friedberg, Pfaffenhofen, München. Dabei besuchen wir Baudenkmäler, interessante landschaftliche Abschnitte, historisch bedeutsame Orte. Es geht dabei nicht um ein landkreisweites „Sachschaun“ in Abgrenzung zu den Nachbarlandkreisen. Es geht vielmehr um Informationen zur Kultur- und Heimatpflege die zeigen, wie willkürlich die heutigen politischen Grenzen oftmals gesetzt sind. Drei Beispiele von vielen seien hier genannt: Pfarrverbände wie der in Haimhausen-Fahrenzhausen bilden eine Einheit über Dachau hinaus mit dem Freisinger Kreis. Die Kirche St. Dionysius in Pipinsried schlägt eine Brücke zwischen der Diözese München-Freising und dem Bistum Augsburg. Die Furthmühle trennen nur wenige Meter von der Gemeinde Pfaffenhofen. Heute gehört sie zum Landkreis Fürstenfeldbruck, während sie im 19. Jahrhundert Bestandteil der Besitztümer der Augsburger Familie von Lotzbeck war, der neben Schloss Weyhern auch die ehemalige Hofmark Eisolzried bei Bergkirchen gehörte.

Übrigens abseits der Denkmalpflege: es verläuft auch eine Art sprachlicher Grenze durch den Landkreis Dachau. Der Übergang vom Dialekt des Bairischen zum Schwäbischen manifestiert sich bereits in der Gegend um Altomünster. Auch Trachten, Musik und Brauchtum lassen sich nicht auf politische Grenzen reduzieren….

Aber zurück zum Begriff „Grenz-Wertig“, der im zweiten Sinne eine Kategorie ist, die die subjektive Geschmacksempfindung betrifft: hier treffen Anhänger von Toskanahäusern auf Liebhaber von Bauhaus-Würfeln, Freunde der neuen Ruinenarchitektur auf Gartenzwergidyllen, Tradition auf Moderne.

Kann man diese beiden Grenzwerte zusammenbringen? Ich denke schon. Der Blick auf Werte schärft den Blick für Qualität und beeinflusst den Geschmack. Und in diesem Sinne halte ich es mit Oscar Wilde, der sagte: „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack. Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“

Werte setzen sich durch – auch über Grenzen hinweg.

 

Auf dem FOTO sehen sie einen Blick auf eine Straße zwischen Deutenhausen und Kreuzholzhausen. Im Hintergrund die Alpenkette.

Wir wollen doch kein Geld…

Stellen sie sich einmal vor, sie dürften entscheiden, ob Neuschwanstein einen violetten Wandputz erhalten sollte, die Frauenkirchentürme ein Pultdach und Schloss Dachau einen Carport für die dort parkenden Reisebusse…. Ich bin mir sicher, dass die meisten von ihnen ein spontanes „Das geht ja gar nicht!“ ausrufen würden.

Mit ganz so spektakulären Dingen haben wir es im Landkreis Dachau meist nicht zu tun. Dennoch kann es vorkommen, dass die Aussage „Wir wollen doch kein Geld“ die Einleitung dafür ist, dass eine Maßnahme am Denkmal stattfand, die nicht mit den Behörden abgestimmt wurde. Eine ganz schwierige Sache.

Der Gesetzgeber hat nun einmal im Artikel 6 des Bayrischen Denkmalschutzgesetzes festgelegt: „Wer (1.) Baudenkmäler beseitigen, verändern oder an einen anderen Ort verbringen oder (2.) geschützte Ausstattungsstücke beseitigen, verändern, an einen anderen Ort verbringen oder aus einem Baudenkmal entfernen will, bedarf der Erlaubnis.“

Dies hat sich der Gesetzgeber nicht ausgedacht, um unnötige behördliche Hürden aufzubauen, sondern den optimalen Schutz eines Denkmals zu gewährleisten. Dazu gehört, den Denkmaleigentümern beratend zur Seite zu stehen – inhaltlich, fachlich und auch finanziell. Deshalb gibt es u.a. die Einrichtung sogenannter „Amtstage“, bei denen der Gebietsreferent des Landesdenkmalamtes, ein Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde und der Kreisbaumeister zusammen mit dem Heimatpfleger Denkmäler besichtigen und die Besitzer beraten.

Als Heimatpfleger sind wir in ein weites Netzwerk eingebunden und können häufig einen Blick hinter die Kulissen werfen. Vertrauen ist da Ehrensache. Deshalb kann ich nur immer wieder an alle mit Denkmälern Befassten appellieren: nehmen sie Kontakt mit den zuständigen Stellen auf! Der erste Schritt ist einen Erlaubnisantrag auszufüllen und schon sind sie auf dem richtigen Weg!

Wenn sie dann auch noch sagen: „Wir wollen kein Geld“ – vielleicht weil es einen potenten Förderverein gibt, eine spendable Gemeinde oder einfach Erspartes für das Baudenkmal vorhanden ist – dann ist das wieder eine andere Sache. Unsere Beratung ist auf jeden Fall kostenlos – aber hoffentlich nicht umsonst.

 

 

FOTO: Die Heilige Ottilie in Straßbach wartet auf Spenden.

C+M+B – Die magischen Denkmalschützer

Am Wochenende sind sie wieder von ihrer Mission zurückgekehrt: die Sternsinger, die in der Zeit um den Dreikönigstag am 6. Januar unterwegs waren, um Gaben für arme und benachteiligte Kinder in der Welt zu sammeln. An vielen Orten zogen die Weisen aus dem Morgenland gewandet als Könige mit Krone und festlichen Kleidern von Tür zu Tür, um dort mit einem Lied oder Gedicht ihr Anliegen vorzutragen.

Dieses auch in unserer Region lebendige Brauchtum gehört zu den sogenannten „Heischebräuchen“, bei denen für Leistungen Geld oder Lebensmittel  verlangt oder gefordert werden („heischen“ wird im Duden mit „verlangen“ übersetzt, im mittelhochdeutschen stand „eischen“ für fordern ). Als Gegengabe übermitteln die Könige den Segen Gottes, den sie mit der Kreideschrift C+M+B und der Jahreszahl bildhaft werden lassen und dem Wohlgeruch des Weihrauchs unterstreichen. Die Kürzel bedeuten „Christus Mansionem Benedicat“- der Herr möge das Haus der Spender segnen und damit schützen.

Als die Sternsinger an unserem Haus den Segen ganz modern in der Form eines Aufklebers angebracht hatten und weiterzogen, wünschte ich mir insgeheim, viele weitere Sternsinger, die segnend durch den Landkreis ziehen, um dort auch den Bauwerken Segen zu bringen, die es am dringendsten nötig haben.

Vor meinem inneren Auge schickte ich sie auf meine ganz persönliche Reise: zu einigen kleinen Bauernhäusern in Oberweilbach, Taxa und Ampermoching, nach Altomünster zur Klosterpforte, zum Gasthaus nach Sulzemoos, zu einer kleinen Hofkapelle im Hinterland, dann nach Dachau zum ehemaligen Gasthaus Hörhammerbräu, zur Holländerhalle auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei, den Gewächshäusern am Kräutergarten und dann weiter zur Ziegler-Villa und dem Seidl-Haus in der Augsburgerstraße.

Dabei stellte ich mir vor, dass der Haussegen sie dadurch vor dem weiteren Verfall bewahren würde. Denn er würde die Bewohner und/oder die Verantwortlichen daran erinnern, dass mit der Haussegnung das Prinzip des „do ut des“ verbunden ist: Jede Gabe muss mit einer Gegengabe vergolten werden.

Sollte dies gelingen, dann würden die drei Weisen, die auch als „Magier“ bezeichnet werden, zu magischen Denkmalschützern.

 

Der Stern der Kleinberghofener Sternsinger durfte aufs FOTO.

 

Staade Zeit

Auch im Kloster Altomünster ist fürs erste eine „staade Zeit“ angebrochen. Mit Beginn der adventlichen Zeit wurde auf Anordnung aus Rom mit der Auflösung der klösterlichen Gemeinschaft begonnen.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass das Kloster auch schon früher umwälzende Veränderungen erlebt hat: vom benediktinischen Männerkloster zum Frauenkloster, dann ab 1485 Übernahme durch die Birgittinnen mit späterer Erweiterung um ein Männerkloster. 1803 sollte auch das Kloster Altomünster im Rahmen der Säkularisation aufgelöst werden. Wie Anton Mayr in der Chronik des Altolandes festhielt, verlief diese folgendermaßen: „Am 19.3. nachmittags erscheint der Landrichter von Rain, Tünnermann, im Kloster, erklärt das Kloster für aufgehoben, nimmt die Kasse, Archiv, Sakristei, Bibliothek und Getreidekasten in Beschlag, beläßt der Äbtissin zur Bestreitung augenblicklicher Ausgaben einen Beitrag von 115 Gulden 20 Kreuzer und legt das übrige Geld unter Siegel. Die Mönche müssen aus ihrem Gebäude ausziehen. Sie erhalten eine stattliche Pension. […] Für das Frauenkloster findet sich kein Käufer. Die Schwestern dürfen deshalb in ihrem Kloster bleiben.“

Ein Jahr später, 1804, wurde das Ende der Klosteradministration gemeldet. Die Abwicklung lief nicht reiblungslos, wie der Chronist weiter berichtete: „Die Äbtissin des Klosters kann sich mit der Aufhebung des Klosters noch nicht abfinden. Sie erteilt Aufträge für Reparaturarbeiten und schickt dann die Rechnungen an die kurfürstliche Landes-Direktion zur Bezahlung. Von dort erhält sie die Antwort, daß die Rechnungen diesmal noch beim Rentamt Aichach angewiesen wurden. In Zukunft hat sie sich aber dabei eigenmächtigen Ausgaben umso mehr zu enthalten, als man selbe sonst gewiß unbezahlt lassen wird.“

Das ist natürlich Geschichte des 19. Jahrhunderts, daher sind etwaige Parallelen zu heute wohl eher zufällig. Aber die Geschichte des Klosters Altomünster ist sicherlich noch nicht zu Ende. Alles hat und braucht seine Zeit (Koh / Pred 3). Die stille Zeit, die jetzt dort angebrochen ist, ist deshalb auch eine Chance für einen unaufgeregten Neubeginn –  für ein ganz neues Kapitel in der Geschichte des Klosters „im Sinne eines geistigen Orts der Begegnung“.

Dazu braucht es Ideen, ja Visionen – ganz im Sinne der Tradition der Ordensstifterin, der Hl. Birgitta.

 

Auf dem FOTO ist ein Blick ins Kloster Altomünster zu sehen.

Ein Baum als Denkmal

„An apple a day keeps the doctor away“- lautet ein Sprichwort aus dem angelsächsischen Raum. Daran musste ich denken, als ich meine diesjährige Apfelernte betrachtete. Trug doch mein Apfelbaum dieses Jahr sogar zwei Äpfel! Aus einem wurde ein Apfelmus gekocht – natürlich verlängert durch geschenkte Äpfel aus Nachbars Garten. Den zweiten, ganz kleinen Apfel habe ich fürs vorweihnachtliche Paradeisl aufgehoben.

Soviel Wertschätzung für zwei Äpfel? Ja, denn die Ernte stammt nicht von einem x-beliebigen Baum, sondern von meinem besonders gehegten Apfelbaum, dem „Korbiniansapfel“, der Züchtung des Pfarrers Korbinian Aigner.

Korbinian Aigner (1885-1966) wirkte ab 1931 als Vikar und dann Pfarrer in Sittenbach. Neben seiner kirchlichen Tätigkeit hatte er großes Interesse am Obstbau. Aigner war ein politischer Mensch und dem Nationalsozialismus gegenüber kritisch eingestellt. Am 8. November 1939 kam es zum offenen Konflikt mit den Machthabern, als er anläßlich einer Predigt zum fünften Gebot („Du sollst nicht töten“) das Attentat Georg Elsers als Sünde in Frage stellte. Er wurde daraufhin verurteilt, kam erst nach Stadelheim, dann in die Konzentrationslager nach Dachau und Sachsenhausen. Ab dem 3. Oktober 1941 war er bis kurz vor Kriegsende als Häftling mit der Nummer 27.788 im sogenannten „Priesterblock“ im KZ Dachau. Dort gelang es ihm die vier Apfelbaumsorten KZ-1, KZ-2, KZ-3 und KZ-4 zu züchten. Die heute noch existierende Sorte  KZ-3 wurde 1985 offiziell als „Korbiniansapfel“ bezeichnet.

Aigner züchtete aber nicht nur Äpfel, er dokumentierte auch unterschiedliche Obstsorten in 649 Zeichnungen von Äpfeln und 289 Zeichnungen von Birnen, die heute im Archiv der Technischen Universität München aufbewahrt werden.

Eine Auswahl der farbigen Zeichnungen bewunderte ich auf der Documenta 13 (2012) in Kassel. Ihre schlichte Schönheit und Ästhetik begeisterte mich und sprach meiner Meinung nach für ihren berechtigten Platz in einer der bedeutendsten internationalen Kunstausstellungen.

In Dachau erinnern übrigens als eine Art von Natur-Denkmal zwei Bäume im Industriegebiet und vor dem Landratsamt an den mutigen „Apfelpfarrer“ Korbinian Aigner. Aber sicherlich gibt es außer diesen und meinem kleinen Bäumchen noch weitere im Dachauer Land. Eine schöne Vorstellung.

 

Über das Leben Korbinian Aigners informieren Tafeln im Gewerbegebiet in Dachau und vor dem Landratsamt Dachau, wo das FOTO entstand.

 

 

Neue Ruinen – Denkmal light?

Sind ihnen diese neuen alten Mauern auch schon aufgefallen? Häufig mit einem Fenster durchbrochen?

Es handelt sich hierbei nicht um Ruinen aus vergangener Zeit, sondern vielmehr um Bauwerke jüngsten Datums. Gemeint sind die neuesten Trends in der Gartenarchitektur: frisch gemauerte Ruinenarchitektur als Gartenbegrenzung.

Doch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass dieser Trend so neu gar nicht ist.

Im 18. Jahrhundert waren die antiken Stätten in Griechenland und Italien das Ziel vieler kunstinteressierter Reisender. Auf den Gemälden der Zeit wurden sie malerisch festgehalten und in Stichen vielfach verbreitet. Im nördlichen Europa fand die Begeisterung für die Antike ihren Niederschlag im Baustil des Klassizismus und in zahlreichen Skulpturen. Dabei fand der ruinöse Zustand vieler Bauwerke auch Bewunderer, da er den romantischen Geist der Zeit traf: es wurde Mode sich eine Ruinenarchitekur in die neu gestalteten englischen Gärten zu bauen. Ruinen waren malerische Kulisse, gestalterisches Element innerhalb der Gartenarchitektur und auch Rückzugsort für die innere Einkehr, wie die Magdalenenklause im Nymphenburger Park zeigt.

Der romantischen Sicht auf Ruinen folgte im 20. Jahrhundert die schmerzliche Erfahrung der Zerstörung sakraler und profaner Bauwerke, die funktionale, glatte, nüchterne Architekturen zur Folge hatte, die vor allem den Bedürfnissen und Erfordernissen an schnell zu bauenden Wohnraum und Fabrikationsräumen zu genügen hatte.

Woher kommt nun das neuerlich gehäufte Auftreten von Ruinenarchitektur auch im Landkreis Dachau? Als Kontrast zu schmucken Neubauten und akkurat angelegten Gärten finden wir immer häufiger Ruinenzitate – die anfangs genannten Bruchsteinmauern mit Durchblick.

Sind sie Ausdruck einer romantischen Sehnsucht wie im 19. Jahrhundert? Eine Urlaubserinnerung an den Besuch antiker Stätten, passend zum Toskana-Stil des Eigenheims? Oder stehen sie als eine Art von Platzhalter für zerstörte Baudenkmäler? Ich denke da unter anderem an eine Vielzahl alter Bauernhäuser im Dachauer Land, die den Modernisierungswellen zum Opfer gefallen sind. Demnach wären die neuen Ruinen eine Art von pflegeleichtem Denkmal, das an vergangene Bauten erinnert ohne die „lästigen“ Verpflichtungen für Denkmalseigner: ein Denkmal light?

Aber wahrscheinlich sind sie nur Modeerscheinungen, die wie Gabionenwände, Thujenhecken und Jägerzäune irgendwann durch neue Grundstücksumgrenzungen abgelöst werden. Echte Denkmäler haben jedoch eine berechtigte Chance auf Fortbestand….