Mittsommer-Blues

Gestern wunderte ich mich über reges Treiben in meinem Gemüsegarten: da bedienten sich doch einige freche Amseln ausgiebig an den Johannisbeeren! Johannisbeeren, die ihren Namen vom gleichnamigen Heiligen haben, an dessen Gedenktag, dem 24. Juni, sie reif sein sollen.  An „Johanni“ ist auch der Tag der Sommersonnenwende, der sogenannte „Mittsommer“. Viele waren – wie auch ich – aufgrund der letzten Regenwochen geneigt, den Mittsommer mit seiner Sonnenwende zu verdrängen. Haben wir nicht alle befürchtet, dass der halbe Sommer schon vorbei sein könnte, bevor er überhaupt angefangen hat? Wer hoffte da noch auf eine irgendwie passable Ernte von Beerenfrüchten? Ein echter Mittsommer-Blues bahnte sich an…

In den nordischen Ländern ist Midsommar ein Fest, bei dem die Sommersonnenwende mit ausgiebigem Essen, Tanzen und familiärem Beisammensein gefeiert wird – egal wie das Wetter ist. Uns wurde der Midsommar auch durch Werbekampagnen eines schwedischen Möbelanbieters nähergebracht…

Aber wie kam es zur Verbindung von „Johanni“ und Sommersonnenwende? In frühchristlicher Zeit legte die Kirche den Gedenktag Johannes des Täufers auf diesen Tag, weil mit ihm Sonne und Licht verbunden sind, beides Symbole für Christus, als dessen Vorbote Johannes gilt. Die Lichtsymbolik zeigte sich dann auch im Brauchtum: vielerorts wurden in dieser hellen Nacht Sonnwendfeuer entzündet, um die auch getanzt wurde. Auch magische Kräfte wurden dem Feuer nachgesagt: vom Verscheuchen böser Geister hin bis zum Liebeszauber. In Städten wie München war das Sonnwendfeuer im Mittelalter sehr verbreitet, sodass es aufgrund der Brandgefahr zu Verboten kam, die aber das Brauchtum nicht zum Erliegen brachten. Erst im 20. Jahrhundert vereinnahmten die nationalistischen Kreise diesen Brauch, dem sie vermeintlich „germanische“ Wurzeln zuschrieben. So wurde er nach dem Krieg nicht wieder aufgegriffen und verschwand. Heute finden in Oberbayern nur vereinzelt Sonnwendfeuer statt. Wenn, dann veranstalten häufig Vereine gesellige Feiern, die den Charakter eines Dorffestes haben.

Was heute noch gilt ist,  dass man den letzten Spargel an diesem Tag erntet und auch die Rhabarbersaison endet. Das bringt mich zurück zu meinen Johannisbeeren. Den Nachtisch für mein privates Mittsommerfest mit Freunden haben ja bereits die Amseln verspeist. Ich glaube, ich nutze die Gelegenheit und ernte nochmals Rhabarber für ein Tiramisu.  Das hilft auch gegen den Schlechtwetter-Mittsommer-Blues. Aber vielleicht wird es ja auch schön! Dann gilt für mich die Bauernregel: „Wie’s Wetter an Johanni war, so bleibt’s wohl 40 Tage gar.“ Falls nicht, dann halte ich eben Ausschau nach Glühwürmchen, gemäß dem Sprichwort: „Glüh’n Johanniswürmchen helle, schöner Juli ist zur Stelle“.

 

Ein FOTOgrafischer Blick auf meine Johannisbeeren, die noch etwas reifen müssen.

2 Kommentare

  1. Hermann says:

    Nette Geschichten auf ihrem Web Blog Frau Unger-Richter,
    besonders wenn Zeitzeugen zu den aktuellen Bilder sprechen.

    Darum dringlich, die Arbeit an diesem Thema, das interessant
    gerade für die Jugend wenn Sie mal an Ihren Wurzeln forschen.

    Besonders auch regionale historische Gebäude, bei denen man
    oft achtlos vorbei, sollten mehr beschrieben werden, sehr oft
    keine Chronik weit überaltert oder kein Heimatforum es gibt.

    Viel Erfolg mit Ihrem Blog, mögen sehr zahlreich junge Forscher
    Ihre Seiten finden. Gerade in der Zeit wo das Wort Heimat so in
    aller Munde ist, haben Sie eine Interessante Aufgabe dazu.

    freundliche Grüsse,
    Heinrich Hermann

    • Dr. Birgitta Unger-Richter says:

      Danke für ihre Rückmeldung Herr Hermann. Freut mich, dass sie meinen Blog lesen!

      Wie sie so richtig schreiben, lebt Heimatpflege vom Miteinander von aktuell erlebter Geschichte und Erforschung der Historie. Bei zwei aktuellen Projekten im Landkreis wird das u.a. sehr gut zusammengebracht: Zeitzeugen der 50er Jahre kommen bei der Geschichtswerkstatt zu Wort; weiterhin soll das Thema „Tracht“ mit Jugendlichen bearbeitet werden. Da sind wir momentan in der Vorbereitungsphase.

      Ortsgeschichte und Ortsgeschichten wurden in den letzten Jahren in diversen Chroniken veröffentlicht (Bergkirchen, Eisenhofen, Pfaffenhofen, Erdweg wird gerade bearbeitet). Es tut sich was….

      Ihre Anregung bzgl. historischer Häuser nehme ich gerne auf. Im Rahmen von Denkmalsbesichtigungen und Instandsetzungen ergeben sich immer wieder interessante Geschichten und Wendungen… Sicherlich werde ich darüber auch in meinen blog berichten.

      Herzliche Grüsse aus dem Dachauer Land
      Birgitta Unger-Richter

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