Einen Korb geben

Einen Korb geben – das war früher das übliche Geschenk bei Jubiläen und Geburtstagen. Ich erinnere mich noch gut an einen silbernen Henkelkorb, den meine Urgroßmutter in den 70er Jahren geschenkt bekam. In diesem mit Immergrün geschmückten „Fresskorb“ waren Bohnenkaffee, Süßigkeiten, Pralinen und exotische Konserven mit Ananas und Pfirsichen. Auch Alkoholisches, wie Wein und Sekt (Pikkolos) waren dabei. Übrigens war Alkohol auch in den Pralinen  „Edle Tropfen in Nuss“ enthalten, sodass wir Kinder nichts davon angeboten bekamen.

Mein Mann berichtete mir von ähnlichen Erfahrungen: als kleiner Bub bedauerte er sogar seinen Großvater. In dessen Geschenkkorb waren Wein, Wurstwaren und Zigarren! Und gar nichts zum Spielen! Der arme Opa bekam so ein langweiliges Präsent.

Hans Kratzer schrieb 2017 in einem Artikel über „Fresskörbe“ – so wurden sie früher genannt – dass es leider dazu noch keine Kulturgeschichte gebe. Sie seien in den 50er Jahren in der Bundesrepublik aufgekommen und als Zeichen des wachsenden Wohlstands zu deuten.

Heute heißen die Fresskörbe „Geschenk- oder Präsentkörbe“. Ein Blick ins weltweite Netz bietet zahlreiche Alternativen zu den früheren Inhalten. Man kann sich Themenkörbe zusammenstellen, internationale Feinkost oder lokale Schmankerl, die dem zu Beschenkenden auch direkt geliefert werden. Man kann sich aber auch in vielen Geschäften vor Ort einen Korb individuell zusammenstellen, wobei der frühere Henkelkorb ausgedient hat. Es gibt inzwischen auch eckige Pappschachteln oder geflochtene Naturkörbe in verschiedensten Größen.

So einen Korb erhielten auch die Herausgeber der Heimatblätter Röhrmoos. Sie feiern heuer ihr dreißigjähriges Bestehen. Drei Jahrzehnte haben sie Informationen aus ihrem Ort über besondere Begebenheiten, Bräuche und ihre Mitbürger gesammelt. Die Redaktion hat sie bearbeitet, bebildert, in Form gesetzt und einmal im Jahr gedruckt herausgegeben. So ist ein unschätzbar wertvolles Heimatarchiv der Gemeinde entstanden.

Damit dies gefeiert werden und die Redaktion sich für die künftigen Auf- und Ausgaben stärken kann, sind einige Dinge wie Schokolade (Nervennahrung)  und diverse kleinere leckere Überraschungen (für die gute Laune) beigefügt.

Ich habe herzlichst gratuliert und ihnen einen Korb gegeben. Mein Wunsch für die Zukunft: weiterhin viele interessante Beiträge und zahlreiche Leser!

FOTO: Birgitta Unger-Rrichter. Geschenkkorb für Röhrmoos. Der Korb wurde von mir anlässlich der Feier des Jubiläums am 10. Oktober 2026 übergeben. Schwarz-Weiß-Foto: aus dem Familienarchiv meiner Mutter. Meine Urgroßmutter Theresia Rieger erhält zwei Fresskörbe zu ihrem 75. Geburtstag im Jahr 1964.

 

 Lesenswert ist der Artikel von Hans Kratzer: Womit habe ich das verdient? Der Fresskorb ist ein kurioses Phänomen. Im SZ Regionalteil R5 vom 4./5. März 2017. Die Heimatblätter Röhrmoos können über die Gemeinde Röhrmoos bezogen werden.

2 comments

  1. Helmuth Rumrich says:

    Vieln Dank für das nette Grußwort bei unserer Jubiläumsfeier „30 Jahre Röhrmooser Heimatblätter“ und den Geschenkkorb, den Du uns mitgebracht hast.

    • Dr. Birgitta Unger-Richter says:

      Lieber Helmuth, ich bin gerne gekommen und habe wieder viel Neues über Röhrmoos und seine Geschichte erfahren. Euer historischer Rückblick war sehr interessant und dabei auch unterhaltsam gestaltet.

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