Not

Heimat 2.0

Seit der Begriff „Heimat“ sich von seinem teilweise problematischen Image gelöst hat, setzen sich immer mehr Menschen inhaltlich damit auseinander. „Heimat“ ist inzwischen sogar zum Marketingschlagwort geworden, um von der Bauernmilch bis zum Trachtengwand allerlei an den Mann und die Frau zu bringen. Auch die Fernsehserie „Dahoam is Dahoam“ postuliert ein Heimatbild, das an den fiktiven Ort „Lansing“ gebunden ist – und damit, ironischerweise, gar nicht zu soweit weg ist von der Heimat als Utopie, wie Ernst Bloch sie sah…

„Heimat“ folgt heute längst nicht mehr der juristischen Definition des 19. Jahrhunderts für den Ort, wo man geboren wurde. In Zeiten einer modernen mobilen Gesellschaft mit unterschiedlichen Arbeitsplätzen und Wohnorten muss sie immer wieder aufs neue erworben werden. Vielleicht sehnt sich deshalb mancher nach seiner Kindheit als emotionale Heimat.

Womit keiner gerechnet hatte, ist, dass die Mobilität in unseren Tagen eine solche Dimension annehmen würde: dass hunderttausende Menschen auf der Flucht aus ihrer Heimat sind, um Krieg und Not zu entkommen und nun verzweifelt versuchen, eine neue Heimat zu finden.

Dies alles stellt auch die Heimatpflege vor ganz neue Herausforderungen. Und die sich daraus ergebenden Konsequenzen sind heute noch nicht absehbar.

Zu den Aufgaben der Heimatpflege gehört ja zunächst das Bewahren des Brauchtums der jeweiligen Region, der Blick auf die Tradition und den zeitgemäßen Umgang damit.

Viele unserer Traditionen beruhen aber auf einem gemeinschaftsstiftenden Miteinander, etwa beim Singen, Feiern, Musizieren und Tanzen.

Vielleicht lässt sich das ja auch auf die neu entstehenden Gemeinschaften anwenden? Dann werden wir uns besser gegenseitig verstehen und aus der jeweils „fremden Heimat“ kann dann eine neue Heimat werden. Eine Idee dazu: vielleicht wird ja im nächsten Jahr im Mai an dem einen oder anderen Maibaum ein neues Taferl befestigt werden – ein Beitrag der Neubürger aus Syrien oder Afrika….

 

FOTO:  Die Marienkapelle bei Weyhern liegt idyllisch im Grünen.