Ausdruckstanz

Tanze “n”

Bei den Vorbereitungen zum diesjährigen Poetischen Herbst zum Thema “Tanz” entdeckte ich im Antiquariat Hans Brandenburgs Buch “Der Moderne Tanz”, das 1913 erstmals erschien. Der Schriftsteller hatte damit als einer der ersten ein Buch über Tanzkunst jenseits des klassischen Balletts geschrieben. Die Illustrationen stammen zu einem großen Teil von seiner Frau, der auch in Dachau bekannten Künstlerin Dora Brandenburg-Polster. Auffallend sind auch die Schwarzweißfotos von einzelnen Tänzern, Paaren und Gruppen in exotischem Ambiente, in ausgefallenen Posen und scheinbar völlig losgelösten Bewegungen.

Diese Art des Ausdruckstanzes wurde an Orten praktiziert, die die alten Künstlerkolonien ablösten und zu Stätten eines umfassenden alternativen künstlerischen Lebensgefühls wurden: in Hellerau wurde unter Jacques Dalcroze moderner Ausdruckstanz mit Anlehnungen an die Philosophie Rudolf Steiners erprobt, während in nächster Nähe die Hellerauer Werkstätten unter Mitwirkung Richard Riemerschmids modernes Kunsthandwerk schufen. Auf dem Schweizer Monte Verità fanden Maler, Bildhauer, Dichter, Vegetarier und Sozialromantiker mit Visionären zusammen, die den Ausdruckstanz als emotionalen Bestandteil ihrer Lebensweise pflegten.

In Dachau neigte sich die Blüte der Künstlerkolonie währenddessen ihrem Ende zu. Obwohl es vereinzelt neue künstlerische Ansätze in Musik und Theater gab (wie bei Aloys Fleischmann, Hermann Stockmann) war moderner Tanz kein Thema in Dachau.

Hans Brandenburg, der durch seine Heirat enge Beziehungen zu Dachau hatte (seine Frau war die Schwägerin des Dachauer Arztes Dr. Felix Engert), ist das Bindeglied  zu dieser neuen Kunstform. So besuchte auch die Tänzerin Gertrud Leistikow den Engertschen Haushalt in Dachau.

Beim diesjährigen Poetischen Herbst zum Thema Tanz , der unter dem Motto “Rundummadum” stattfindet, haben wir deshalb einen Bildausschnitt aus diesem Buch gewählt: eine Tänzerin, die auf dem “n” tanzt.

 

FOTO mit dem diesjährigen Motiv zum Poetischen Herbst.