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Das Gscheidhaferl

Worüber ich erst neulich wieder einmal gestolpert bin, ist das Wort „Gscheidhaferl“. Wir führten im Familienkreis eine lebhafte Debatte, bei der jeder das letzte Wort haben wollte. Ich war der „Gewinner“, was unsere Tochter mit der Bemerkung quittierte, dass ich manchmal schon ein rechtes „Gscheidhaferl“ sei, was alle mit großem Gelächter kommentierten.

Das gab den Anstoß dazu, über den Begriff einmal nachzuforschen. Laut Bayrischem Wörterbuch ist die Bezeichnung ein Synonym für „Besserwisser, Klugscheißer, Neunmalkluger, Klugschwätzer“ – allesamt Ausdrücke, die Wissen und Klugheit abschätzig bewerten. Auch im Schwäbischen, meiner ersten Dialektsprache, wird ein vermeintlich kluger Mensch eher spöttisch als „Obergscheidle“ bezeichnet. Er ist nicht „gscheid“,  sondern gesteigert „ober-gscheid“, also einer, der alles besser weiß oder zu wissen glaubt.

Oh je! Da hatte ich mir also kein Kompliment eingehandelt – aber ich tröstete mich damit,  dass unsere Tochter mit dem impulsiven Ausruf sicher nur ihre gefühlte Niederlage im Wortgefecht kompensieren wollte.

Woher die Verbindung mit dem „Haferl“, einer Tasse oder einem Gefäß kommt, konnte ich nicht einwandfrei klären. Da „Haferl“ wohl früher auch den „Nachttopf“  bezeichnete, könnte die Nähe zum Klugscheisser auf die negative Bedeutung hindeuten. Aber so sicher bin ich mir da nicht.

Falls sie mehr zum Thema wissen – gerne melden – Gescheidhaferl sind gefragt! Ich mache mir einstweilen ein Haferl Kaffee in Anlehnung an eine bayrische Rösterei. Diese hat nämlich den Begriff für sich gewendet und bietet einen „gscheiden“ Kaffee in einem Haferl an.

 

FOTO: Kaffeepause in einem Museumscafé.

Wer sich für Dialektausdrücke und ihre Herkunft interessiert, sei auch auf das schöne Buch von Dr. Norbert Göttler mit Fotografien von Paul Ernst Rattelmüller hingewiesen: „ausgesprochen bayerisch“ ist eine wahre Fundgrube für  Dialektliebhaber. Die digitale Ausstellung dazu ist ebenfalls sehenswert.