Schlagwort: Tourismus

Wo kommst du denn her?

Ob es sich beim verstärkten Aufkommen von Osterbrunnen wohl um eine Anordnung unseres Ministerpräsidenten handeln könnte? So mutmaßten mein Mann und ich augenzwinkernd beim morgendlichen Frühstücksgespräch, als wir uns über die zunehmende Dekoration von Brunnen mit Immergrün und bunten Eiern im Landkreis Dachau unterhielten. Schließlich ist der Brauch fränkischen Ursprungs und der Ministerpräsident hat dort bekanntlich seine Wurzeln.

Tatsache ist laut Brauchwiki, dass die Bewohner auf den felsigen Hochflächen der Fränkischen Schweiz lange Zeit vom Niederschlagwasser lebten „das sie in Zisternen sowie in künstlich abgedichteten Weihern und flachen Gruben auffingen. Die Ernte hing wesentlich davon ab, dass die Niederschläge zur rechten Zeit und in ausreichender Menge fielen. Quellwasser war aufgrund der geologischen Gegebenheiten knapp und musste mühsam und beschwerlich mit Wasserbutten oder Ochsengespannen transportiert werden.“

Aus diesem Grund waren Sammelbecken und Brunnen besonders wertvoll und wurden geschätzt. Diese Wertschätzung drückte sich auch im jährlichen Schmücken eines Brunnens mit Grün und bunten Eiergirlanden aus, das wohl seit Beginn des 20. Jahrhunderts in der Fränkischen Schweiz verbreitet war. Nach dem 2. Weltkrieg erlebte der Brauch dann einen großen Aufschwung durch den Tourismus.

Das dürfte auch das Stichwort für die Verbreitung dieses Brauchs in Nord- und Süddeutschland sein: die fränkischen Osterbrunnen wurden von vielen Touristen besucht, die die Idee mit nach Hause brachten und in ihrer Heimat umsetzten.

Der Osterbrunnen ist folglich keine Anordnung aus der Staatskanzlei, sondern vielmehr ein Brauch mit Migrationshintergrund und hohem Integrationsfaktor: er kommt ursprünglich aus der Fränkischen Schweiz und ist inzwischen in weiten Teilen Deutschlands angekommen. Dabei ist der ursprüngliche Kontext in den Hintergrund getreten. Die Freude am prachtvollen Schmücken steht an erster Stelle und stimmt auf das Osterfest ein.

 

FOTO: Birgitta Unger-Richter, Osterbrunnen in Altomünster, St. Altohof.

Weitere Osterbrunnen findet man in Kleinberghofen, Großberghofen und Odelzhausen – und sicherlich noch an weiteren Orten! Schreiben Sie mir doch!

 

 

Servus beianand!

Vorgestern auf der Autobahn sah ich auf der Gegenfahrbahn Auto an Auto, Stoßstange an Stoßstange, alle auf dem Weg in Richtung Süden, die bayrischen Seen, die Berge – alles beliebte Ausflugsziele am Wochenende und auch für den längeren Aufenthalt. Ich war hingegen auf der Fahrbahn gen Norden in unseren Landkreis unterwegs und kam zügig voran.

Dabei fiel mir wieder ein, dass die April-Ausgabe des Magazins Servus für unser Dachauer Land geworben hatte. Die Redaktion hatte zu „einem Ausflug in ein beschauliches Stück Oberbayern“ eingeladen und zum Besuch aufgefordert: „Da gehen wir jetzt hin“.

Mit etwas klopfendem Herzen hatte ich den Beitrag gelesen: was würde die Redaktion von unser Gegend zeigen, wie würde das Dachauer Land dargestellt werden? Beim ersten Durchblättern: schöne Bilder, einladende Einkehrmöglichkeiten, Kulturtipps und nur Sonnenschein, blühendes Land, barocke Pracht, lächelnde Bürger. Auch in die oberbayrische Klischeekiste wurde kräftig gegriffen: Tracht, Bier, Wallfahrt. Aber das ist ja nicht verwunderlich –  oder haben sie schon einmal eine Reiseempfehlung mit verregneten Landstrichen und griesgrämigen Bewohnern gesehen, gar mit Wanderrouten durch gesichtslose Gewerbegebiete und Neubausiedlungen?

Deshalb zeigt auch Servus einige Schokoladenseiten des Dachauer Landes, die vielleicht mehr Besucher in den Münchner Norden locken werden. Dennoch glaube ich nicht, dass sich die Besucherströme von Norden nach Süden umkehren werden. Wir werden weiterhin ohne Stau und Stress das Hügelland, die Museen und Kulturangebote genießen können. Und schließlich gibt es ja noch viel mehr bei uns zu entdecken, als der Servus-Artikel vorgestellt hat!

In diesem Sinne bis demnächst, ganz entspannt, vielleicht in einem unserer Biergärten: „Servus beianand!“

 

Mein Tipp: im Juli erscheint im Bayerland Verlag ein Heimatbuch für Kinder. Zwei Mäuse unternehmen eine Entdeckungstour durch den Landkreis. Lassen sie sich überraschen!

Und noch ein Tipp: Mit dem Dachauer Forum besuche ich im Juni Kunsthandwerker im Landkreis.  

Das FOTO entstand beim Ludwig-Thoma-Gartenfest in Mariabrunn im Frühjahr 2017.