Bier

Fast Food

„Fast Food“ wird in unserer Familie augenzwinkernd hin und wieder auch als Synonym für „beinahe Essen“ verwendet. Wir bezeichnen damit genauso die Fertigprodukte, das sogenannte „Convenience Food“ wie auch misslungene Gerichte , wie z.B. bestimmte „gesunde“ Produkte meiner „Vollwert-Experiment-Wochen“.

Heute geht es  jedoch um das Essen in der Fastenzeit, ein Thema, das angesichts der gut gefüllten Regale mit Schokolade und Osterhasen beinahe vergessen ist. In den 40 Tagen von Aschermittwoch bis Ostersonntag ist für Christen traditionell eine Zeit des Verzichtes. Früher wurde dann, wie an den Freitagen fleischlos gegessen. Aber wie ein Blick in die Geschichte zeigt, hat man es auch in der Vergangenheit mit dem Fasten nicht immer so genau genommen oder ging kreativ damit um.

Als gebürtiger Schwäbin fallen mir da als erstes die „Maultaschen“ ein, die ein Maulbronner Laienmönch namens Jakob erfunden haben soll, um den Mönchen das verbotene Fleisch gut im Nudelteig verborgen auf den Tisch zu bringen. Ich dachte auch an den Biber, der im Mittelalter aufgrund seines mit Schuppen besetzten Ruderschwanzes und seines Lebensraums im Wasser kurioserweise als Fisch definiert wurde – also gegessen werden konnte.

Auch bei der Legende des Hl. Ulrich geht es um Fisch, allerdings in anderer Hinsicht. Es wird erzählt, dass Bischof Ulrich von Augsburg (um 890-973) ein vorbildliches Leben führte. An einem Donnerstagabend soll er mit seinem Kollegen Bischof Konrad gespeist haben. Beide führten ein so anregendes Gespräch, dass sie nicht bemerkten, wie die Zeit verging. Am Morgen erschien ein Bote des Herzogs, mit dem Ulrich wohl im Rechtsstreit war: „Ulrich reichte als Botenlohn den beim Nachtessen nicht verzehrten Rest des Bratens, ein Gänsebein. Der Bote brachte dies dem Herzog, um den Bischof nun seinerseits des Unrechts überführen zu können, dass er am Freitag Fleisch esse; als der Herzog das Gänsebein aus der Umhüllung nahm, hatte es sich in einen Fisch verwandelt.“ (zitiert nach Ökumenisches Heiligenlexikon). Aufgrund dieser Legende wird der Hl. Ulrich deshalb häufig mit einem Fisch als Attribut dargestellt, so auch im Landkreis Dachau. Hans Schertl listet zahlreiche Beispiele auf seiner Webseite der Kirchen und Kapellen auf.

Übrigens war auch Alkohol eher verpönt, der Genuss von Bier hingegen erlaubt. Bier wurde als Stärkungsmittel und Medizin gesehen, denn sogar Hildegard von Bingen hatte ihm heilende Wirkung zugeschrieben.

Klassisches Fast Food wird selbstverständlich weiterhin in entsprechenden Schnellküchen angeboten. Schön fand ich, dass der Fahrlehrer unserer Tochter sie erst neulich bat, doch mal kurz zum „Schachtelwirt“ abzubiegen – eine witzige Bezeichnung für ein Restaurant, in welchem Essen in Tüten und Pappboxen serviert wird. Dort bekommt man ganzjährig vor allem Fleisch in getoasteten Brötchen – auch zur Fastenzeit.

 

Mehr zum Thema Essen gibt es heuer bei der Kulturreihe „Poetischer Herbst“. Wir werden mit vielen Gästen ein Kulturmenü aus Theater, Lesungen und Musik servieren. Ab Juli wird das Programm mit dem Titel „An guad’n“ bekannt gegeben.

Das Foto entstand in Ecuador, wo Meerschweinchen als Delikatesse gelten. Als Souvenir kann man deshalb auch einen Meerschweinchen-Koch aus Plüsch erwerben oder, wie mein Mann, fotografieren.

 

 

 

Servus beianand!

Vorgestern auf der Autobahn sah ich auf der Gegenfahrbahn Auto an Auto, Stoßstange an Stoßstange, alle auf dem Weg in Richtung Süden, die bayrischen Seen, die Berge – alles beliebte Ausflugsziele am Wochenende und auch für den längeren Aufenthalt. Ich war hingegen auf der Fahrbahn gen Norden in unseren Landkreis unterwegs und kam zügig voran.

Dabei fiel mir wieder ein, dass die April-Ausgabe des Magazins Servus für unser Dachauer Land geworben hatte. Die Redaktion hatte zu „einem Ausflug in ein beschauliches Stück Oberbayern“ eingeladen und zum Besuch aufgefordert: „Da gehen wir jetzt hin“.

Mit etwas klopfendem Herzen hatte ich den Beitrag gelesen: was würde die Redaktion von unser Gegend zeigen, wie würde das Dachauer Land dargestellt werden? Beim ersten Durchblättern: schöne Bilder, einladende Einkehrmöglichkeiten, Kulturtipps und nur Sonnenschein, blühendes Land, barocke Pracht, lächelnde Bürger. Auch in die oberbayrische Klischeekiste wurde kräftig gegriffen: Tracht, Bier, Wallfahrt. Aber das ist ja nicht verwunderlich –  oder haben sie schon einmal eine Reiseempfehlung mit verregneten Landstrichen und griesgrämigen Bewohnern gesehen, gar mit Wanderrouten durch gesichtslose Gewerbegebiete und Neubausiedlungen?

Deshalb zeigt auch Servus einige Schokoladenseiten des Dachauer Landes, die vielleicht mehr Besucher in den Münchner Norden locken werden. Dennoch glaube ich nicht, dass sich die Besucherströme von Norden nach Süden umkehren werden. Wir werden weiterhin ohne Stau und Stress das Hügelland, die Museen und Kulturangebote genießen können. Und schließlich gibt es ja noch viel mehr bei uns zu entdecken, als der Servus-Artikel vorgestellt hat!

In diesem Sinne bis demnächst, ganz entspannt, vielleicht in einem unserer Biergärten: „Servus beianand!“

 

Mein Tipp: im Juli erscheint im Bayerland Verlag ein Heimatbuch für Kinder. Zwei Mäuse unternehmen eine Entdeckungstour durch den Landkreis. Lassen sie sich überraschen!

Und noch ein Tipp: Mit dem Dachauer Forum besuche ich im Juni Kunsthandwerker im Landkreis.  

 

M(a)ei Baum is weg

Es sind diese Momente, die die Arbeit der Heimatpflege so interessant machen –  Geschichten die das Leben schreibt. Neulich erhielt ich eine Nachricht auf den Anrufbeantworter, die wie ein Hilferuf klang: „Wir haben einen Maibaum, den die Beklauten nicht auslösen wollen, weil er angeblich nicht rechtens gestohlen wurde. Wir wollen ihn aber wieder loswerden! “

Da war ich neugierig, was geschehen war. Mir wurde erzählt, dass 35 junge Männer einen Baum aus einer Nachbargemeinde geklaut hätten, der als Maibaum ausgewiesen und auch über die Ortsgrenze hinaus in den Ort der Maibaumdiebe gebracht worden war. Alles so, wie es normalerweise vonstatten geht. In der Folge müssten die Beklauten ihren Baum mit ausreichend Bier und Brotzeit auslösen und bekämen ihn wieder zurück. Soweit so gut.

Aber dann kam der Pferdefuß: in der Truppe befanden sich fünf Männer, die aus einem anderen Ortsteil der beklauten Großgemeinde stammten. Darauf beriefen sich auch die Brotzeitverweigerer. Also wer hatte Recht?

Es gibt keine juristischen Grundlagen für den Maibaumdiebstahl. Beim Brauchtum wird auf der Grundlage von gewachsenen gemeinsamen Regeln gehandelt. Was wir schriftlich diesbezüglich haben, sind allein gewisse Grundsätze, die von Beobachtern dieses Brauchtums, wie z.B. vom ehemaligen oberbayrischen Bezirksheimatpfleger Paul Ernst Rattelmüller (1924 – 2004) festgehalten wurden, der schrieb: „Maibäume dürfen nur außerhalb der eigenen Gemeinde gestohlen werden. Dies bedeutet, dass man nur in Dörfern, die nicht zur Gemeinde gehören, einen Maibaum stehlen darf. In Dörfern der gleichen Gemeinde ist dies nicht gestattet.“ Folglich riet ich den Maibaumdieben zu einer Rückgabe ohne Auslöse, weil der Diebstahl mit den fünf Ortsteilansässigen einen faden Beigeschmack hätte. Der Anrufer wollte so handeln und den Baum dann nochmals ohne „wenn und aber“ klauen.

Aber es kam dann ganz anders: bevor der gestohlene Baum aus – nennen wir den Ort L. – zurückgebracht werden konnte, wurde er wiederum geklaut und nach S. gebracht. Die Burschen, die dafür verantwortlich waren, wollten ihn in einer Scheune lagern, für die sie noch einen Schlüssel brauchten. Als sie mit dem Schlüssel fünf Minuten später zur Scheune kamen, fanden sie den Platz davor leer. Man hatte ihnen den geklauten Maibaum geraubt und in den Ort P. gebracht!

Wer war nun für die Auslöse verantwortlich?

Da war guter Rat teuer und auch in diesem erweiterten Fall wurde ich um Rat gefragt. Daraufhin beriet ich mich auch mit dem Brauchtumsexperten Michael Ritter vom Landesverein für Heimatpflege. Beide waren wir uns darin einig, dass „Maibaumklau“ ein Brauchtum ist, bei dem es um Spaß, Geselligkeit und auch sportliche Leistung geht. Sobald es in Streit ausartet oder negativ sogar mit „Schandbäumen“ für nicht ausgelöste Bäume endet, geht viel vom Ursprünglichen verloren.

Wir plädieren beide dafür, den Spaß und die Freude wieder in den Vordergrund zu stellen! Bei doch auftretenden Streitigkeiten sollte man sich auf eine versöhnliche Art und Weise verständigen.

Wie die Geschichte im oben geschilderten Fall ausging? Ich hoffe, dass die erste erfolgreiche Maibaumklautruppe ihrer Verpflichtung, den geklauten Baum zu beschützen, nachgekommen ist und den Baum wieder zurückgebracht hat – nachdem sie ihn bei den zuletzt erfolgreichen Dieben ausgelöst hat. Ich hätte aber auch eine Idee, wie man diese außerordentliche Aneinanderreihung von Maibaumdiebstählen abschliessen könnte: a l l e Diebe treffen sich zu einer Brotzeit mit Bier, an der sich a l l e beteiligen – denn so eine Begebenheit gibt es nicht alle Tage. Das sollte man entspannt und zünftig feiern. Prosit!