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Aufbrezeln

Es ist wieder Volksfestzeit in Dachau! Und sicher werden viele ihr Dirndl oder die Lederhose aus dem Kleiderschrank holen, um sich festlich anzuziehen. Ein Trend, der sich in den letzten Jahren durchgesetzt hat. War es vor einigen Jahrzehnten eher noch üblich in Jeans aufs Volksfest zu gehen, so hat sich inzwischen das Tragen von Tracht eingebürgert. Viele finden es heutzutage wieder schön, klassische Dirndl und echte Hirschlederne zu tragen. Vielleicht fällt beim Anblick eines festlich Gekleideten dann auch mal der Ausdruck: „Heut hast dich aber aufgebrezelt!“. Woher der Ausdruck und seine Bedeutung wohl stammen?

Ein Blick in das Bayerische Wörterbuch verschafft da Klarheit. Dr. Andrea Schamberger geht dem Wort und seiner Entstehung auf den Grund. „Brezn“ käme von Breze, das auf das lateinsche „bracchium“ zurückgehe, was Arm bedeute – weil eine Breze ja an zwei verschlungene Arme erinnere. Aus diesem Substantiv habe man dann ein Verb gebildet. Die Bedeutung sei von daher anfangs gewesen „etwas so kunstvoll und schön wie eine Breze formen“.

Das Wort gehört übrigens zu den neueren Schöpfungen in der bayrischen Sprache. Andrea Schamberger findet den ersten Beleg in „Monaco Franze: Der ewige Stenz“ von Helmut Dietl und Patrick Süskind aus dem Jahr 1983: „Sie ist richtig aufgebrezelt, geschminkt, trägt ein knallrotes, mit Pailletten besticktes Glitzerkleid, ein Handtaschl aus dem gleichen Stoff und eine schwarze Lackmütze“. Der Ausdruck scheint sich dann in den Folgejahren in den Printmedien eingebürgert zu haben. 1991 nannte Willy Astor sein Kabarettprogramm auch „Aufgebrezelt“ – der Begriff wurde also nicht nur auf Kleidung, sondern auch auf andere Bereiche übertragen. 2007 fand das Bayerische Wörterbuch heraus, dass der Begriff flächendeckend in Bayern verbreitet war.

Aufbrezeln sei „sich auffällig schminken und kleiden“, steht seit dem Jahr 2000 im Duden. Und 2004 taucht es auch im Verzeichnis Dachauer Dialektausdrücke „Dachauerisch“, herausgegeben vom ehemaligen Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler auf. Dort wird es als „aufgedonnert“ übersetzt, also eher als „aufgmaschelt“, was soviel wie „übertrieben aufgemacht“ bedeutet. So können sich Wortbedeutungen verändern! Vom ursprünglichen kunstvollen Herrichten bis zum Zuviel des Guten.

 

TITELFOTO: Charlotte Richter. Richtig aufgebrezelt auf dem Dachauer Volksfest 2026

 

FOTO 2: Und nochmals aufgebrezelt auf einem Foto aus dem Jahr 2017 mit freundlicher Erlaubnis zur Veröffentlichung der Ludwig-Thoma-Gemeinde Dachau. Sie feierte in Mariabrunn ein Sommerfest anlässlich des 150. Geburtstags des Literaten. Der Vorsitzende Edi Hörl und ich führen den „historischen“ Festzug an.

 

Zeit für Brezen

Fastenzeit – Brezenzeit! Nach den vielen üppig gefüllten Faschingskrapfen, die in reichlich siedendes Öl getaucht waren, teilweise noch mit Puderzucker bestäubt oder mit anderen „kalorienarmen“ Glasuren überzogen, steht sicherlich nicht nur mir der Sinn nun nach etwas Salzigem, Trockenem, Leichtem.

Da kommt die Breze oder schwäbisch „Brezel“ wie gerufen. Die Schwaben mögen sie gerne teigig, weich in der Mitte, nicht zu dunkel mit wenig Salz. Die Bayern hingegen lieben sie eher „rösch“, gerne mit reichlich Salz und knusprig gebacken. Aber nicht nur beim Geschmack unterscheiden sich hier die beiden süddeutschen Brezenfraktionen – auch die Entstehung des Gebäcks wird auf unterschiedliche Legenden zurückgeführt.

In Schwaben heißt es, gab Graf Eberhard von Urach seinem Hofbäcker, der ihn bestohlen hatte, die Chance dieses Vergehen wieder gut zu machen: er sollte innerhalb von drei Tagen ein Gebäck erfinden, bei dem die Sonne dreimal durchscheint. Es wird erzählt, dass der verzweifelte Bäcker die Inspiration zu diesem Gebäck dadurch erhielt,  dass er seine Frau, die mit verschränkten Armen im Türrahmen lehnte, als Vorbild für die Form der Brezel nahm. Der Name des Gebäcks wird ja auch vom lateinischen „brachium“ (=Arm) abgeleitet.

Die bayerische Variante sagt hingegen, dass Wilhelm Eugen von Ursingen bei einem Frühstück am 11. Februar 1839 im königlichen Kaffeehaus Eilles in München ein Gebäck erhalten habe, das der Bäcker Anton Nepomuk Pfannenbrenner statt in Zuckerwasser versehentlich in Natronlauge getaucht habe. Die Erfindung der Breze habe folglich in Bayern stattgefunden. Allerdings gilt hier anzumerken, dass Wilhelm Eugen von Ursingen der königlich-württembergische Gesandte war. Aber die Quelle für diese Informationen stammt wiederum auch aus Schwaben…

Neutrale(re) Quellen verorten ihre Entstehung oftmals im klösterlichen Umfeld. Eine Breze war nämlich die ideale Fastennahrung, da sie weder Milch, Butter noch Ei enthielt, was zu bestimmten Zeiten das Gebot war.

Aber letztendlich ist es ja auch (für mich) nicht so wichtig wo die Brezen ihren wirklichen Ursprung haben – nicht nur in der Fastenzeit sind sie ein Genuss. Auch gerne mit Butter oder Weisswürsten…

 

FOTO: Das Foto entstand 2018 beim Landfrauentag im Dachauer Landkreis.