Heimatort

Go west

1927 bestieg ein junger Mann aus dem Schwarzwald ein Schiff der Hamburg-Amerika-Linie, um in Übersee sein Glück zu machen. In seinem Heimatort herrschte aufgrund der Wirtschaftskrise der 20er Jahre eine hohe Arbeitslosigkeit und Verwandte im fernen Amerika versprachen ihm eine bessere Zukunft.

Auch aus der Stadt und dem Landkreis Dachau machten sich in diesen Jahren viele Menschen auf den Weg nach Amerika. Ihre Namen, Abreisedaten, Alter und Berufe kann man im Archiv des Auswanderermuseums in Bremerhaven nachlesen.

Ab und an wurde  auch in den Dachauer Lokalzeitungen über Auswanderer geschrieben. Der Heimatforscher Hubert Eberl aus Bergkirchen wies mich dankenswerterweise auf einen Artikel hin, der am 30. August 1997 in den Dachauer Nachrichten erschien und über den Besuch von einem Verwandten der Familie Haas aus Bergkirchen berichtete. 1926 waren auf Vermittlung des damaligen Pfarrers Schöttl, der selbst in Amerika gewesen war, sieben junge Männer aus dieser Gemeinde ausgewandert. Einer dieser Auswanderer war Thomas Haas: „Im elterlichen Anwesen gab es nichts, was ihn hielt. Bei 13 Geschwistern konnte bei dem über 100 Tagwerk großen Hof nicht viel herausschauen. Es reichte gerade mal für das Essen.“

Ein weiterer Auswanderer aus Dachau nahm am 21. Oktober 1926 die „München“ von Bremen nach New York: der Malermeister Josef Bachmaier, der im März des gleichen Jahres zu den Gründungsmitgliedern des Trachtenvereins  „Schlossbergler“ gehört hatte, die sich weiterhin für den Erhalt der Gebirgstracht einsetzen wollten. Er blieb dem Verein auch in seiner neuen Heimat verbunden und ermöglichte durch mehrere Spenden, dass 1928 eine Tischstandarte in Dachau erworben werden konnte.

Zwei Schicksale aus unserem Landkreis unter vielen, die der Besucher des Auswanderermuseums in Bremen kennenlernen kann. Hier schlüpft er selbst in die Rolle eines Emigranten und durchlebt dessen Weg von der Einschiffung über die Reise bis hin zu Ankunft in Ellis Island. Er kann beim Abschied im Hafen die Ängste und Sorgen der Einwanderer erfahren, den schwankenden Boden im Schiff unter seinen Füßen spüren und sowohl die Enge und Strapazen der Überfahrt als auch die demütigende Prozedur der Registrierung nachvollziehen. Nach bestandenem Einwanderungstest darf er einreisen und gelangt dann zur Central Station. Er erfährt dann im weiteren Rundgang, wie es einzelnen Immigranten in ihrer neuen Heimat ergangen ist. Die Reise zurück nach Deutschland erlebt der Besucher dann aus der Perspektive eines Zuwanderers nach Deutschland in den Wirtschaftswunderjahren.

Übrigens: der eingangs genannte junge Mann kehrte bereits ein Jahr nach seiner Ankunft in den Staaten wieder nach Deutschland zurück. Sein Heimweh war stärker als seine Träume von einer goldenen Zukunft. Und so blieb die Reise meines Großvaters Emil eine Fußnote in unserer Familiengeschichte. Immerhin war sie der Anlass das Bremerhavener Auswanderermuseum zu besuchen, was ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.

 

Die Postkarte mit dem FOTO der New York  befand sich im Nachlass meines Grossvaters.