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Das Glücksschwein

Gerade haben wir Silvester gefeiert und das neue Jahr begrüßt. Dabei wurden auch Glückssymbole, wie vierblättrige Kleeblätter, Schornsteinfeger, Pfennige, Hufeisen und auch Schweine verschenkt. Es gibt sie als Pappfiguren, Seifen oder als essbare Süßigkeiten aus Schokolade oder Marzipan.

Warum wurden gerade diese Symbole gewählt? Fest steht, dass jemand, der eines der seltenen vierblättrigen Kleeblätter findet, wirklich Glück hat. Schornsteinfeger galten seit dem Mittelalter als Glücksboten, weil sie den schädlichen Ruß, der oftmals zu Hausbränden führte aus den Kaminen entfernten. Glückspfenninge verweisen auf Reichtum und Hufeisen schützten Pferde und entwickelten sich so zu einem Symbol für Schutz und Glück. Und wie sieht es mit dem Glücksschwein aus? Schließlich ist das Schwein nicht in allen Kulturen gleichermaßen geschätzt. Bei den Griechen und Römern war es ein Zeichen für Wohlstand. Im jüdischen und muslimischen Kulturkreis wurde und wird das Schweinefleisch hingegen als unrein angesehen. Aber auch in christlichen Gesellschaften wurde das Schwein häufig mit Schmutz und Gefräßigkeit verbunden, schließlich setzte man im Mittelalter freilaufende Schweine zur Müllentsorgung in den Städten ein. Andererseits konnten gemästete Ferkel, die auch mit Essensresten gefüttert wurden und schnell zu großen Schweinen heranwuchsen, gegessen oder mit Gewinn verkauft werden. Man konnte auch auf die zahlreichen Nachkommen hoffen, die eine Sau zur Welt bringt – bis zu zehn Ferkel pro Wurf! Daran erinnert auch heute noch das „Sparschwein“, das ein Mehr an Geld verspricht.

Und da sich in diesem Blog vieles ums Schwein dreht, möchte ich noch ein besonderes Exemplar vorstellen: Im Zuge der Überprüfung des Kunstbestandes im Landratsamt haben meine Kollegin und ich auch das  Holzschwein, das im ersten Stock in einem Pfalztrog lebt, aufgesucht (s. Foto). Es fällt erst auf den zweiten Blick auf – es ist sehr genügsam und blickt den Vorbeigehenden leicht schläfrig an. Der Dachauer Bildhauer und Maler Gerhard Schmidl (1931-2025) hat das Schwein aus Lindenholz lebensecht geschnitzt – wahrscheinlich nicht wissend, dass es einmal eine Art von Haustier im Landratsamt werden würde. Wir wissen nicht viel über diese Skulptur und ihre Geschichte und können deshalb auch nur vermuten, dass es sich womöglich um ein Glücksschwein handelt könnte.

 

FOTO: Birgitta Unger-Richter, Skulptur Schwein von Gebhard Schmidl.

Übrigens gibt es auch einen Patron der Schweine und Schweinehirten: es ist der Heilige Antonius der Große (seine Lebensdaten sind nicht genau gesichert, um 250 -356 n. Chr.). Er war ein Einsiedler, der vom Teufel in der Gestalt eines Schweins in Versuchung geführt wurde. Und ganz neu ist der Gedenktag des Glücksschweins, der für den 1. Januar ausgerufen wurde – eher ein „kurioser Feiertag“, der sich noch nicht durchgesetzt hat. Zu Glücksbringern gibt es auch einen Beitrag des Bonifatiuswerks auf brauchtum.de. Darin wird der Schornsteinfeger als Überbringer von Neujahrswünschen beschrieben.

 

 

Heimatland?

„Heimatland“ – dieses alte Filmplakat hat sofort meine Neugierde geweckt. Ich fand es bei einem unserer letzten Außentermine im südwestlichen Landkreis in einer ehemaligen Werkstatt.

Der Filmtitel „Heimatland“ sagte mir zunächst nichts. Recherchen im Internet ergaben, dass der Streifen im Jahr 1955 erschien. Kurz gefasst handelt es sich um eine typische 50er Jahre-Geschichte in einer vermeintlich heilen Welt. Thematisiert werden Werte der Nachkriegszeit und Sanktionen für Menschen, die vom strengen Regelgerüst der Zeit abweichen. Dabei wird tief in die Klischeekiste mit feschen Jägern, einem süßen Hund, hübschen jungen Frauen im Dirndl und einem Wilderer gegriffen.

Aber der Titel „Heimatland“ weist auch über die 50er Jahre hinaus, mitten in die immer noch aktuelle Heimat-Debatte, die zu Beginn des Jahres mit der Ankündigung ein „Heimatministerium“ auf Bundesebene schaffen zu wollen, erneut in Fahrt kam. Sehr wohltuend inmitten all der politischen Statements nahm sich eine Serie in der Süddeutschen Zeitung aus, die Heimat von allen Seiten beleuchtete und die neue Heimat z.B. im Internet genauso berücksichtigte (23. 01.2018) wie auch die kulinarische Heimat (10.01.2018). Interessant fand ich auch den Beitrag der österreichischen Schriftstellerin Petra Piuk (09.01.2018), die sich mit den Inhalten des Heimatromans befasste. Ihre aufgelisteten Charakteristika für den klassischen Heimatroman können genauso gut auf altbackene Heimatfilme à la „Heimatland“ angewandt werden: heile Welt, Brauchtum, Naturverbundenheit, Familienidylle, Tierliebe, Hochzeitsglocken… Piuk plädierte dafür, diesen Bildern ehrliche, aktuelle Themen in der Heimat entgegenzusetzen. In die gleiche Richtung dachte die Journalistin Constanze von Bullion, die die Aufgabe eines „Heimatministeriums“ darin sah, ein Ort zu sein „in dem sich das Eigene mit dem Fremden versöhnt“. Das ist für mich eine schöne salomonische und dennoch aufgeschlossene Definition für ein neues „Heimatland“, nicht für neue Filme und Romane, sondern für die sich stetig wandelnden Realitäten unserer Zeit.

 

Zum Thema Heimat lade ich sie herzlich zu meiner Heimat-Sprechstunde – ohne Anmeldung – rezeptfrei! ein:

  • Was hilft gegen Heimweh?
  • Kann man auch unter Heimatklischees leiden?
  • Wann trägt Heimat zum Wohlbefinden bei?
  • Ist Heimat nur ein Symptom oder ein Syndrom?
  • Gibt es Denkmalschutz nur auf Rezept?
  • Kann man Brauchtum verordnen?
  • Was hilft gegen Flächenfraß?
  • Wie schafft man den Balanceakt zwischen Tradition und Moderne?

Es werden keine Patentrezepte ausgestellt – aber es gibt Zeit für ein gemeinsames Gespräch, einen Informationsaustausch und für Anregungen und Fragen.

Aktuell steht kein neuer Termin fest.

Für Kinder und interessierte Erwachsene lesen Andrea Wilfer und ich ab und an aus dem Landkreisbuch „Auf Mäusepfoten durchs Dachauer Land“. Termine sind der Presse zu entnehmen oder beim Bayerland Verlag und der Autorin zu erfahren.

Das FOTO entstand während eines Amtstages in einer ehemaligen Werkstatt im westlichen Landkreis Dachau.