Überraschungsei

Überraschung!

Schütteln sie beim Kauf der genialen Schokoladeneier mit Innenleben diese auch erst einmal? Bei uns in der Familie galt die Regel, dass ein monotones Klack-Klack auf fertige Plastikfigürchen hinweise, kein Scheppern oder diffuses Klackern auf eine Bastelei, die in einer Anleitung verpackt war. Je nach persönlichen Vorlieben wurde dann die vermeintlich eindeutige Wahl getroffen. Aber wie der Name der Eier schon richtig sagt, ist der Inhalt eigentlich eine Überraschung, weshalb wir uns auch oftmals irrten.

Wussten sie, dass es die Kombination von Schokolade und Spielzeug  bereits seit 1974 gibt? Schokoladeneier und andere süße Ostereier waren noch vor dem Zweiten Weltkrieg sehr selten und erlebten erst in der Nachkriegszeit einen Aufschwung. Für meine Großmutter waren noch rote durchsichtige Zuckerhasen, kleine bunte Zuckereier und  „Fondant Eier“, die wie ovale Spiegeleier aussahen, der Inbegriff der Ostersüßigkeiten, mit denen sie die Osternester meiner Kindheit in den 60er- und 70er Jahren bestückte. Meine Schwester und ich bevorzugten hingegen die immer mehr in Mode kommenden Schokoladeneier, vor allem diejenigen, die nicht mit undefinierbaren pastellfarbenen Cremes namens „Knickebein“ gefüllt waren.

Die ersten Eier, die Spielwaren enthielten, waren vor diesem Hintergrund etwas sehr Besonderes, wobei – offen gestanden – die Schokolade für uns erst an zweiter Stelle stand.

Die Idee von Schale und Innenleben hatte jedoch auch vor der Erfindung des Schoko-Spielwareneis immer wieder die Phantasie der Menschen angeregt. Konstant wurde das Ei als Fruchtbarkeitssymbol gesehen und mit dem Frühjahr verbunden, wenn Hühner besonders viele Eier legen.

Die Gnostiker sahen  es als Symbol des neuen Lebens, bei dem sich die Seele (das Küken) vom Irdischen (der Schale) befreie. Im Christentum wurde eine Verbindung zur Auferstehung Christi hergestellt, die an Ostern gefeiert wird: „Wie das Küken aus dem Ei gekrochen, so hat Christus das Grab zerbrochen.“

Aber dass dies die Grundidee hinter dem Überraschungsei gewesen sein könnte, halte ich für eher unwahrscheinlich – das würde mich dann doch sehr überraschen…

Eine schöne Überraschung ist hingegen, dass einige meiner Blogbeiträge bereits 1000 mal gelesen wurden. Ich danke allen Lesern für ihr Interesse!

Die Hinweise zur Symbolik des Eis entnahm ich Pater Eckhard Bieger SJ: Feste und Brauchtum im Kirchenjahr, Leipzig (Benno Verlag) o.J. , S. 83f.

 

 

 

 

 

Chewing gum

Eigentlich war es eher ein Zufallsfund: ein Kaugummiautomat in einem Ort im Dachauer Hinterland. Dabei waren wir unterwegs, um alte Bauwerke auf mögliche Denkmalseigenschaften zu überprüfen. „Na, was hältst du denn davon?“, fragte mich mein Kollege und zeigte auf die beiden Automaten. „Ein klarer Fall von Denkmalschutz!“, konterte ich lachend.

Das war der Auftakt für einen Austausch von Erinnerungen aus unserer Kindheit. Die Kaugummiautomaten mit Klarsichtfenster lockten früher gleichermaßen Fans von Süßigkeiten und Schatzsucher an. Man brauchte ein Zehnpfennig(!)stück, legte es in den dafür vorgesehenen Geldschacht, drehte den Knopf und hörte die Kaugummikugel in den mit einer Klappe verschlossenen Sammelbehälter fallen. Welche Farbe würde es wohl sein? Und vielleicht war ja auch eine Zugabe dabei! Was gab es da nicht für begehrenswerte Dinge wie silberne Ringe mit Totenkopfschädel, Schlüsselanhänger oder anderen Krimskrams. Für uns Kinder war das früher eine willkommene Abwechslung auf dem Schulweg  und selbstverständlich auch ein Anreiz das knapp bemessene Taschengeld auszugeben. Der Kaugummi war dabei eher Nebensache, vielleicht vergleichbar mit den später in Mode gekommenen Schokoladen-Überraschungseiern mit Spielzeug und Bastelsätzen.

An den mit Zuckerguß überzogenen leicht säuerlichen Geschmack meiner Kindheits-Kaugummis kann ich mich heute noch erinnern. Er war nicht zu vergleichen mit den in Streifen angebotenen amerikanischen Kauprodukten, die, wie ich recherchiert habe, bereits seit 1893 als „Spearmint“- chewing gum auf dem amerikanischen Markt waren. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass In Deutschland der „chewing gum“ nach dem 2. Weltkrieg seinen Durchbruch und Aufschwung durch die Amerikaner erlebte. Automaten mit Kaugummis wurden in der Folge vor allem in den 50er und 60er Jahren in West-Deutschland aufgestellt. Sie mit Kugeln zu befüllen war eine praktische Idee, die Zugabe von Spielzeug ein kluger Marketing-Schachzug.

So gesehen ist der von uns entdeckte Kaugummiautomat auch ein Stück Kulturgeschichte der Nachkriegszeit. Aber könnte er als Denkmal eingeordnet werden? Das Denkmalschutzgesetz definiert Denkmäler schließlich als „von Menschen geschaffene Sachen oder Teile (…) aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt.“

Sollte dies nicht ausreichen, um ihn als ersten Kaugummiautomat in die bayerische Denkmalliste aufzunehmen, dann habe ich ihm zumindest auf meinem Blog ein Denkmal gesetzt.

 

Wenn sie erraten haben, wo sich die beiden fotografierten Automaten befinden, schreiben sie mir doch. Der Finder erhält auf jeden Fall ein Päckchen Kaugummi, ohne Totenkopfring!