Schlagwort: Frühling

Servus Murmeltier!

Am 2. Februar ist in den USA der sogenannte „Murmeltiertag“. Viele erinnern sich sicherlich an den Film aus den 90er Jahren, in dem Bill Murray als Wetterfrosch darüber berichten soll und dabei in eine scheinbar endlose Zeitschleife gerät. Der Filmtitel „Und ewig grüßt das Murmeltier“ gehört mittlerweile zu den geflügelten Wörtern im deutschen Sprachgebrauch. Hintergrund ist ein amerikanischer Brauch, der seit dem 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten am 2. Februar ausgeübt wird. Man beobachtet an diesem Tag ein Murmeltier in seinem Bau: wirft es, wenn es herauskommt einen Schatten, bleibt es winterlich. Ist hingegen kein Schatten zu sehen, dann wird es Frühling.

In Deutschland werden an diesem Tag keine Murmeltiere beobachtet. Doch die Sehnsucht nach dem Frühling zeigt sich bei einigen Bauernregeln, die mit dem Fest der Darstellung des Herrn „Mariä Lichtmess“ verbunden sind, das am 2. Februar in katholischen Gegenden begangen wird: „Wenns an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell.“ Und eine weitere Regel verheißt, dass jetzt die Tage nach der dunklen Winterzeit länger werden: “Lichtmess verlängert den Tag um eine Stunde für Leute und Hunde.“

Vor der Einführung des elektrischen Lichts sorgten Kerzen für Helligkeit in der dunklen Jahreszeit. Diese wurden am Festtag Mariä Lichtmess in die Kirche gebracht. Dort wurde der Jahresbedarf an Kerzen während der Messe geweiht. Hintergrund dafür war das biblische Ereignis der Vorstellung des jungen Jesus im Tempel. Seine Eltern Maria und Josef brachten ihn, wie es im jüdischen Kulturkreis damals Brauch war, vierzig Tage nach der Geburt zum Tempel. Hier trafen sie nach der Überlieferung auf den alten Simeon, der erkannte, dass Christus der Erlöser und damit das „Licht der Welt“ sei.

Mit Lichtmess wurde früher auch die sogenannte “Lichtarbeit“ beendet, das Arbeiten bei Kerzenlicht in den damals vorwiegend dunklen Stuben. Eine Redensart dazu lautet: „Lichtmess – das Spinnen vergess`, Radl hinter die Tür, die Hacke herfür“ – also das Spinnrad wird verbannt und die Gartenhacke wieder hervorgeholt.

Auch wenn das Murmeltier – das wir von dieser Stelle aus herzlich im amerikanischen Punxsutawney grüßen –  heuer keinen Schatten werfen sollte, so nähert sich der Frühling zumindest in den heimischen Bauernregeln mit großen Schritten.

 

FOTO: Birgitta Unger-Richter. Kein Murmeltier, sondern eine Maus in einem Café bei Mering, die auch Licht ins Dunkel bringt. 

Übrigens gilt Lichtmess auch als das „Bauernneujahr“, weil in ländlichen Gegenden früher das neue Dienstjahr der Knechte und Mägde an diesem Tag begann. Sie erhielten ihren Lohn und hatten ein paar Tage frei. Es bestand auch die Möglichkeit, den Arbeitgeber zu wechseln.

Der 2. Februar ist 40 Tage nach Christi Geburt an Weihnachten. Deshalb gilt Lichtmess auch heute noch im Kirchenjahr als Ende der Weihnachtszeit. Manche Menschen knüpfen auch heute noch daran an, und entfernen den Christbaum und ihre Krippe erst jetzt.

Mehr zu Lichtmess und anderen Festen, die mit Licht und Dunkel verbunden sind finden Sie bei Dorothea Steinbacher: Wenns draussen finster wird, München 2020. Dort auf S.185 das zuletzt genannte Zitat. Die anderen Bauernregeln und weitere Hinweise zum Brauch auf Brauchwiki.  

 

 

 

 

 

Der Lenz ist da

Der Lenz ist da! Auf der „Kreativ-Wiese“ in Kollbach steht Frau Flora gerade im Mittelpunkt einer frühlingshaften Dekoration mit vielen Blumen, Gockelnestern und einem Schriftzug „Lenz“.

Was vor einigen Jahren als einmalige Idee begann, hat sich inzwischen zur festen Einrichtung in Kollbach gewandelt – ein Wiesenstück in der Ortsmitte, das mit immer neuen Dekorationen bestückt wird. 2019 begannen einige Bürger auf einem brach liegenden Grundstück gegenüber dem Gasthaus mit Blumen und Dekoration etwas Farbe in den Ort zu bringen. Inzwischen werden je nach Jahreslauf immer wieder neue Themen in Szene gesetzt.

Bis heute ist die Wiese ein beliebtes Ziel bei Spaziergängern. Aber auch Autofahrer halten immer wieder an und loben die beiden Gestalter Elisabeth Bauer und Hans Dirigl für die immer wieder neuen Ideen. Die Kreativität strahlt auch auf andere aus: die beiden wurden auch schon von den Kindern des Waldkindergartens unterstützt, die für die Wiese Sterne oder Wichtel bastelten. 2021 gab es eine besondere Aktion: jedes Kind, das für den Osterhasen ein Osterbild malte und es in einem eigens dafür aufgestellten Briefkasten einwarf, erhielt ein kleines Ostersäckchen nach Hause gebracht. Diese Aktion war ein kleiner Ersatz und Trost für die in der Coronazeit nicht stattfindende Ostereiersuche.

Apropos Osterhase: als ich in Kollbach war, wartete bereits eine Figur in der Schubkarre darauf, dass sie sich in einen Hasen verwandelt. Für die vielen weiteren Hasenfiguren, die sich dann mit ihm zusammen auf der Wiese versammeln werden, stiften Kollbacher Bürger auch Kleidung wie Dirndl oder Lederhose und einen Namen. Diese Paten feiern dann die Hasentaufe auf der Kreativwiese mit einem Umtrunk.

So ist die Wiese nicht nur ein dekorativer Hingucker, sondern auch ein Platz der Begegnung im Ort, der auch zum Mitmachen und zur Geselligkeit einlädt. Und für die Vorbeifahrenden ist sie ein netter Gruß, der viele zum Schmunzeln bringt. Aktuell ist der Lenz da und läßt sein blaues Band flattern, bis er vom Osterhasen abgelöst wird…

 

 

 

 

 

 

Titelfoto und „Lenz“: Birgitta Unger-Richter

Die folgenden Bilder stammen von der Ortschronistin Frau Berberich aus Kollbach, die die Wiese für die Installationen zur Verfügung stellt und alle bisherigen Dekorationen dokumentiert hat. Mein herzlicher Dank gilt ihr und Elisabeth Bauer und Hans Dirigl, die mir viel über ihre Wiese berichtet haben.