Schlagwort: Maulwurf

Holla die Waldfee!

Das habe ich schon öfters gesagt, ohne mir darüber im Klaren zu sein, was es eigentlich bedeutet. Meist, wenn ich überrascht war. Ob es auch etwas mit Holunder zu tun haben könnte? Schließlich wird er umgangssprachlich oft als „Holler“ bezeichnet. Vielleicht eine veränderte Schreibweise, wie wir es häufig durch mündliche Überlieferung haben?  Aus Holler wurde Holla?

Aktuell begegnet einem der Holunder überall, die weißen Blüten verströmen einen unverkennbaren Duft nach Frühsommer und manch einer wird sie auch in der Küche verarbeiten: als Holundersirup, Gelee oder als gebackene Hollerküchle. Oder warten sie auf die Früchte, um einen gesunden Saft für den Winter zuzubereiten?

Holunder ist nämlich mehr als ein Nahrungsmittel, er ist Bestandteil der Hausapotheke als Heilmittel u.a. gegen Erkältungskrankheiten. Von jeher schätzten Menschen deshalb diesen Baum als wertvollen Schutzbaum, der bei keinem Hof oder Haus fehlen sollte. Schließlich sollte er auch vor Blitz und Unheil bewahren. An vielen alten Bauernhäusern im Landkreis findet man diesen Hausbaum auch heute noch.

Der Baum soll ein Geschenk der den Menschen wohlgesonnenen Göttin Hulda sein, die im Laufe der Zeit zur „Holle“ wurde. Sie fand als „Frau Holle“ Eingang in die Märchenwelt der Gebrüder Grimm.  Aber „die Waldfee“ hat wohl nichts mit der Göttin zu tun, sondern vielmehr mit einem Ausspruch in einem Theaterstück des Autors Oskar von Redwitz „Philippine Welser“ von 1858: „Husch die Waldfee!“- jedenfalls vermutet das die berühmte Maus aus der nach ihr benannten Sendung. Wie diese beiden Bedeutungen zusammenfanden- das bleibt aber auch für sie ein Mysterium. Weitere Mythen ranken sich um den Hollerbusch und seine Wirkung. Auch der junge Zauberer Harry Potter hat einen Zauberstab aus „Elder“, d.h. Holz des schwarzen Holunders. Kein Zauberstab, aber ein Ästchen, das man in Maulwurfslöcher steckt, soll diese auch vertreiben, las ich. Das war mir neu. Das könnte ich mal ausprobieren, denn bisher graben sie auch in der Nähe des Holunderstrauchs. Aber ich lass mich gerne überraschen: Holla die Waldfee!

FOTO: Mein blühender Holunder. Birgitta Unger-Richter

 

Kuckuck – Kuckuck!

„Kuckuck, kuckuck ruft’s aus dem Wald“- die alte Volksliedzeile fiel mir ein, als ich morgens die Fenster öffnete, um die frische Frühlingsluft ins Haus zu lassen. Aus dem mehrstimmigen Vogelstimmenchor trat ein unaufhörliches „Kuckuck – Kuckuck!“ hervor. Da erinnerte ich mich, dass dieser deutlich vernehmbare Gast bereits schon im letzten Jahr sein Quartier in der Nähe unseres Hauses  aufgeschlagen hatte. Nach dem ersten freudigen „ein Kuckuck! – wie schön!“ – war schon bald ein genervtes „schon wieder der Kuckuck!“ geworden. Denn er, wie es so richtig im Volkslied heißt, „läßt nicht sein Schrein“.

Aber ich will mich heute nicht über mein Tierparadies mit schatzgrabenden Maulwürfen, ernteplündernden Amseln und laut schreienden Singvögeln beschweren – vielmehr ein paar Gedanken zum gesungenen Liedgut mit Ihnen teilen.

Was verbinden Sie mit „Volksliedern“?  Bei den älteren Lesern schleicht sich vielleicht ein gewisses Unbehagen ein, wurden diese Lieder doch von den Nationalsozialisten häufig instrumentalisiert und damit vielfach beschädigt. Was dann in den 50er Jahren in den Heimatfilmen gesungen wurde, gehörte oftmals dann einfach in das Genre „Kitsch“ und „Schmalz“. Als Grundschüler lernten wir zwar jahreszeitlich passende Lieder und begleiteten sie mit Orff’schen Instrumenten – doch als Teenager liebten wir es, die Schlager von internationalen Popgruppen auf englisch mitzusingen. Beim Schüleraustausch standen wir dann oftmals hilflos vor unseren Gasteltern und Gastschülern, wenn wir aufgefordert wurden, doch ein deutsches Lied zu singen. Singen war in unseren Augen altmodisch und peinlich. Noch heute erinnere ich mich mit Grausen an eine Musikstunde, in der wir unter den gestrengen Augen des Musiklehrers am Flügel begleitet das Kunstlied „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ singen mussten…

Nach vielen Jahren stelle ich aber fest, dass selber Singen doch Spass machen kann und bedauere, dass ich mit meinen Kindern nicht mehr gesungen habe. Dennoch – erst neulich hatten wir Besuch von einer italienischen Musikerin, die nach einem deutschen Lied fragte. Als unsere Tochter dann spontan „Drunt in der greana Au“ einstimmte, konnten wir alle mitsingen.

Jetzt las ich, dass sich die Gruppe Quadro Nuevo der Interpretation von Volksliedern angenommen hat. Das halte ich für eine schöne Idee. Aber mehr selber singen wäre vielleicht auch etwas? Es gibt vielerorts Angebote für offenes Singen, wo man zwanglos internationales Liedgut singt. Bayrische Lieder können auch im Rahmen des Volksmusikprojektes im Wittelsbacher und Dachauer Land gelernt und geübt werden, nicht nur in Kindergärten und Schulen, auch in anderen Runden.

Zurück zu meinem gefiederten Sänger: es gibt ja noch ein anderes Volkslied, das von einem Kuckuck handelt: „Der Kuckuck und der Esel“. Dort heißt es, dass die beiden Tiere einen Sängerwettstreit im Mai führten. Das Ende vom Lied ist ein  fortdauerndes  „Kuckuck, Kuckuck, i-a, i-a! Kuckuck, Kuckuck, i-a!“ Da habe ich ja mit meinem Solisten echt noch Glück gehabt….

 

P.S: Der Begriff des „Volksliedes“ wurde bereits 1773 von Gottfried Herder geprägt. Er wollte damit die moderne lyrische Dichtung gegen die aus seiner Sicht „künstliche“ Form der Barockliteratur abgrenzen. Interessanterweise lehnte er seinen Begriff an den englischen „popular song“  von Thomas Percy an – Pop und Volkslied sind doch enger miteinander verwandt als gedacht….

FOTO: Unger-Richter, Bunter Vogel im Schwarzwald

 

 

 

 

Schatzgräberalarm

Winteridyll, schneeweiße Gartenlandschaft, die Natur hält Winterschlaf – nein halt: da sind diese großen braunen Erdhäufen, die sich über Nacht scheinbar wieder um ein paar Dutzend vermehrt haben! Meine Maulwurfssippe kennt keine Auszeit und ist wieder eifrig am Buddeln!

Ich bin gespannt, was sie dieses Jahr wieder zu Tage fördern werden. Im letzten Sommer traute ich nämlich meinen Augen nicht: da lagen ein paar schwarze Scherben auf zwei Hügeln. Ich sammelte sie ein und nahm sie genauer unter die Lupe. Das sah mir nicht nach neuzeitlichem Bauschutt aus: schwarze, gerillte dreieckige Scherben, z.T. sehr dünnwandig. Archäologische Schätze an einem Ort, wo kein Bodendenkmal vermutet wurde?

Ich wollte auf Nummer sicher gehen, denn nach Art. 8 des Denkmalschutzgesetzes ist jeder verpflichtet Bodenfunde dem Landesamt für Denkmalpflege zu melden und vor Ort zu belassen. Da dies mein Maulwurf unterlassen hatte, wurde ich für ihn tätig. Schnell wurden die Scherben fotografiert, vermessen, der Fundort kartografiert und dann per Mail an das Landesamt mit Kopie an die Untere Denkmalschutzbehörde geschickt.

Die Antwort kam unverzüglich: „Das ist ja eine Sache! Ein archäologisch begeisterter Maulwurf macht sich im Garten der Kreisheimatpflegerin breit und bringt Funde an Tageslicht!“ schrieb mir Dr. Sabine Mayer und hielt die Scherben für mittelalterliche Hafnerware, eventuell  „Siedlungsmüll“ aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Möglicherweise seien die Reste von Keramikgefäßen durch den nahen Bach angeschwemmt oder in früherer Zeit im Gelände entsorgt worden.

Und was meinte die Untere Denkmalschutzbehörde? Eigentlich hätte der Maulwurf keine Erlaubnis zum Graben, aber da er und seinesgleichen unter Naturschutz ständen, werde von einem weiteren Vorgehen abgesehen.

Da hat er nochmal Glück gehabt! Doch was macht mein Maulwurf? Er hat bisher nichts daraus gelernt und gräbt munter ohne Grabungserlaubnis weiter…

Foto: Ein Teil der gefundenen Scherben.

Wer mehr über archäologische Funde und auch einen Maulwurf erfahren möchte, dem rate ich die neugestaltete Abteilung „Archäologie“ im Huttermuseum in Großberghofen aufzusuchen.